Dominique Laboureix

EU-Chefabwickler schickt Inspekteure in Banken

Bankenabwicklungschef Dominique Laboureix lässt Aussagen der Banken auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen. Dabei spricht er über deren Verfassung in Superlativen. Wie passt das zusammen?

EU-Chefabwickler schickt Inspekteure in Banken

SRB-Chef schickt Inspekteure

rec Brüssel

Europas Banken müssen sich auf Besuch aus Brüssel einstellen. Die Besucher werden nicht darauf aus sein, nett zu plaudern. Sie werden vor Ort Zugriff auf die IT-Systeme verlangen. Die Banken haben keine Wahl als zu kooperieren: Die Inspekteure kommen im Auftrag von Dominique Laboureix, dem Chef der EU-Bankenabwicklungsbehörde SRB.

Das Single Resolution Board (SRB) ist gewissermaßen die Intensivstation der europäischen Bankenlandschaft: Hier landen Institute einer bestimmten Größe, wenn sie nicht mehr aus eigener Kraft lebensfähig sind. Vor vier Monaten hat der Franzose die Leitung der Intensivstation von Elke König übernommen. Sein erklärtes Ziel: Europas Banken dauerhaft “abwicklungsfähig” machen.

77 Mrd. Euro im Abwicklungsfonds

Die Institute treibt vor allem um, was sie das kosten wird. Denn sie müssen den Abwicklungsfonds SRF füllen. Bis Ende dieses Jahr werden sie rund 77 Mrd. Euro eingezahlt haben. Diese Summe verriet Laboureix am Dienstag. Etwas weniger als die zuletzt geschätzten 80 Mrd. Euro. Aber deutlich mehr als die anfangs avisierten 55 Mrd. Euro, stöhnen Branchenvertreter.

Auf den Single Resolution Fund (SRF) ist Laboureix im Notfall angewiesen wie Intensivmediziner auf Blutkonserven und Infusionen. Um seine Patienten am Leben zu halten oder um zu retten, was zu retten ist. So wie 2017, als der spanische Banco Popular in Schieflage geriet und auf der Brüsseler Intensivstation landete – auch bei Laboureix, der seinerzeit für die Planung von Abwicklungsfällen zuständig war. Er kennt die Materie somit aus erster Hand.

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Für Europas Banken hat der Franzose eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Die Zeit hoher Beiträge – in der Spitze mehr als 10 Mrd. Euro pro Jahr – geht dieses Jahr zu Ende. Die schlechte: Nachforderungen sind absehbar. Denn die Zielsumme in Höhe von 1% der Einlagen gilt es zu halten, wie Laboureix betont. Der SRF wächst mit den Einlagen. Und falls im Krisenfall Infusionen nötig werden, müssen die Banken nachfüllen.

Spricht der Franzose über Europas Banken, scheint die nächste Krise unendlich weit weg. Deren Verfassung schildert Laboureix in Superlativen: Sie seien “höchst liquide” und “äußerst profitabel”. Mit Blick auf die Geschäftsberichte könne es da keine zwei Meinungen geben.

Der atemberaubende Absturz der Schweizer Credit Suisse hat allerdings gezeigt, wie schnell es gehen kann. Für Skeptiker fehlen Laboureix und dem SRB die Mittel, um eine Bankenschieflage dieser Größenordnung in der EU in den Griff zu bekommen. Die angestrebte Reform von Bankenabwicklung und Einlagensicherung, die Deutschlands Kreditwirtschaft aufstößt, werde das kaum ändern. Laboureix begrüßt die Pläne der EU-Kommission dennoch uneingeschränkt: “Perfekt ist der Feind von gut.”

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Hat der Chefabwickler in den ersten vier Monaten im Amt etwa keinen Moment des Zweifelns gehabt, ob die Banken in der Europäischen Union wirklich so “resilient” aufgestellt sind, wie er im Chor der Aufseher und Regulatoren mitsingt? “Ich werde dafür bezahlt, mich zu sorgen”, kokettiert Laboureix. Sicherstellen will der Franzose aber schon, dass die Abwicklungspläne der Banken in der EU praxistauglich sind. Er lässt seine Inspekteure ausrücken, um die Dokumentationen der Banken zu durchforsten – mit dem Ziel herauszufinden, “ob das, was sie uns sagen, exakt der Wahrheit entspricht”.

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