Im InterviewStefan Schulte

Fraport wird zur Cashflow-Maschine

Der Flughafenbetreiber Fraport hat milliardenschwere Investitionen zu stemmen, vor allem in Frankfurt, aber auch im internationalen Geschäft. Ist das abgearbeitet, soll der freie Cashflow sprudeln und wieder eine Dividende gezahlt werden.

Fraport wird zur Cashflow-Maschine

Im Interview: Stefan Schulte

Die Schulden müssen runter

Fraport-CEO Stefan Schulte trimmt Flughafen-Betreiber auf Dividendenfähigkeit – Hohe Dynamik im internationalen Geschäft

Der Flughafenbetreiber Fraport hat milliardenschwere Investitionen zu stemmen, vor allem in Frankfurt, aber auch im internationalen Geschäft. Ist das abgearbeitet, soll der freie Cashflow sprudeln und wieder eine Dividende gezahlt werden.

Herr Schulte, kurzfristig rechnen Airlines und Flughäfen mit weiterem Wachstum, aber wie sieht es mittelfristig aus bei den aktuell hohen Ticketpreisen, der hohen Inflation und angesichts aufziehender konjunktureller Probleme?

Ich bin da wie viele andere Branchenvertreter auch durchaus positiv gestimmt. Das Bedürfnis zu reisen, ist weltweit deutlich ausgeprägt, vielerorts ist das Vorkrisenniveau schon erreicht. Das stimmt uns als international geprägten Flughafen-Betreiber positiv. Wir rechnen mit weiterem Wachstum, allerdings wird das Wachstum in Kerneuropa niedriger ausfallen als in anderen Teilen der Welt.

Wieso?

Es gibt hier einen geringeren Nachholbedarf als in anderen Teilen der Welt, zudem ist die wirtschaftliche Dynamik geringer. Aber auch in Deutschland oder Kerneuropa rechne ich nicht mit einer tiefen Rezession, eher mit einer Stagflation.

Aber die Ticketpreise dürften ja hoch bleiben, so dass das doch irgendwann die Nachfrage belasten wird, oder?

Die Kosten der Airlines sind deutlich gestiegen, so wie auch unsere, vor allem die Lohnkosten, die ein Treiber der Inflation bleiben. Und wir als Fraport müssen dann mit unseren Kunden über andere Abfertigungspreise und höhere Flughafenentgelte sprechen. Die Airlines müssen ihre höheren Kosten wie auch die aller Systempartner dann auch einpreisen, daher wird es bei höheren Ticketpreisen bleiben. Alles in allem schaukelt sich das System gerade auf ein etwas anderes Niveau hoch.

Und der Konsument macht das dauerhaft mit?

Wenn die Löhne steigen, hat ja auch der Konsument mehr Geld in der Tasche. Natürlich gehen angesichts steigender Lebenshaltungspreise auch seine Ausgaben in die Höhe, aber die Präferenz, zu reisen, ist immer noch sehr hoch. Dann wird es vielleicht ein günstigeres Zielgebiet, aber gereist wird.

Wenn Fliegen in Europa immer teurer wird, auch wegen wachsender Umweltauflagen, erwartet Lufthansa-Chef Carsten Spohr, dass Verkehr abwandert, etwa in Richtung Türkei. Sehen Sie diese Bedrohung auch?

Dass der Luftverkehr in der Türkei dynamischer wächst als bei uns, ist klar – die Gründe hierfür sind unter anderem ein höherer Nachholbedarf und eine jüngere Bevölkerung. Allerdings müssen die Verantwortlichen in Deutschland und Europa darauf achten, dass wir nicht noch weitere hausgemachte Wettbewerbsnachteile haben, etwa durch die deutsche Luftverkehrssteuer oder die Auflagen des EU-Klimaplans Fit for 55. Hier brauchen wir dringend eine wettbewerbsneutrale Regulierung, andernfalls schwächen wir die deutschen und europäischen Luftverkehrsanbieter nachhaltig.

Werden Ihre Bedenken in der Politik erhört?

