Italien

Himmelfahrts­kommando bei TIM

Telecom-Italia-CEO Pietro Labriola hat ein Himmelfahrtskommando: Er muss das Unternehmen nicht nur auf Kurs bringen, sondern auch die geplante Aufspaltung managen.

Himmelfahrts­kommando bei TIM

Von Gerhard Bläske, Mailand

Es ist ein Himmelfahrtskommando, das Pietro Labriola (55) im November 2021 bei Telecom Italian (TIM) übernommen hat. Der damalige Chef des TIM-Brasiliengeschäfts musste als Nachfolger von Luigi Gubitosi den Karren nach zwei Gewinnwarnungen aus dem Dreck fahren und gleich mit einer dritten Gewinnwarnung starten. Was schon in einem „normalen“ Unternehmen schwierig wäre, ist bei TIM ungleich schwerer. Denn der Staat, der über eine goldene Aktie verfügt, redet ständig hinein.

Labriola, der aus Altamura in Apulien stammt und in Bari Wirtschaft und Handel studierte, ist seit 20 Jahren bei TIM. Er kennt den Konzern also sehr gut. In der Teams-Konferenz, in der er die Zahlen des dritten Quartals vorstellte, jonglierte er zwischen Fragen zur geplanten Aufteilung des Unternehmens und solchen zur Unternehmensentwicklung. Während er zur Neuordnung relativ wenig sagen konnte und wollte, weil diese Entscheidung letztlich Premierministerin Giorgia Meloni trifft, sprach er lieber über eine aus seiner Sicht positive Geschäftsentwicklung und bestätigte die Jahresziele. Zwar stabilisierten sich die Einnahmen. Das war aber vor allem auf das sehr erfolgreiche Brasiliengeschäft und das Geschäft mit den Unternehmenskunden zurückzuführen, während die Einnahmen mit den Privatkunden um 9,6 % einbrachen. Aufgrund von Abschreibungen auf steuerliche Vermögenswerte weist das Unternehmen einen Verlust von 2,8 Mrd. (i.V. 10 Mill.) Euro aus. Immerhin zeigt das Bruttobetriebsergebnis (Ebitda) von 4,5 Mrd. Euro im dritten Quartal einen positiven Trend und auch bei den Kostensenkungen kam man voran. Die Liquiditätslage ist durch Einnahmen aus einem Verkauf positiv und der Aktienkurs stieg, weil die Zahlen über den Erwartungen lagen. Labriola plant Preiserhöhungen auf dem sehr wettbewerbsintensiven italienischen Markt, wo das Preisniveau deutlich niedriger ist als in anderen Ländern.

Einsilbiger äußerte sich Labriola hinsichtlich der geplanten Aufteilung des Unternehmens in eine Dienstleistungs- und eine Netzsparte. Der Inter-Mailand-Fan hatte im Sommer eine Aufspaltung in vier Teile und den Abbau von 9 000 der 41 000 Stellen bis 2030 vorgeschlagen mit dem Ziel, das Netzgeschäft mit dem des Konkurrenten Open Fiber zusammenzulegen und eine mehrheitlich staatliche Netzwerkgesellschaft zu schaffen. Doch die Regierung hat gewechselt und Giorgia Meloni hat andere Vorstellungen über die Zukunft des Unternehmens als ihr Vorgänger Mario Draghi. In welcher Weise die geplante Aufspaltung erfolgen soll, ist völlig offen. Eine zentrale Rolle soll die mehrheitlich staatliche Förderbank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) spielen, aber neben den Interessen des Staates und des Großaktionärs Vivendi, die nicht deckungsgleich sind, geht es auch darum, wie der Staat ein solches Projekt finanzieren will.

Es gibt viel offene Fragen und viel zu tun für Labriola. Bei dem Ex-Monopolisten bleibt es spannend.

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