KommentarUmgang mit Aktionärsaktivisten

Von Brenntag lernen

Mit der Trennung der beiden Geschäftsfelder in zwei rechtlich selbständige Einheiten hat Brenntag den Aktionärsaktivisten die Angriffsfläche entzogen.

Von Brenntag lernen

BRENNTAG

So macht
man das

Von Annette Becker

Mit dem Umbau in zwei, auch rechtlich voneinander getrennte Segmente bereitet sich Brenntag auf die Aufspaltung des Konzerns vor. Als Einknicken vor dem Aktionärsaktivisten Primestone, der Anfang des Jahres eine entsprechende Kampagne gefahren hatte, sollte die Entscheidung jedoch nicht missinterpretiert werden. Sicher darf darüber debattiert werden, ob Brenntag den jetzt eingeschlagenen Weg auch ohne Druck der Investoren gegangen wäre. Tatsache ist jedoch, dass Brenntag-Chef Christian Kohlpaintner das Heft des Handelns fest in Händen hält.

Für einen Vorstandschef, der vor der Hauptversammlung im Juni noch um jede einzelne Aktionärsstimme kämpfen musste, ist das bemerkenswert. Zumal sich auch die Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis auf die Seite der Aktivisten gestellt hatten. Nun aber übernimmt Kohlpaintner die Aufspaltungsstory, ohne diese auch zu versprechen. Bis 2026 soll die Separierung in zwei selbständige Unternehmen vollzogen sein, dann sei der Chemiedistributeur bereit, die "nächsten strategischen Schritte" zu gehen.

Wie diese aussehen könnten, also ob es zu einer Abspaltung des Spezialitätengeschäfts, einer größeren M&A-Transaktion oder zum Börsengang kommt, ist offen. Das tut aber auch nichts zur Sache, hat Brenntag den Aktivisten doch die Angriffsfläche entzogen und zugleich dafür gesorgt, den Handlungsdruck zu verringern. Zwar hatte Primestone der Brenntag-Führung auch 18 bis 24 Monate zugestanden, um die Abspaltung der Spezialitätensparte durchzuziehen. Bis 2026 wollte der Hedgefonds aber sicher nicht warten.

Hohe Einmalkosten

Zupass kam Brenntag natürlich auch, dass mit Klaus-Michael Kühne ein Großinvestor an Land gezogen wurde, der seine Beteiligung erst im August auf über 10% ausbaute und genügend Zeit mitbringt, um den für Brenntag bestmöglichen Weg zu gehen. Denn die Separierung der beiden Geschäfte ist alles andere als trivial, ist Brenntag doch über Jahrzehnte als Vollsortimenter im Markt unterwegs gewesen. Es lässt sich leicht vorstellen, dass eine Trennung der Geschäfte am selben Standort zunächst einmal Reibungsverluste mit sich bringt.

Dass der Konzernumbau kein Selbstläufer ist, zeigt sich auch daran, dass für das Projekt Einmalkosten von 450 Mill. bis 650 Mill. Euro veranschlagt werden. Das ist nicht nur eine ziemlich breite Spanne, sondern zugleich eine ordentliche Stange Geld, das erst einmal verdient werden muss. Am Ende ist es Kohlpaintner gelungen, ohne Gesichtsverlust im langfristigen Unternehmensinteresse zu agieren. Mehr geht nicht!

Brenntag-Chef Christian Kohlpaintner zeigt exemplarisch, wie man mit lästigen Aktionärsaktivisten umgeht.

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