Italien

Greiser Patriarch Del Vecchio zieht viele Fäden

Leonardo Del Vecchio wird im Mai 86 Jahre alt. Doch der mit einem geschätzten Vermögen von 20 Mrd. Euro reichste Privatmann Italiens ist wirtschaftlich aktiver denn je. Der mit einem Anteil von 32,3% größte Aktionär des italienisch-französischen...

Greiser Patriarch Del Vecchio zieht viele Fäden

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Leonardo Del Vecchio wird im Mai 86 Jahre alt. Doch der mit einem geschätzten Vermögen von 20 Mrd. Euro reichste Privatmann Italiens ist wirtschaftlich aktiver denn je. Der mit einem Anteil von 32,3% größte Aktionär des italienisch-französischen Brillenkonzerns EssilorLuxottica hat gerade seine Position im Unternehmen gefestigt. Und auch anderswo zieht er wie eine Spinne seine Fäden und stärkt über seine Holding Delfin seine Position vor allem in Italiens Finanzwelt.

Was der aus einfachsten Verhältnissen stammende Mailänder, der im Waisenhaus aufgewachsen ist, wirklich plant, ist unklar. Innerhalb kürzester Zeit hat er 13,2% an der sehr einflussreichen Investmentbank Me­diobanca, die an allen großen Deals im Land beteiligt ist, erworben und von der Europäischen Zentralbank (EZB) die Genehmigung erhalten, auf bis zu 20% aufzustocken – ohne ein Übernahmeangebot vorlegen zu müssen. Nun hat der Unternehmer Francesco Gaetano Caltagirone, der ihm angeblich nahesteht, 1% an Mediobanca erworben und könnte bis auf 5% erhöhen. Zwar hat Del Vecchio Ende 2020 bei der Er­neuerung des Mediobanca-Verwaltungsrats keinen Sitz in dem Aufsichtsgremium verlangt. Er bestreitet, sich mit Caltagirone abgestimmt zu haben. Doch womöglich geht es ihm gar nicht so sehr um Mediobanca, sondern um die Versicherung Generali, an der die Mediobanca 13% hält. Die Bank betrachtet die lukrative Beteiligung nicht als strategisch und könnte sie im Fall einer größeren Übernahme verkaufen. An Del Vecchio?

Möglich wäre es. Denn der ist bereits mit 5% bei Generali dabei. Weitere 5,6% hält Caltagirone, 4% die Familie Benetton, mit der Del Vecchio auch in gutem Einvernehmen ist, 1,7% De Agostini, auch ein „befreundeter“ Unternehmer.

Auch bei einem anderen großen Akteur in Italiens Finanzwelt mischt Del Vecchio, der im übrigen Großaktionär des französischen Immobilieninvestors Covivio ist, mit. Er hält 1,9% an der HVB-Mutter Unicredit und hat zusammen mit den Sparkassenstiftungen Cariverona und CTR dafür gesorgt, dass Andrea Orcel demnächst neuer CEO bei der Bank wird. Del Vecchio soll strikt gegen eine von der früheren Regierung unter Giuseppe Conte gewünschte Übernahme der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena durch Unicredit sein. Wie der neue Premierminister Mario Draghi dazu steht, ist noch nicht bekannt. Womöglich denkt Del Vecchio gar an eine Allianz Unicredit-Mediobanca-Generali, ergänzt durch eine Übernahme von BPM, der drittgrößten Bank Italiens.

Vorerst sind das alles Spekulationen. Interessant wird auch sein, wie es nach ihm weitergeht. Das ist eine Frage, die in seinem Alter erlaubt sein muss. Del Vecchio ist in dritter Ehe verheiratet und hat sechs Kinder.

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