Intralogistik

Kions Zuversicht verblüfft Analysten

Der Intralogistik-Konzern Kion hat mit seinen Zielen für das Jahr 2022 bei gleich mehreren Beobachtern für Überraschung gesorgt. Zwar profitiert der Konzern mit seiner Spezialisierung auf Warenhaus-Automatisierung vom beständigen E-Commerce-Boom. Analysten hatten im aktuellen Umfeld dennoch mit mehr Vorsicht gerechnet.

Kions Zuversicht verblüfft Analysten

kro Frankfurt

Der weltweite Bedarf an immer effizienterer Lagertechnik und Warenbeförderung hat Europas größtem Gabelstaplerhersteller Kion im vergangenen Jahr einen kräftigen Nachfrage-, Umsatz- und Gewinnsprung beschert. Dank eines über den Erwartungen liegenden Rekord-Auftragseingangs blickt das Frankfurter MDax-Unternehmen nun mit einer Zuversicht auf das laufende Ge­schäftsjahr, die viele Analysten am Donnerstag überrascht hat − so zum Beispiel den Stifel-Experten Daniel Gleim. „Im aktuellen Umfeld hatten wir eine zunächst vorsichtige Herangehensweise an das Jahr 2022 erwartet“, schrieb der Analyst in einer Schnelleinschätzung. Doch aus Sicht von Kion scheint es dazu keinen unmittelbaren Anlass zu geben. Das bis 2023 gesteckte und im vergangenen Herbst angehobene Mittelfristziel eines Umsatzes von über 12 Mrd. Euro könnte schon in diesem Jahr zumindest in Reichweite liegen − denn der neue Konzernchef Rob Smith hat dem Unternehmen für 2022 eine Erlösspanne von 11 bis 12 Mrd. Euro als Ziel vorgegeben. Für das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wird eine Spanne von 1,01 bis 1,15 Mrd. Euro angepeilt. „Kion steht sehr gut da“, sagte der Deutschamerikaner, der zuvor CEO beim finnischen Kranhersteller Konecranes war, im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. „Die meisten Indus­triefirmen würden davon träumen, wie Kion aufgestellt zu sein, mit der Strategie, dort zu produzieren, wo man Geschäfte macht, und auch dort einzukaufen. Wir haben ein Heimspiel in der Region Americas, Europa ist ein Heimspiel und auch in China sind wir sehr gut aufgestellt.“

In den letztgenannten Markt, auf den sich die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft im Zuge des Ukraine-Krieges seit einigen Tagen noch stärker als sonst richtet, setzt Kion als Maschinenbauer naturgemäß besonders große Hoffnungen. Die Volksrepublik ist der größte globale Einzelmarkt für Gabelstapler und spielt eine Schlüsselrolle in der Wachstumsstrategie des Konzerns. Erst Ende 2021 hatte das Management angekündigt, ein neues Werk für Lieferketten-Lösungen in Jinan zu errichten. Die Stadt liegt in der Provinz Shandong, in der auch Kions Ankerinvestor Weichai Power seinen Hauptsitz hat. „Wir haben natürlich vor, in China ganz deutlich zu wachsen“, sagte Noch-Finanzchefin Anke Groth bei der Vorstellung der Jahreszahlen des Unternehmens. Die CFO beendet ihre Tätigkeit für Kion zum 31. März. Dass sich die Ambitionen des Konzerns in der Volksrepublik eines Tages noch als Klumpenrisiko erweisen könnten, sieht sie aber nicht. Dafür sei der Umsatzanteil dann doch zu klein (siehe Grafik).

Die direkten Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine seien für Kion zudem mehr oder weniger vernachlässigbar. „Wir machen knapp 1% von unserem Gesamtumsatz in Russland und beschäftigen dort etwa 1% unserer Mitarbeiter“, sagte Smith. In der Ukraine generiere man gar keine direkten Umsätze. „Wir beziehen auch kein Material, was für unsere Produktion notwendig ist, direkt aus der Region.“ Natürlich müsse man aber schauen, welche Sekundäreffekte durch die Krise auf das Unternehmen zukommen, fügte Groth hinzu.

Eine Unwägbarkeit, die Kion in den vergangenen Monaten aber durchaus beschäftigt hat und wohl auch vorerst noch im ersten Halbjahr beschäftigen wird, sind die Versorgungsengpässe in Verbindung mit den stark gestiegenen Rohstoff- und Energiepreisen. „Die Lieferketten funktionieren nach wie vor nicht reibungslos“, sagte Groth. Der Inflation will das Unternehmen nun mit einer noch agileren Preispolitik begegnen. „Wir haben im letzten Jahr zwei Preiserhöhungen durchgeführt, was eigentlich untypisch für die Kion Group ist“, so die CFO. „Anfang des Jahres haben wir dann wieder agiert und den üblichen Rahmen dabei deutlich verlassen.“

Kion
Konzernzahlen nach IFRS
in Mill. Euro20212020
Auftragseingang12 4829 443
Umsatz10 2948 342
Ebitda bereinigt1 6971 384
Ebit bereinigt842547
Bereinigte Ebit-Marge (%)8,26,6
Konzernergebnis568211
Free Cashflow544121
Beschäftigte39 60236 207
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