Reifenhersteller

Pierre Michelin leitet Familien­holding

Pierre Michelin steht seit kurzem an der Spitze der Holding der Erbenfamilie von Michelin. Er repräsentiert die fünfte Generation seit Gründung des Unternehmens.

Pierre Michelin leitet Familien­holding

Von Gesche Wüpper, Paris

Er habe nicht nur dieselbe Statur wie sein Vater und sein Großvater, sondern sei auch genau so diskret wie sie, urteilt „La Montagne“, die Heimatzeitung von Michelin aus Clermont-Ferrand. Doch anlässlich der Hauptversammlung des Reifenherstellers ist Pierre Michelin jetzt ein wenig aus dem Schatten herausgetreten. Der 25-Jährige repräsentiert die fünfte Generation der Gründerfamilie und steht seit März an der Spitze der familieneigenen Holding Mage-Invest, die 4,2% des Kapitals und 6,5% der Stimmrechte hält.

„Was mir am Herzen liegt, sind die Zukunft und die langfristige Vision der Gruppe“, sagt er der Wirtschaftszeitung „Les Echos“. Die Familie hänge sehr an dem industriellen Erbe und der Entwicklung Michelins in den kommenden Jahrzehnten. Seit Michelins Ururgroßvater Edouard Etienne und sein Ururgroßonkel André das Unternehmen 1889 gegründet haben, ist die Familie stark gewachsen. Inzwischen gibt es 1800 Nachfahren, von denen 1000 zu den Aktionären des Reifenherstellers gehören. Rund 110 von ihnen haben sich 2009 in der Holding Mage-Invest zusammengeschlossen. Insgesamt hält die Familie 7% des Kapitals von Michelin.

Er habe schon immer eine sehr enge Beziehung zu dem Konzern gehabt, berichtet Pierre Michelin. „Schon als ich sehr klein war, habe ich es geliebt, die Werke zu besichtigen.“ Seine Kindheit sei von dem Geruch von Reifen geprägt worden. Immerhin stand sein Vater Edouard sieben Jahre lang an der Spitze des Konzerns, bis er 2006 im Alter von nur 42 Jahren beim Hochseeangeln vor der bretonischen Küste bei einem Unfall ums Leben kam. Daraufhin hatte zunächst Michelins Großonkel Michel Rollier die Leitung der Kommanditgesellschaft auf Aktien übernommen. Inzwischen führt mit Florent Menegaux nach Jean-Dominique Senard bereits der zweite Geschäftsführer Michelin, der nicht der Familie entstammt.

Pierre Michelin hätte sicherlich das nötige Rüstzeug, um selbst in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und bei dem Familienunternehmen anzuheuern. Das stehe derzeit nicht auf der Tagesordnung, sagt er jedoch „Les Echos“. Stattdessen will sich Michelin auf den Vorsitz der Familienholding Mage-Invest konzentrieren, in der er seit seinem 18. Lebensjahr aktiv mitmischt. Zudem ist er Geschäftsführer von AW, einem Spezialisten für Hubsysteme aus Lyon, den er vor zwei Jahren zusammen mit Geschäftspartnern übernommen hat. Nach dem Ingenieursstudium in Lille und Lyon hat Michelin zunächst fünf Jahre lang für den Automobilkonzern Renault gearbeitet.

Die Familie komme mehrmals im Jahr zusammen und treffe auch die Leiter von Michelin regelmäßig, berichtet der Firmenerbe. Denn wie jeder langfristig orientierte Aktionär sei die Familie daran interessiert, sich über die strategische Orientierung des Konzerns auszutauschen, darüber wie Michelin im Jahr 2050 aussehen soll.