Quartalspräsentation

Siemens verbucht außergewöhnlich gutes Quartal

Siemens meldet eine Serie von Rekorden im zweiten Quartal. Unter anderem kletterten die Ergebnisse der Kernsparten auf Höchststände, getrieben von einem Umsatzsprung um mehr als 20%. Der Vorstand erhöhte die Umsatz- und Gewinnprognose zum zweiten Mal im laufenden Geschäftsjahr.

Siemens verbucht außergewöhnlich gutes Quartal

Siemens-Aktie nähert sich Kursrekord

Konzern verbucht ein außergewöhnlich gutes Quartal – Vorstand erhöht Prognose für das Geschäftsjahr erneut

Siemens meldet eine Serie von Rekorden im zweiten Quartal. Unter anderem kletterten die Ergebnisse der Kernsparten auf Höchststände, getrieben von einem Umsatzsprung um mehr als 20%. Der Vorstand erhöhte die Umsatz- und Gewinnprognose zum zweiten Mal im laufenden Geschäftsjahr. Die Aktie beendet den Handel am Donnerstag nahe ihrem Kursrekord.

mic München

„Obwohl das wirtschaftliche Umfeld weiterhin volatil ist, liefern wir konstant herausragende Leistungen“: Mit diesen Worten kommentierte Siemens-Vorstandsvorsitzender Roland Busch in einer Telefonpressekonferenz den Geschäftsverlauf im zweiten Quartal (31. März). Finanzvorstand Ralf Thomas bekräftigte die Aussage aus dem Interview der Börsen-Zeitung im März, dass Umsatz und Profitabilität im ersten Halbjahr stärker gestiegen seien als zuletzt erwartet.

Der Umsatz erhöhte sich auf vergleichbarer Basis um 15%. Besonders bemerkenswert: Ein Plus von jeweils mehr als einem Fünftel meldeten die drei Kernaktivitäten Digital Industries (23%), Smart Infrastructure (21%) und Mobility (33%). Nur die Beteiligung Siemens Healthineers, die ihre Zahlen bereits am 10. Mai vorgelegt hatte, dämpfte die Performance (−3%). Bauteile seien wieder leichter verfügbar, daher könne angesichts eines Rekordauftragsbestands von 105 Mrd. Euro die Fertigung besser ausgelastet werden, sagte Busch.

In der Folge stieg das Ergebnis des industriellen Geschäfts um 47% auf 2,6 Mrd. Euro. Busch erklärte, Digital Industries (DI) und Smart Infrastructure (SI) seien noch nie so profitabel gewesen. Der operative Gewinn kletterte um 57% (DI) beziehungsweise 75% (SI). Die Margen notierten mit 23,5% und 15,9% ebenfalls auf Allzeithochs. Die Belastung aus den steigenden Kosten habe in beiden Sparten durch Steigerungen der Produktivität und der Preise mehr als ausgeglichen werden können, sagte Thomas.

Mobility drehte den russlandbedingten Verlust im Vorjahresquartal von 369 Mill. Euro auf einen Gewinn von 247 Mill. Euro. Die Ergebnismarge von 9,2% hätte ohne Effekte aus der – günstiger als erwartet verlaufenden – Abwicklung des Russlandgeschäfts rund 8% betragen, so Thomas.

Für die Verdreifachung des Nettogewinns auf 3,6 Mrd. Euro sorgte nicht nur der operative Rückenwind, sondern auch die bereits im März angekündigte Wertaufholung der Siemens-Energy-Anteile in Höhe von 1,6 Mrd. Euro. Hinzugekommen sei ein nicht zahlungswirksamer Ertrag aus der Kapitalerhöhung von Siemens Energy in Höhe von 235 Mill. Euro, sagte Thomas. Der Anteil an dem Unternehmen sei von 35,1 auf 31,9% gesunken.

Thomas bekräftigte, dass sich die Siemens AG unverändert von dem Energy-Paket trennen wolle. Man werde den Kapitalmarkt zum Ende des Geschäftsjahres über das konkrete Vorgehen informieren, sagte Thomas. Er wies erneut darauf hin, dass der Siemens-Pensionsfonds seinen Anteil über die Börse vollständig verkauft und damit 9,9% in den Markt gegeben habe.

