Autoindustrie

VW will Ergebnis 2024 um 4 Mrd. Euro steigern

Um bis 2026 das 10-Mrd.-Euro-Ziel zu erreichen, will die Marke Volkswagen allein im kommenden Jahr eine Ergebnisverbesserung von 4 Mrd. Euro erreichen. Das, so Markenchef Thomas Schäfer, sei wichtig, um dem härter werdenden Wettbewerb in einem extrem anspruchsvollen Marktumfeld standhalten zu können.

VW will Ergebnis 2024 um 4 Mrd. Euro steigern

VW will Ergebnis 2024 um 4 Mrd. Euro steigern

Markenmanagement und Betriebsrat einigen sich auf sozialverträglichen Stellenabbau – Autobauer kompensiert Wegfall von staatlicher Umweltprämie

Um bis 2026 das 10-Mrd.-Euro-Ziel zu erreichen, will die Marke Volkswagen allein im kommenden Jahr einen Ergebniszuwachs von 4 Mrd. Euro erreichen. Das, so Markenchef Thomas Schäfer, sei wichtig, um dem härter werdenden Wettbewerb in einem extrem anspruchsvollen Marktumfeld standhalten zu können.

ste Hamburg

Das Management von Volkswagen Pkw und der Betriebsrat des Autobauers haben sich nach wochenlangen Verhandlungen auf Grundzüge für ein Programm verständigt, das die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit der Kernmarke des VW-Konzerns stärken soll. Auf dem Weg zu dem seit Juni bekannten Ziel, das Ergebnis der Marke um 10 Mrd. Euro zu verbessern, um 2026 eine Umsatzrendite von 6,5% zu erreichen, wird bereits im kommenden Jahr ein positiver Ergebnisbeitrag von bis zu 4 Mrd. Euro angestrebt. Das gaben die Marke und die Arbeitnehmervertretung am Dienstag bekannt.

Beide Seiten einigten sich demnach auf einen sozialverträglichen Stellenabbau mit dem Ziel, die Personalkosten im Verwaltungsbereich um 20% zu senken. Angaben, welcher konkrete Betrag eingespart werden soll, machte VW nicht. Ebenfalls blieb offen, wie viele Stellen wegfallen. Die demografische Kurve mit den geburtenstarken Jahrgängen, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, werde mit der Ausweitung der Altersteilzeit auf den Jahrgang 1967 sowie 1968 bei Beschäftigten mit Schwerbehinderung maximal genutzt, hieß es. Die Maßnahme gilt ab Anfang 2024.

70 Prozent nutzen Altersteilzeit

Erst im Juli war die Altersteilzeit für alle 1966 geborenen Beschäftigten in der Volkswagen AG geöffnet worden, zu der neben der Marke VW auch der konzerninterne Zulieferer Komponente, VW Nutzfahrzeuge und sogenannte Konzernstellen gehören. Insgesamt beschäftigt Volkswagen in Deutschland rund 120.000 Mitarbeiter. Aus dem geburtenstärkeren Jahrgang 1966 kamen dem Betriebsrat zufolge etwa 4.100 Beschäftigte für Altersteilzeitverträge in Frage. Erfahrungswerte zeigten, dass sich in der Regel rund 70% eines geöffneten Jahrgangs für Altersteilzeitmodelle entschieden. Üblich ist bei VW ein Altersteilzeitmodell von sechs Jahren. Altersteilzeitprogramme werden bei der Kernmarke seit dem 2016 vereinbarten "Zukunftspakt" genutzt.

Neben der Ausweitung der Altersteilzeit auf einen weiteren Jahrgang gilt bei VW weiterhin ein Einstellungsstopp. Nach wie vor sollen auch nur begrenzt neue Mitarbeiter für die höhere Gehaltsklasse "Tarif Plus" zugelassen werden. Ferner will die Marke "im Bedarfsfall punktuell" Aufhebungsverträge anbieten. Künftig entfallende Stellen sollen nur in Ausnahmefällen nachbesetzt werden. Betriebsratschefin Daniela Cavallo unterstrich, Tarifeinschnitte oder Abstriche bei der bis 2029 geltenden Beschäftigungssicherung habe man nicht zugelassen. Die Arbeitnehmervertretung verwies darauf, dass die größten Hebel des Effizienzprogramms bei Material-, Produkt- Fertigungs- und Vertriebskosten ansetzten.

So soll etwa die Entwicklungszeit für neue VW-Modelle ohne Abstriche bei Qualität und Sicherheit von 50 auf 36 Monate verkürzt werden, um über den fünfjährigen Zeitraum der aktuellen Planungsrunde bis 2028 mehr als 500 Mill. Euro einzusparen. Die Zahl der Versuchsträger in der Technischen Entwicklung will die Marke um bis zu 50% reduzieren, wodurch rund 400 Mill. Euro pro Jahr eingespart werden könnten. Als weitere Maßnahmen, die bereits 2024 greifen sollen, nennt VW eine gesteigerte Einkaufsleistung in der Beschaffung, was zu jährlichen Einsparungen von 320 Mill. Euro führen soll, ein optimiertes After-Sales-Geschäft mit einem Effekt von mehr als 250 Mill. Euro sowie eine "Optimierung der Produktionsdauer entlang der vereinbarten Standortpakete", wodurch Kostensenkungen von über 200 Mill. Euro im Jahr möglich seien.

Maßnahmen ab 2025 offen

VW-Pkw-Chef Thomas Schäfer, der angesichts einer Umsatzrendite der Kernmarke von 3,4% in den ersten neun Monaten 2023 unter Druck stand, eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat noch in diesem Jahr zu erreichen, erklärte, nun werde das wirtschaftliche Fundament für den Erfolg der nächsten Jahre gestärkt. "Wir sind in den vergangenen Wochen einen großen Schritt weitergekommen bei der Ausgestaltung des umfassendsten Programms, das die Marke je aufgesetzt hat." Maßnahmen für weitere Einsparungen über 2024 hinaus blieben indes offen.

Mit dem Effizienzprogramm will VW auch gegenläufige Effekte wie Inflation und Rohstoffkostensteigerungen abfedern. Am Dienstag gab die Marke zudem bekannt, nach dem kurzfristigen Ende der Elektroautoförderung durch den Bund neben dem Herstelleranteil auch den bisherigen staatlichen Umweltbonus-Anteil für ID-Modelle zu übernehmen, die Privatkunden in Deutschland vor dem 15. Dezember bestellt hätten und die bis Ende März 2024 ausgeliefert und zugelassen würden.

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