Es ist auf alle Fälle ein Bohren sehr dicker Bretter. Immerhin wurde einer Revisionsklausel bei der im EU-Plan vorgesehenen Beimischungsquote für nachhaltiges Flugbenzin zugestimmt. Es wird also nach ein paar Jahren noch einmal geprüft, ob die Vorgaben zur Nutzung von sogenanntem SAF zu Wettbewerbsnachteilen führen. Aber ich gebe offen zu, dass ich mir bereits jetzt eine wettbewerbsneutrale Regulierung gewünscht hätte – und das wäre auch für das Ziel einer weltweiten CO2-Reduzierung besser gewesen!

Der Flughafen Frankfurt bleibt der wichtigste Ergebnisbringer der Fraport. Fraport

Die zurückliegenden Monate haben erneut gezeigt, dass das internationale Geschäft für Fraport immer wichtiger wird, wo liegt denn in diesem Bereich Ihr Fokus, wenn es um mögliche Neuerwerbungen geht?

Zunächst einmal möchte ich betonen, dass der Flughafen Frankfurt immer unser wichtigstes Asset bleiben wird. Frankfurt wird dauerhaft den größten Ergebnisbeitrag im Konzern liefern, das ist unser Kerngeschäft. Dennoch wollen wir unser internationales Geschäft ausbauen, das eine sehr hohe Dynamik hat. Derzeit gehören 28 Flughäfen zu unserem Portfolio und momentan liegt der Fokus klar auf dem Ausbau bestehender Beteiligungen. So investieren wir in den Ausbau unserer Airports in Lima und Antalya, aber vor allem auch in Frankfurt mit dem Bau eines dritten Terminals.

Also keine Neuerwerbungen?

Wir haben ja vor nicht einmal zwei Jahren in Antalya um weitere 30 Jahre verlängert, da geht es um eine Summe von rund 7 Mrd. Euro. Ansonsten liegt unser Fokus in den nächsten zwei bis vier Jahren klar auf einer Reduzierung der Verschuldung, die während der Pandemie aufgebaut wurde. Wir wollen im Jahr 2025 einen positiven freien Cashflow generieren und dann auch wieder dividendenfähig sein. Derzeit würden wir deshalb als Fraport mehrheitlich kein großes Ticket in Sachen Zukauf machen.

Wenn Großprojekte wie T3 oder Lima abgearbeitet sind, geht Fraport von einem deutlich positiven freien Cashflow aus, die Rede ist von 1 Mrd. Euro am Ende des Jahrzehnts. Was machen Sie mit dem Geld?

Die Investitionen werden in der Tat ab 2026/27 deutlich runter gehen und dann sinkt auch die Verschuldung. Dann werden wir auch darüber nachdenken, ob wir uns neu engagieren, wenn es ein passendes Asset gibt. Das ist aber zeitlich noch weit weg.

Frankfurt wird dauerhaft den größten Ergebnisbeitrag im Konzern liefern, das ist unser Kerngeschäft.

Stefan Schulte

Wenn der Fraport-Konzern immer internationaler wird, ist dann die Aktionärsstruktur mit staatlichen Anteilseignern noch zeitgemäß?

Wir haben für das, was wir tun, die volle Unterstützung der Hauptgesellschafter Land Hessen und Stadt Frankfurt, daher stellt sich für mich die Frage nicht. Das wesentliche Asset ist und bleibt der Frankfurter Flughafen. Ergebnisse und Cashflow, die das internationale Geschäft erzielen, stärken ja auch den Standort Frankfurt.

Ist Fraport denn wegen des starken Engagements im Ausland für ausländische Investoren attraktiver geworden?

Wir werden attraktiver für Investoren, weil wir nun in eine Phase des positiven freien Cashflows laufen.  Und dann auch wieder Dividenden bezahlen werden.  Da werden viele Investoren in den nächsten 12 Monaten genauer hinschauen.

Was wird sich für Fraport ändern, wenn statt schwarz-grün demnächst vielleicht schwarz-rot in Hessen regiert?

Wir haben mit der bisherigen Regierung vertrauensvoll zusammengearbeitet, selbst beim schwierigen Thema Nachtflugverbot wurde eine Regelung gefunden. Ich gehe davon aus, dass die gute Zusammenarbeit auch unter schwarz-rot fortgesetzt wird.

Das Interview führte Lisa Schmelzer

Wir werden attraktiver für Investoren, weil wir nun in eine Phase des positiven freien Cashflows laufen. 

Stefan Schulte

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