Spitzenpositionen

Mehr Frauenpower in Italiens Banken

Frauen erobern zunehmend Spitzenpositionen bei italienischen Banken. Die Hauptversammlung der gemessen an der Bilanzsumme sechstgrößten italienischen Bank BPER hat jetzt Flavia Mazzarella (62) zur Präsidentin des Verwaltungsrates gewählt. Am...

Mehr Frauenpower in Italiens Banken

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Frauen erobern zunehmend Spitzenpositionen bei italienischen Banken. Die Hauptversammlung der gemessen an der Bilanzsumme sechstgrößten italienischen Bank BPER hat jetzt Flavia Mazzarella (62) zur Präsidentin des Verwaltungsrates gewählt. Am Mittwoch soll dann Elena Goitini (51) als CEO an die Spitze der BNP-Paribas-Tochter Banca Nazionale del Lavoro (BNL) rücken, der Nummer 5 unter Italiens Banken.

Mazzarella kann auf eine lange Karriere vor allem im öffentlichen Dienst zurückblicken. Nach einem Wirtschaftsstudium an der römischen Universität La Sapienza startete sie ihre Karriere am Wirtschaftsforschungsinstitut Censis (Centro Studi Investimenti Sociali) und wurde anschließend Analystin bei der staatlichen Bank Mediocredito Centrale. Von 1994 an arbeitete sie im Wirtschafts- und Finanzministerium, wo sie sich unter anderem mit Privatisierungen beschäftigte. Anschließend bekleidete Mazzarella diverse Spitzenpositionen bei der Versicherungsaufsicht (heute Ivass) und repräsentierte die Aufsicht auch auf europäischer Ebene, in der EIOPA, wo sie es bis zur Vizechefin brachte. Von 2014 an war Mazzarella Mitglied diverser Verwaltungsräte, darunter Saipem und Garofalo Healthcare, und wurde Präsidentin der Privatbank Banca Finnat Euramerica.

Bei BPER kommt Mazzarella womöglich schon bald eine Schlüsselrolle zu: Im Rahmen der erwarteten Konsolidierung im Bankenwesen Italiens dürfte das Institut einer der zentralen Protagonisten sein: entweder im Rahmen einer Fusion mit der Mailänder BPM oder indem es von Unicredit aufgekauft wird.

Während Mazzarella ihr Berufsleben in Rom verbrachte, war die gebürtige Mailänderin Elena Goitini im Laufe ihres Berufslebens viel unterwegs – an einer Reihe von Standorten in Italien und im Ausland. Nach einem Wirtschaftsstudium an der Mailänder Bocconi sowie Studienaufenthalten an der Insead in Fontainebleau bei Paris sowie an der IMD in Lausanne war sie kurz für PwC tätig und wechselte dann zum Unicredit-Vorläufer Credito Italiano.

Sie blieb fast während ihres ganzen Berufslebens bei der Bank, arbeitete für die HVB-Mutter in Österreich, Polen (Bank Pekao), in der Türkei und in Deutschland, bevor sie schließlich nach Italien zurückging. Für Unicredit leitete sie zuletzt die Region Süditalien aus Neapel.

2019 wechselte die leidenschaftliche Leserin und Mutter eines Adoptivsohns, die mit dem Ex-Unicredit-Manager Sebastiano Musso verheiratet ist, als Chefin des Private Banking und Wealth Management zur Banca Nazionale del Lavoro (BNL).

Frauen sind in Italiens Finanzwelt generell auf dem Vormarsch. Maria Patrizia Grieco ist Chefin des Verwaltungsrates der Monte dei Paschi di Siena (MPS), der viertgrößten Bank des Landes, die mehrheitlich staatlich ist. Bei dem Institut sind sieben von 15 Mitgliedern des Aufsichtsgremiums weiblich. Marina Natale ist Chefin der staatlichen Bad Bank Amco. Und bei der Online-Bank Fineco stellen seit der kürzlichen Berufung von Alessandra Pasini Frauen sogar die Mehrheit der elf Mitglieder des Verwaltungsrates.