Private Equity

Mr. Private Equity bei J.P. Morgan

Wenn es bei J.P. Morgan um die Private-Equity-Kunden im M&A-Geschäft geht, dann steht ein Deutscher ganz vorne in der ersten Reihe. Die Wall-Street-Bank hat Carsten Woehrn zum "Global Co-Head of Strategic Investor Group M&A" ernannt.

Mr. Private Equity bei J.P. Morgan

Der Mr. Private Equity bei J.P. Morgan

Von Christoph Ruhkamp, Frankfurt
Von Christoph Ruhkamp, Frankfurt

J.P. Morgan hat kürzlich die Führungsriege der Wall-Street-Bank für das M&A-Geschäft in Europa und die Beziehungen zu Private-Equity-Kunden neu besetzt. Dabei hat es ein gebürtiger Deutscher weit nach oben geschafft. Erst wurde Carsten Woehrn, ein Veteran der Bank, zum Co-Head of EMEA (Europe, Middle East and Africa) M&A neben dem bisherigen EMEA-M&A-Co-Head Dwayne Lysaght ernannt. Dann folgte der Aufstieg des 50-Jährigen zum "Global Co-Head of Strategic Investor Group M&A" – zusammen mit seiner Kollegin Haidee Lee, die von Goldman Sachs herübergewechselt war.

Damit ist Woehrn so etwas wie der "Mr. Private Equity" bei J.P. Morgan. Allerdings gehören zur "Strategic Investor Group" nicht nur Finanzinvestoren, sondern auch Family Offices, Infrastrukturfonds und Staatsfonds. Dieser Kundenkreis war schon längst bedeutend für die Bank – aber die Bedeutung soll noch weiter zunehmen. "Wir wollen noch öfter als bisher Unternehmen und Private-Equity-Häuser für Deals in Verbindung bringen und werden dafür auch zusätzliche Leute einstellen", sagte Woehrn der Börsen-Zeitung. "Wir wollen mehr Exits aus Private-Equity-Portfolios, mehr Take Privates und Dual Tracks." Also Verkäufe von Firmen aus den Portfolios der Finanzinvestoren sowie Übernahmen börsennotierter Unternehmen und Verkaufsprozesse, die auch einen Börsengang als Alternative umfassen.

Woehrn arbeitet seit mehr als 20 Jahren für J.P. Morgan – fast immer im Dunstkreis von M&A und Private Equity. Er beschreibt die Kultur als sehr offen, transparent und inklusiv. Vielleicht haben Vater und Mutter Woehrn die Lust auf Weltoffenheit mit auf den Weg gegeben. Der Vater war Kapitän und später Rechtsanwalt, die Mutter arbeitete als Französischlehrerin am heimischen Gymnasium in seiner Geburtsstadt Bremerhaven.

Nach Abitur und Bundeswehr startete Woehrn seine Karriere mit einer Ausbildung bei einer der Anwaltskanzleien, die dem Londoner Versicherungsmakler Lloyds of London angeschlossen sind. In London lernte er auch seine Frau kennen – eine Französin. Mit ihr kehrte er nach Frankreich zurück, studierte zwei Jahre Wirtschaft an der Universität von Brest in der Bretagne und legte zum Abschluss gleich drei Diplome in Paris, Oxford und Berlin ab. "So lernte ich auch, drei Sprachen zu sprechen. Das hat mir später geholfen, weil viele Kunden Geschäfte gern in ihrer Muttersprache besprechen wollen."

Nach dem Studium stieg Woehrn im Jahr 2000 bei J.P. Morgan in London als Branchenanalyst ein. 2003 folgte der Wechsel nach New York. Im M&A-Team kümmerte er sich als Analyst um Healthcare, Industrials und Technologie. Mehr als zehn Jahre später, 2016, wechselte er mit seiner Frau nach London, um dort ein Team für das M&A-Geschäft mit Infrastrukturinvestoren aufzubauen.

Nach zweieinhalb Jahren lief das so gut, dass Woehrn 2019 die Aufgabe übertragen wurde, dieselbe Art von Team für Private-Equity-Kunden und andere strategische Investorengruppen aufzubauen. "Den Ansatz dafür habe ich zum Teil schon aus dem Infrastruktursektor mitgebracht. Gelungene Transaktionen aus diesem Bereich waren die beste Werbung, um ein Entree zu erhalten."

In den Jahren 2020 und 2021 folgte dann der Boom der Private-Equity-Deals, die von Nullzinsen, billionenschweren staatlichen Konjunkturprogrammen und der Geldschwemme der Notenbanken befördert wurden. Inzwischen hat sich das Bild durch den rasanten Anstieg der Zinsen gedreht. Die erschwerten Finanzierungsbedingungen haben die Bewertungen gedrückt. "Heutzutage müssen die auseinanderklaffenden Preisvorstellungen überbrückt werden, und potenzielle Käufer nehmen sich mehr Zeit für die Due-Diligence-Prüfung", sagt Woehrn. "Es dauert länger, Käufer und Verkäufer zusammenzubringen", so Woehrn. "Private-Equity-Firmen haben die Messlatte für ein Ja zu einem Geschäft relativ hoch gelegt und lassen von Transaktionen ab, wenn es nicht das richtige Geschäft ist und die Bewertung nicht stimmt. Dennoch schaffen wie es immer noch, Käufer und Verkäufer erfolgreich zusammenzubringen." Wie schwierig es tatsächlich ist, wird sich bei einem der größten gerade laufenden Deals in den kommenden Wochen zeigen: Der Schweizer Finanzinvestor Partners Group und zwei kanadische Pensionsfonds verkaufen den deutschen Energiedienstleister Techem, der mehrere Milliarden kosten soll. J.P. Morgan berät die Verkäufer – neben Goldman Sachs und UBS.

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