Telekommunikation

Niel will Iliad von der Börse nehmen

Er gilt als Enfant terrible der französischen Wirtschaft. Jetzt hat Xavier Niel seinem Ruf wieder einmal alle Ehre gemacht. Inmitten einer Salve von Quartalsergebnissen wartete er mit einer Überraschung auf: Niel will den Telekomkonzern Iliad von...

Niel will Iliad von der Börse nehmen

wü Paris

Er gilt als Enfant terrible der französischen Wirtschaft. Jetzt hat Xavier Niel seinem Ruf wieder einmal alle Ehre gemacht. Inmitten einer Salve von Quartalsergebnissen wartete er mit einer Überraschung auf: Niel will den Telekomkonzern Iliad von der Börse nehmen. Er hat deshalb ein Übernahmeangebot in Höhe von 3,1 Mrd. Euro für die ausstehenden Anteile vorgelegt.

Er hält mit 71% bereits die Kon­trollmehrheit an der von ihm 1991 übernommenen und in Iliad umbenannten Gruppe. Den übrigen Aktionären bietet er nun 182 Euro je Aktie an, was einem Aufschlag von 61% auf den Schlusskurs von Donnerstag und von fast 53% auf den Durchschnittskurs des Iliad-Papiers im Juli entspricht. Nach der entsprechenden Zustimmung der französischen Börsenaufsicht Autorité des marchés financiers (AMF) könnte die Laufzeit der Übernahmeofferte am 8. September beginnen.

Mit seinen Plänen folgt Niel dem Beispiel von Patrick Drahi, der im vergangenen Jahr den Rückzug des von ihm gegründeten Telekomkonzerns Altice Europe von der Börse angekündigt hatte. Der Schwiegersohn von LVMH-Chef Bernard Arnault hatte Iliad 2004 an die Börse gebracht. Seit 2015 lief es für den Telekomanbieter, der mit seiner aggressiven Preispolitik den französischen Markt aufgemischt hat, jedoch nicht mehr so gut. Seit Jahresbeginn war der Börsenwert von Iliad bis zur Ankündigung des Übernahmeangebots für die ausstehenden Anteile um 32% eingebrochen.

Sollte es Niel nicht gelingen, alle ausstehenden Anteile einzusammeln, kann er bei der AMF ein Delisting beantragen, wenn diese Anteile weniger als 10% des Kapitals ausmachen. Frühere Manager von Iliad haben ihm bereits zugesichert, ihre Aktien verkaufen zu wollen. Der Verwaltungsrat hat dem Rückzugsplan von der Börse einstimmig zugestimmt.

Er sei stolz auf die Entwicklung der Gruppe und den Wert, den er für die Aktionäre geschaffen habe, erklärte Niel. Die neue Entwicklungsphase von Iliad erfordere jedoch schnelle Veränderungen und signifikative Investitionen, die leichter vorgenommen werden könnten, wenn das Unternehmen nicht an der Börse notiert sei.

Der Iliad-Gründer hat bereits Ende 2019 ein Übernahmeangebot für rund 20% des Kapitals gemacht und seine Beteiligung so von 52% auf 72% des Kapitals erhöht. 2018 waren dem Unternehmen, das unter der Marke Free auftritt, massiv Kunden weggelaufen. Seitdem ist Iliad wieder in die Offensive gegangen. In Italien, wo Free seit 2018 im Mobilfunkgeschäft tätig ist, will es nun auch in das Festnetzgeschäft einsteigen. In Polen ist Free seit der Übernahme von Play im letzten Jahr für 2,2 Mrd. Euro präsent.