Private Equity

Finanzinvestoren fehlen dem M&A-Markt

Noch können sich Verkäufer und Käufer von Unternehmensbeteiligungen nur schwierig auf einen Preis einigen. Deshalb ist das M&A-Volumen weltweit in diesem Jahr um knapp ein Viertel eingebrochen – und liegt nur noch halb so hoch wie im Rekordjahr 2021. Vor allem der Anteil der Finanzinvestoren schrumpft.

Finanzinvestoren fehlen dem M&A-Markt

Finanzinvestoren fehlen dem M&A-Markt

Goldman Sachs: Private-Equity-Dealvolumen in Europa auf Zehnjahrestief – Preisfindung als schwierigste Hürde

Noch können sich Verkäufer und Käufer von Unternehmensbeteiligungen nur schwer auf einen Preis einigen. Deshalb ist das M&A-Volumen weltweit in diesem Jahr um knapp ein Viertel eingebrochen – und liegt nur noch halb so hoch wie im Rekordjahr 2021. Vor allem der Anteil der Finanzinvestoren schrumpft.

cru Frankfurt

Das Volumen der Transaktionen von Finanzinvestoren ist in Europa auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren geschrumpft. Im laufenden Jahr bis dato hat sich das Volumen der europäischen Deals der Private-Equity-Firmen nahezu halbiert auf 206 Mrd. Dollar. Das geht aus Daten hervor, die die Investmentbanker von Goldman Sachs zusammengetragen haben.

"Das ist ein sehr niedriger Wert. Gleichzeitig hat sich dadurch ein großer Rückstau aufgebaut, der sich 2024 oder 2025 auflösen wird", sagt Tibor Kossa, Co-M&A-Chef bei Goldman Sachs in Deutschland. Im ersten Quartal 2023 habe sich der Boden gebildet. Von dort scheine es nun langsam aufwärtszugehen. Käufer und Verkäufer begännen, sich mit ihren Preisvorstellungen langsam, aber stetig auf einander zu zu bewegen.

"Es hat einen Shift von Private Equity zu Corporate Deals gegeben", ergänzt C-M&A-Chef Christopher Droege. Strategische Investoren konnten das Finanzierungsumfeld nutzen, das mit den schnell und steil angestiegenen Zinsen ungünstig für Finanzinvestoren ist, die ihre Unternehmenskäufe gewöhnlich mit einem hohen Fremdkapitalanteil finanzieren. So sei der Anteil von Private Equity am gesamten Transaktionsvolumen wieder von den während der Niedrigzinsphase erreichten 40% zurück auf die langfristig normalen 30% gesunken.

Größter Deal in Deutschland war die Übernahme der Kernsparte für Heizungen von Viessmann durch den US-Konkurrenten Carrier Global für 13 Mrd. Dollar. Außerdem verkaufte SAP die Tochter Qualtrics für 12 Mrd. Dollar an Silver Lake, und die Deutsche Börse erwarb die Softwarefirma Simcorp für 4 Mrd. Dollar. Alle anderen Deals in Deutschland lagen bei 3 Mrd. Dollar oder darunter.

Weltweit wird das M&A-Volumen am Ende des Jahres 2023 gegenüber dem Vorjahr nach Daten von Goldman Sachs um knapp ein Viertel auf gut 3 Bill. Dollar gefallen sein. Das ist nur noch halb so viel wie im Rekordjahr 2021, als die Notenbanken den Markt noch mit Geld fluteten und die Regierungen billionenschwere Konjunkturprogramme zur Anwendung brachten. "Auf der Zinsseite ist nun ein Plateau erreicht", sagt Kossa. "Der Anstieg war sehr schnell und steil. Unternehmen mit einem niedrigeren Rating haben jetzt deutlich höhere Zinslasten." Das Verhältnis der operativen Gewinne (Ebitda) zu den Schulden sei meist noch auf einem normalen Niveau. Aber das Verhältnis von Gewinn zu Zinslast habe sich deutlich verschlechtert.

Dabei sei nicht die Verfügbarkeit von Kapital der Knappheitsfaktor, der M&A verhindert. Vielmehr sei das geopolitische Umfeld die Bremse. "Das sorgt für Unsicherheit und Zurückhaltung bei Unternehmen ebenso wie bei Private-Equity-Investoren", sagt Kossa. Ablesen lasse sich das auch bei den Kursausschlägen nach unten bei negativen Bilanz-Überraschungen. Diese Ausschläge seien so hoch wie seit 2008 nicht mehr.

Dabei hat sich ein deutlicher Bewertungsunterschied zwischen Aktien in den USA und Aktien in Europa herausgebildet. Während in den USA das Kurs-Gewinn-Verhältnis im Durchschnitt bei 18,5 liegt, beträgt es in Europa 11,8. Grund ist der pessimistischere Blick der Investoren auf Europa, wo die Energiekosten höher liegen und das Wachstum geringer ist. Doch europäische Unternehmen werden laut Kossa bisher nicht zu gesuchten Schnäppchen für US-Firmen. Vielmehr gehen europäische Unternehmen vermehrt mit ihren Investitionen oder Akquisitionen in die USA, weil sie dort Wachstum suchen. Die niedrigen Bewertungsmultiplikatoren seien Ausdruck der Wachstumserwartung, die für Europa niedrig sei. Zudem gebe es eine stark unterdurchschnittliche Kursentwicklung der Small-Cap-Aktien in Europa, weil Großinvestoren hier die notwendige Liquidität vermissten. Deshalb seien auch Listings für Small Caps unattraktiv und schwierig. Denn Kernaktionäre können bei geringer Liquidität schlecht ihre restliche Beteiligung abverkaufen. Beispiele dafür sind die Softwarefirma Suse und der Labordienstleister Synlab, wo EQT und Cinven feststeckten und die Firmen zurückkauften.

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