Luxusgüterbranche

Spekulationen um Kering und Richemont

Die Hochzeit von LVMH und Tiffany könnte für zusätzliche Bewegung innerhalb der Luxusgüterbranche sorgen.

Spekulationen um Kering und Richemont

wü Paris

Die Hochzeit von LVMH und Tiffany könnte für zusätzliche Bewegung innerhalb der Luxusgüterbranche sorgen. Kering könnte auf den Zusammenschluss des Branchenführers mit dem amerikanischen Juwelierkonzern mit einer Annäherung an die Cartier-Mutter aus der Schweiz reagieren, spekulieren Investoren in Paris. Ausgelöst wurden entsprechende Gedankenspiele durch einen Bericht des auf die Luxusgüterbranche spezialisierten, von der früheren Reuters-Journalistin Astrid Wendtland gegründeten Portals „Miss Tweed“. Demnach soll Kering Richemont im Januar ein informelles Angebot unterbreitet haben.

Kering-Chef François-Henri Pinault soll sich dafür direkt an den Richemont-Verwaltungsratspräsidenten Jo­hann Rupert gewandt haben, jedoch abgeblitzt sein, da Rupert nicht mit den Bedingungen einverstanden gewesen und dem Kontrollgremium das Angebot deshalb gar nicht erst gezeigt haben soll. Die Informationen sind nach Ansicht der UBS-Analysten ernst zu nehmen. Ein Zusammenschluss der beiden Konzerne würde Sinn machen, da eine kritische Größe in der Branche noch nie so wichtig gewesen sei wie jetzt, urteilen sie. Kering könnte durch eine Annäherung mit dem auf Schmuck und Uhren spezialisierten Konzern seine Abhängigkeit von Gucci verringern und gleichzeitig aufschließen zu LVMH. Die beiden Richemont-Marken Cartier und Van Cleef & Arpels wiederum könnten so den nun unter dem Dach von LVMH vereinten Juwelieren Bulgari und Tiffany besser die Stirn bieten.

Voraussetzung dafür ist, dass die Familie Rupert bereit wäre, die Kontrolle bei Richemont abzugeben. Das halten die Analysten von UBS jedoch für zweifelhaft. Der 70-jährige Rupert hat erst im November betont, er habe kein Interesse daran, Richemont zu verkaufen. Innerhalb der letzten Jahre hat es immer mal wieder Spekulationen über eine Annäherung von Kering und Richemont gegeben. Durch die Übernahme Tiffanys durch LVMH im Januar haben sie neue Nahrung erhalten. Kering-Chef Pinault hatte im Februar auf eine entsprechende Frage geantwortet, es gebe regelmäßige Kontakte zwischen den Konzernen, die beide familiengeführt sind. Kering ist an der Börse derzeit 72,19 Mrd. Euro wert, Richemont 50,4 Mrd. sfr. Das Finanzvehikel von Ruperts Familie hält zwar nur 10% des Richemont-Kapitals, jedoch 54% der Stimmrechte. Artémis wiederum, die Holding der Familie Pinault, ist mit 41% an Kering beteiligt. Richemont hat zuletzt den italienischen Juwelier Buccellati übernommen.

Kering schloss Dienstag in Paris mit einem Mini-Minus von 0,1%, Richemont in Zürich mit –0,5%.