Märkte am AbendStahlsektor unter Druck

Dax auf Konsolidierungskurs

Der deutsche Leitindex musste am Dienstag Abschläge hinnehmen. Sich verflüchtigende Zinssenkungshoffnungen und der Konflikt im Nahen Osten belasteten die Märkte. Unter Druck stand besonders der Stahlsektor.

Dax auf Konsolidierungskurs

Finanzmärkte

Dax auf Konsolidierungskurs

Aktienmärkte im Sinkflug – Stahlsektor unter Druck – Talfahrt bei Varta geht weiter

tom Frankfurt

Der deutsche Leitindex ist am Dienstag deutlich abgerutscht und damit endgültig im Korrekturmodus angekommen. Nachdem sich das Börsenbarometer am Montag noch immun gegenüber der neuerlichen Eskalation im Nahen Osten gezeigt hatte und mit moderaten Gewinnen aus dem Handel gegangen war, gab es am Dienstag Abschläge. Der Dax verlor bis zum Abend 1,4% auf 17.766 Zähler. Auch MDax (−1,8% auf 25.974 Punkte) und Euro Stoxx 50 (−1,5% auf 4.912 Punkte) notierten schwächer.

Stärker noch als die geopolitischen Sorgen nach dem direkten iranischen Angriff auf Israel belastete die europäischen Börsen die Angst vor anhaltend hohen Leitzinsen in den USA. Zuletzt waren die US-Einzelhandelsumsätze für März deutlich stärker als erwartet ausgefallen. Auch der robuste Arbeitsmarkt und die hartnäckige Inflation verstärkten die Sorgen der Anleger, dass es bei den Leitzinsen „higher for longer“ heißen könnte und dass es die Fed angesichts der brummenden Wirtschaft nicht eilig haben wird, die Zinsen zu senken. Frühestens im Herbst dürfte die US-Notenbank aktiv werden, erste Stimmen sehen Zinssenkungen sogar erst im kommenden Jahr. In den USA hatten die Börsen dann auch schon zum Wochenauftakt spürbar Federn gelassen.

Zusätzlich belastend wirkte die Angst vor einer weiteren Nahost-Eskalation. Israel hat eine Reaktion auf den iranischen Großangriff angekündigt. Wie diese ausfallen wird, ließ die Militärführung des Landes zunächst offen. Man wäge die weiteren Schritte ab, hieß es.

Nach der Wall Street drehten die asiatischen Börsen ins Minus, obwohl die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal dank boomender Exporte überraschend an Schwung gewonnen hat. Das BIP im Reich der Mitte legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,3% zu und damit deutlich stärker als gedacht. Gleichzeitig verschärfte sich allerdings die Immobilienkrise in China. Die Preise für neue Wohnungen sind im März so stark gefallen wie seit über acht Jahren nicht mehr.

Nach den asiatischen Börsen ging es dann auch für die europäischen Aktienmärkte deutlich nach unten. Dennoch gab es vereinzelt Lichtblicke. Im Dax gewannen Fresenius an der Index-Spitze 4,6% auf 26,61 Euro. Der Klinikbetreiber und Gesundheitskonzern gab am Montagabend die US-Markteinführung des Biosimilars Tyenne bekannt. Das Nachahmerprodukt des zuvor patentgeschützten Antikörpers Tocilizumab wird gegen verschiedene chronische Autoimmunerkrankungen eingesetzt.

Immobilienkrise spitzt sich zu

Unter den wenigen Gewinnern im Leitindex waren auch die Papiere von Beiersdorf, die gegen den Markttrend 1,1% auf 133,85 Euro zulegen konnten. Die Hamburger haben nach dem Rekordjahr 2023 im ersten Quartal 2024 weiter Zuwächse erzielt und daraufhin die Umsatzprognose für das Gesamtjahr angehoben.

Dagegen setzte der Batteriehersteller Varta seine Talfahrt fort. Die Papiere gaben am Dienstag um weitere 6,6% auf 8,35 Euro nach, nachdem sie bereits am Freitag um über 30% und am Montag um weitere 8% abgesackt waren. Der Batteriehersteller hatte vor dem Wochenende das eigene Umstrukturierungskonzept als unzureichend bezeichnet und benötigt erneut Geld.

Unter Druck standen am Dienstag auch europäische Stahlwerte. Die auf das Jahr hochgerechnet rekordhohen Stahlexporte Chinas in den ersten Monaten des Jahres 2024 hätten ein Ausmaß von rund 80% der gesamten Vorjahresproduktion in der EU erreicht, erklärte J.P.-Morgan-Experte Moses Ola in einem aktuellen Branchenkommentar. Das setzte europäische Hersteller unter Druck: Im SDax verloren Salzgitter 6,7% auf 23,18 Euro. Im MDax gaben Thyssenkrupp um 5,7% auf 4,63 Euro nach.

Auch an anderen europäischen Aktienmärkten gab es einige deutliche Kursausschläge: In Stockholm verteuerten sich die Titel von Ericsson zeitweise um über 5%, nachdem der schwedische Telekommunikationsausrüster starke Zahlen für das erste Quartal vorweisen konnte. Die bereinigte Bruttomarge habe die Erwartungen deutlich übertroffen, kommentierten die Analysten von Jefferies das Zahlenwerk.

In die entgegengesetzte Richtung ging es in London für die Aktie von Dr. Martens. Der britische Schuhhersteller warnte vor einem herausfordernden Geschäftsjahr 2025, da die Nachfrage in den USA, dem größten Markt des Unternehmens, schwach sei. Gleichzeitig ernannte Dr. Martens einen neuen CEO. Ije Nwokorie, bisher Chief Brand Officer, soll Kenny Wilson nachfolgen, der erklärt hat, dass dies sein letztes Jahr an der Konzernspitze sein werde. Die Aktie brach auf ein Rekordtief ein und verlor bis zum Abend 29,4% auf 67 Euro.