Strategiewandel

Degussa Bank zielt wieder aufs Bankgeschäft

Die Degussa Bank besinnt sich unter ihrem neuen CEO Michael Krupp wieder auf das klassische, banknahe Geschäft. Seinem Vorgänger Jürgen Eckert schwebte ein digitales Ökosystem vor.

Degussa Bank zielt wieder aufs Bankgeschäft

fir Frankfurt

Die Degussa Bank konzentriert sich unter ihrem neuen Vorstandsvorsitzenden Michael Krupp wieder aufs Banking. Der 57-Jährige war im September dem seit 21 Jahren an der Spitze des Frankfurter Instituts stehenden Jürgen Eckert gefolgt, der völlig unvermittelt zurückgetreten war. Eckert schwebte eine Zukunft der Bank in einem digitalen „Mehrwert-Universum“ vor, in dem Banking, Freizeit und Arbeit im virtuellen Raum zusammentreffen sollten. Davon rückt sein Nachfolger ab: „Datengestützte Geschäftsmodelle sind natürlich weit weg vom Banking. An der Stelle haben wir uns neu positioniert und konzentrieren uns auf das Banking.“ Gemeint sind vor allem Baufinanzierungs-, Wertpapier- und Versicherungsgeschäft.

Mit Google und Amazon in Wettbewerb treten zu wollen, sei selbst in einer Nische schwierig. „Deshalb ist die Refokussierung auf banknahe Digitalisierung notwendig.“ Die Ziele, die Eckert skizzierte, dürfen als überaus ambitioniert bezeichnet werden: Seine Hoffnung sei, die Zahl der Kunden bis 2025 von 1,3 Millionen auf 4,8 Millionen nahezu vervierfacht und den Vorsteuergewinn auf 115 Mill. Euro gut verzehnfacht zu haben, eröffnete Eckert im August (vgl. BZ vom 19.8.2021).

Die Digitalisierung des Instituts samt Kernstück einer digitalen Filiale will Krupp gleichwohl weiter vorantreiben, wie der ehemalige geschäftsführende Gesellschafter der BCG, der 2017 Vorstandsmitglied der Degussa Bank wurde, im Gespräch mit der Börsen-Zeitung berichtet. Ihre selbst entwickelte Online-Filiale hat sich die Bank patentieren lassen. Sie simuliert den realen Besuch einer Degussa-Zweigstelle in der digitalen Sphäre. Besucher können im virtuellen Raum durch die Filiale gehen, Geschäfte automatisiert abwickeln und verfügbare, reale Berater von dort aus kontaktieren. „Die digitale Filiale ist ein ganz zentraler Bestandteil der Strategie.“ Hier sei alles möglich, beispielsweise auch ein Whitelabel-Angebot, das der Degussa Bank Provisionserträge beschere.

Der Vorstandschef verspricht sich vor allem von der digitalen Bankfiliale enorme Skaleneffekte. „Unsere Bank wäre in der Lage, das Geschäft und somit die Erträge zu verdoppeln, und wir würden IT-, Projekt- und Stabskosten in der Größenordnung von circa 35% einsparen.“ Auf der Kostenseite verblieben für das zusätzliche Geschäft nur rund 65% des aktuellen Kostenniveaus. „In drei Jahren werden wir es nicht erreichen, aber das ist das Ziel.“

Verkauf bei attraktivem Preis

Die Degussa Bank steht über zwei Beteiligungsgesellschaften mehrheitlich im Eigentum von Christian Olearius und Max Warburg. Die M.M.-Warburg-Mitinhaber, gegen die die Staatsanwaltschaft wegen Cum-ex-Geschäften ermittelt, hatten 2020 versucht, die Degussa Bank loszuschlagen – ohne Erfolg. Zu weit seien die preislichen Vorstellungen auseinandergegangen, sagt Krupp. In der Branche war die Rede von einer Bewertung zwischen 200 und 400 Mill. Euro. Vom Tisch ist das Thema nicht – einen höheren Verkaufspreis vorausgesetzt. „Ein möglicher Verkauf der Degussa Bank ist natürlich Sache der Eigentümer. Bei einem attraktiven Preis ist das gut vorstellbar“, sagt Krupp. Dass der in der Vergangenheit nicht dem erwarteten Wert entsprach, führt er auch auf die frühere Fokussierung auf ein digitales Ökosystem zurück: „Offensichtlich ist die Strategie eines datengestützten Geschäftsmodells, mit dem aus Daten Verkaufsmomente generiert werden, vom Kapitalmarkt nicht honoriert worden.“

Zwar habe es viele und attraktive Angebote gegeben, berichtet Krupp, doch hätten die sich nur auf einzelne Teile des Konzerns wie den Versicherungsvermittler Prinas Montan oder Industria Wohnen bezogen, deren Tätigkeit Wohnimmobilienvertrieb, Bestandsmanagement von Wohnimmobilien und Assetmanagement von Wohnimmobilienfonds umfasst. Den Großteil des einst 94,5-prozentigen Anteils an Industria hat die Degussa Bank im Oktober an das Hamburger Immobilien- und Investmentunternehmen Becken verkauft. Der Bank verbleibt Krupp zufolge noch ein Anteil von 10,1%. Die Veräußerung habe maßgeblich dazu beigetragen, dass die Degussa Bank 2021 nach Steuern ein Ergebnis von über 100 Mill. Euro erzielte, berichtet Krupp. Sein Vorgänger hatte noch im August ein Vorsteuerergebnis von 3 Mill. Euro erwartet.

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