Rückruf

Philips führt Defekt auf falsche Reinigung zurück

Der Medizintechnikkonzern Philips hat ein Update zum Rückruf von Beatmungsgeräten veröffentlicht. Das Unternehmen hält die Verwendung nicht zugelassener Reinigungsmittel für die Ursache.

Philips führt Defekt auf falsche Reinigung zurück

Reuters/dpa-afx Amsterdam

Der niederländische Medizintechnikkonzern Philips glaubt, die Ursache für den kostspieligen Defekt an Millionen Beatmungsgeräten gefunden zu haben. Eine unabhängige Untersuchung von mehr als 60000 Geräten zur Behandlung von Atemaussetzern im Schlaf in den USA deute auf die Verwendung zu scharfer, nicht zugelassener Reinigungsmittel als Ursache hin, sagt Vorstandschef Frans van Houten. Philips hatte 5,5 Millionen Beatmungsgeräte zurückgerufen, nachdem sich der dort verarbeitete Schaumstoff in einigen Fällen aufgelöst hatte und giftige Dämpfe freisetzte. Der Konzern hat für den Rückruf 900 Mill. Euro zurückgestellt. Er ist zur Hälfte abgeschlossen. Anleger fürchten zudem teure Klagen von Patienten. Mehr als 100 Sammelklagen wurden bereits eingereicht.

Die Untersuchung habe zutage gefördert, dass sich der Schaumstoff bei 7% jener Geräte aufgelöst habe, die mit ozonhaltigen Mitteln gereinigt wurden, sagt von Houten zu Reuters. Bei den anderen Geräten sei das nur in 0,5% der Fälle passiert – 14 Mal weniger häufig. Der Zusammenhang mit unsachgemäßer Reinigung sei damit nachgewiesen. Das sei „sehr ermutigend“. Nun wolle Philips noch prüfen lassen, wie giftig der zerfallene Schaumstoff wirklich sei. Nach bisherigen Untersuchungen sind die Brösel nicht aus dem Gerät ausgetreten.

„Der Rückruf ist noch lange nicht vorbei, aber die heutige Veröffentlichung macht Hoffnung, dass die Gesundheitsrisiken für Patienten sehr niedrig waren“, schrieben die Analysten von ING. Für den UBS-Experten Graham Doyle sind die Details des Updates allerdings nicht so wie von Anlegern erhofft ausgefallen. Zwei Zytotoxizitätstests und ein Genotoxizitätstest seien nicht bestanden worden, während sich bei früheren Daten nur letzteres ergeben habe. Laut dem Analysten Craig Wong-Pan von der kanadischen Bank RBC sind weitere Versuche notwendig. Das sei von Vorteil für die Konkurrenz, da sich der Rückruf hinziehe und Mediziner vom Gebrauch von Philips-Geräten abhalten könne. Die Philips-Aktie gab am Dienstag im Handelsverlauf um 2% nach.