Mitarbeiter drohen mit Kündigung

OpenAI-Investoren erwägen Klage wegen Altman-Entlassung

Nach der überraschenden Entlassung von OpenAI-Chef Sam Altman und dessen Überlaufen zu Microsoft brennt bei dem Start-up die Hütte. Fast alle Mitarbeiter drohen mit Kündigung und Investoren erwägen eine Klage gegen den Verwaltungsrat.

OpenAI-Investoren erwägen Klage wegen Altman-Entlassung

OpenAI-Investoren prüfen Klage wegen CEO-Entlassung

Experte sieht wenig Aussicht auf Erfolg – Microsoft will "weiteres Gedeihen" des Start-ups sicherstellen – Suche nach Ersatz-Chef bei Anthropic scheitert

Nach der überraschenden Entlassung von OpenAI-Chef Sam Altman und dessen Überlaufen zu Microsoft brennt bei dem Start-up weiter die Hütte. Fast alle Mitarbeiter drohen mit Kündigung und Investoren erwägen eine Klage gegen den Verwaltungsrat. Ihre Chancen auf Erfolg dürften aus Sicht von Experten aber gering sein.

Reuters/Bloomberg/kro Frankfurt


Einige Investoren des ChatGPT-Machers OpenAI erwägen Insidern zufolge rechtliche Schritte gegen den Verwaltungsrat wegen der Entlassung von Firmenchef Sam Altman. Die Investoren hätten Rechtsberatung eingeholt, um ihre Möglichkeiten zu prüfen, sagten mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Ob es zu einer Klage kommt, war zunächst unklar. Die überraschende Entlassung Altmans am Freitag und dessen anschließendes Überlaufen zu Microsoft hatte Sorgen um die Zukunft des Unternehmens ausgelöst.

Altman gilt als das menschliche Gesicht der generativen KI, die menschliche Kommunikation simulieren und anhand weniger Schlüsselwörter komplexe Texte, Bilder, Videos und weitere Inhalte erstellen kann. Microsoft-Chef Satya Nadella hatte in Interviews mit US-Medien am Montag angedeutet, dass die Möglichkeit einer Rückkehr von Altman zu OpenAI weiterhin besteht.

"Du kannst visionäre Gründer feuern"

Beobachter rechnen den OpenAI-Investoren im Falle einer tatsächlichen Klage wenig Chancen zu. Laut dem Rechtsexperten Paul Weitzel der University of Nebraska hätten die Kläger einen „schwachen Fall“, da Unternehmen per Gesetz weitreichenden Spielraum für Geschäftsentscheidungen hätten, auch für solche, die nach hinten losgehen. „Du kannst visionäre Gründer feuern“, wird Weitzel von Reuters zitiert. So war etwa auch Apple-Mitgründer Steve Jobs 1985 in einem aufsehenerregenden Fall vom Verwaltungsrat seines Unternehmens gefeuert worden und erst zehn Jahre später zurückgekehrt.

Zu den Investoren, die neben Microsoft bislang Geld in OpenAI gesteckt haben, zählen unter anderem die vom Tech-Milliardär Vinod Khosla gegründete VC-Firma Khosla Ventures, die von Joshua Kushner (dem Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner) gegründete Thrive Capital sowie die berühmten Tech-Investoren Andreessen Horowitz und Sequoia Capital. Aufgrund seiner besonderen Board-Struktur, die Folge einer ursprünglichen Gemeinwohlorientierung von OpenAI ist, hatten die Geldgeber keinen Sitz in dem Gremium und somit auch kein Mitspracherecht bei solchen strategischen Entscheidungen.

Microsoft hält 49% an dem Unternehmen, die anderen Investoren und Mitarbeiter kontrollieren weitere 49% und 2% liegen bei der gemeinnützigen Muttergesellschaft von OpenAI.

Personalie treibt Microsoft-Kurs

Der geschasste Altman versuchte derweil, Sorgen über einen Zusammenbruch des KI-Pioniers zu zerstreuen. Für ihn und Nadella habe es Priorität, „das weitere Gedeihen von OpenAI“ sicherzustellen, schrieb Altman auf dem Kurznachrichtendienst X. Partnern und Kunden solle eine vollständige Kontinuität des Betriebs garantiert werden, fügte er mit Blick auf die Partnerschaft zwischen OpenAI und Microsoft hinzu.

Neben Altman wechseln auch Verwaltungsratschef Greg Brockman sowie weitere OpenAI-Mitarbeiter zu Microsoft. Altman und Brockman sollen dort ein neues KI-Forschungsteam leiten. Der Aktienkurs des Konzerns war nach der Mitteilung auf ein Rekordhoch von 377,64 Dollar geklettert.

Den verbliebenen OpenAI-Mitarbeitern passen die Abgänge gar nicht. Fast alle der mehr als 700 Beschäftigten haben mit Kündigung gedroht, sollte der Verwaltungsrat nicht zurücktreten. Zudem wurde die Rückkehr von Altman und Brockman gefordert. Medienberichten zufolge befürchten die Mitarbeiter eine Beeinträchtigung des geplanten Verkaufs von Aktienanteilen, bei dem eine Unternehmensbewertung von 86 Mrd. Dollar angepeilt wurde. Im Raum steht nun, dass die Mitarbeiter Altman zu Microsoft folgen könnten. Der Konzern hat bereits allen Betroffenen Stellen in der neuen Tochterfirma zugesichert.

Bei Anthropic angeklopft

Bei OpenAI versuchen die Verantwortlichen derzeit, der verfahrenen Situation Herr zu werden. Man befinde sich in „intensiven Gesprächen“, um die gespaltene Belegschaft wieder zu vereinen, hieß es. Laut Reuters soll der Verwaltungsrat auf der Suche nach einer Lösung für die Zukunft von OpenAI beim Rivalen Anthropic angeklopft haben, der etwa zehn Autominuten entfernt an einem eigenen Chatbot namens Claude bastelt.

Anthropic wurde im Jahr 2015 gegründet – und zwar von Dario und Daniela Amodei, die zuvor in führenden Positionen bei OpenAI gearbeitet, sich aber nach Meinungsverschiedenheiten rund um die Sicherheit und Governance von OpenAI zu einem Alleingang entschlossen haben. Anthropic hat erst vor Kurzem milliardenschwere Investitionen von Amazon und Google zugesagt bekommen. Auch SAP ist an dem Start-up beteiligt.

Amodei soll den Vorschlag abgelehnt haben, Altman als CEO von OpenAI zu ersetzen. Auch mit dem Vorschlag einer Fusion der beiden KI-Start-ups soll OpenAI bei Amodei abgeblitzt sein. Zuvor hatte das Tech-Portal „The Information“ über die Vorgänge berichtet.

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