Kapitalspritze

Bad Bank Huarong wird staatlich aufgefangen

Der stark angeschlagene staatliche Kreditverwerter Huarong Asset Management soll nach einer monatelangen Zerreißprobe um die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit und Bedienung der Anleiheschulden nun im Rahmen eines staatlich orchestrierten...

Bad Bank Huarong wird staatlich aufgefangen

nh Schanghai

Der stark angeschlagene staatliche Kreditverwerter Huarong Asset Management soll nach einer monatelangen Zerreißprobe um die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit und Bedienung der Anleiheschulden nun im Rahmen eines staatlich orchestrierten Auffangplans rekapitalisiert und mit einer neuen Kontroll- und Eigentümerstruktur versehen werden. Huarong ist der größte von insgesamt vier chinesischen Kreditaufkäufern, die auch als „Bad Banks“ bezeichnet werden. Nach Informationen von Bloomberg wird das unter anderem auch im Finanzdienstleistungsbereich breit aufgestellte staatliche Firmenkonglomerat Citic Group die Kontrolle bei Huraong übernehmen und den weiteren Sanierungskurs der Gesellschaft steuern.

Fette Kapitalinjektion

Dem Vernehmen nach soll die bislang dem chinesischen Finanzministerium zugeordnete Kontrollmehrheit der an der Hongkonger Börse notierten Huarong nun auf Citic Group übertragen werden. Diese wiederum steht an der Spitze eines Investorenkonsortiums mit Beteiligung von anderen staatlichen Investmentvehikeln, das nun bereitsteht, um Huarong mit einer rund 50 Mrd. Yuan (6,5 Mrd. Euro) schweren Kapitalinjektion wieder auf eine solidere Basis zu stellen und die Abdeckung künftiger Zahlungsverpflichtungen gegenüber Kreditbanken und Bondgläubigern zu gewährleisten.

Die Huarong-Krise hatte sich im Frühjahr weiter verschärft, nachdem die Gesellschaft sich nicht imstande sah, ihre Geschäftszahlen für das Jahr 2020 fristgerecht bis zum 31. März zu publizieren. Damit erfolgte gemäß den Regularien an der Hongkonger Börse zwangsläufig eine Aussetzung der Kursnotierung der Huarong-Aktie, die bis auf weiteres anhält, da Huarong ihr Zahlenwerk noch immer nicht veröffentlicht hat.

Mit der Auffangaktion für Huarong, vermeidet die Pekinger Regierung vor allem eine Vertrauenskrise am chinesischen Bondmarkt, die sich im Ernstfall zu einem systemischen Finanzstabilitätsrisiko hätte verdichten können. Die Bereitschaft des Staates dem Probleminstitut Huarong nach längerem Zögern nun doch beizustehen und einen drohenden Bond-Default abzuwenden hat am Mittwoch naturgemäß zu euphorischen Marktreaktionen geführt. Die Offshore begebenen Dollartitel von Huarong zogen in der Spitze auf 90 Cents zum Dollar an, nachdem sie im Mai auf ein Tief nahe bei 50 Cents abgesackt und damit praktisch die Hälfte ihres Werts eingebüßt hatten.

Huarong hat derzeit ein Volumen von rund 21 Mrd. Dollar von Offshore-Bonds ausstehen, sieht sich insgesamt aber gewaltigen Verbindlichkeiten in Höhe von 242 Mrd. Dollar gegenüber. Damit ist bei Huarong eine aufwendige Restrukturierungsaktion vonnöten, die mit einem weitreichenden Abverkauf von kerngeschäftsfremden Aktivitäten und besonders riskanten Engagements einhergehen dürfte. Anfang August hatte Huarong in einer Mitteilung an die Hongkonger Börse angekündigt, dass man sich zunächst einmal aus dem hochaktiv betriebenen Konsumfinanzierungsgeschäft zurückziehen wird. Dabei soll ein Mehrheitsanteil über 70% an der Huarong Consumer Finance genannten Einheit an Drittparteien veräußert werden. Gleichzeitig steht Huarong in Verhandlungen für eine Schuldenbereinigung ihres hedgefondsähnlichen Schattenbankgeschäfts, das unter dem Namen Huarong Trust läuft.