Im Geschäftsjahr 2022/2023 (30. September) traut Siemens sich beim Umsatz und Gewinn nun viel mehr zu, und zwar auch aus rein operativer Kraft – nachdem die Prognosen bereits nach dem ersten Quartal erhöht worden waren. „Wir heben unsere Jahresprognose daher deutlich an und grenzen unsere Zielkorridore weiter ein“, sagte Thomas.  

Der Umsatz soll bereinigt um Währungsumrechnungs- und Portfolioeffekte in einer Spanne von 9 bis 11% zulegen, während zuvor 7 bis 10% für möglich gehalten worden sind. Im ersten Halbjahr stehen 12% zu Buche. Der Schwung kommt aus allen drei Sparten. DI geht nun davon aus, einen Anstieg auf vergleichbarer Basis zwischen 17 und 20% zu erzielen (zuvor 12 bis 15%, Halbjahr 19%). SI zielt auf 14 bis 16% (zuvor 9 bis 12%, Halbjahr 18%) und Mobility auf 10 bis 12% (zuvor 6 bis 9%, Halbjahr 19%).

Mehr Dynamik auch mittelfristig

Mit der hohen Auslastung wird der Planung zufolge auch die Marge zulegen. DI wird demnach zwischen 22,5 und 23,5% landen (zuvor 20 bis 22%, Halbjahr 23,0%) und SI zwischen 14,5 und 15,5% (zuvor 13,5 bis 14,5%, Halbjahr 15,6%). Die Margenerwartung für Mobility bleibt unverändert zwischen 8 und 10% (Halbjahr 8,6%).

Das operative Wachstum schlägt auf den Gewinn durch. Das Ergebnis pro Aktie vor Kaufpreiseffekten wird demnach 9,60 bis 9,90 Euro erreichen, während der Konzern zuvor 8,90 bis 9,40 Euro angepeilt hatte. Zum Halbjahr sind 4,64 Euro (ohne Abschreibungsgewinn) erreicht, ein Plus von 24% im Vergleich zur Vorjahresperiode. Einschließlich jener 2,01 Euro, die aus der teilweisen Wertaufholung der früheren Energy-Wertminderung resultieren, werden nun 11,61 bis 11,91 Euro erwartet.

Siemens hat erneut die Prognose erhöht.

Die Siemens-Aktie beendete den Handel am Donnerstag mit einem Kursplus von 2,8% auf 157,74 Euro. Der Rekord von 157,96 Euro am 5. Januar 2022 ist in Reichweite.

Mit Blick auf 2023/2024 erklärte Busch, sowohl DI als auch SI würden das Geschäftsjahr mit einem weiterhin hohen Auftragsbestand beginnen. Zugleich wies er warnend darauf hin, dass sich das Bestellvolumen im DI-Produktgeschäft und in Teilen von Smart Infrastructure normalisiere. Lieferzeiten seien kürzer geworden und Komponenten besser verfügbar. Im zweiten Quartal sank der DI-Auftragseingang auf vergleichbarer Basis um 10%, in SI betrug das Plus 9 nach 16% im Startquartal: „In den kommenden Quartalen wird sich das fortsetzen.“

Busch ließ erkennen, dass Siemens die mittelfristige Wachstumsplanung auch angesichts der Inflation nach oben gesetzt hat. Zwar gilt ein vergleichbares Umsatzplus von 5 bis 7% immer noch als offizielle Vorgabe über einen Zyklus von drei bis fünf Jahren. Aber Busch betonte, man erwarte ausgehend von knapp 500 Mrd. Euro ein jährliches Wachstum des adressierbaren Marktes von etwa 7% bis zum Jahr 2027. Hinzu kämen Stimulus-Programme, die noch nicht klar einzuschätzen seien, beispielsweise für Batterie- und Halbleiterfabriken sowie Rechenzentren. Für Siemens gelte: „Wir werden auch wie in der Vergangenheit Marktanteile gewinnen.“

Zunächst seien die Wachstumsraten infolge der Inflation höher, sagte Busch. Dies werde sich aber über die Zeit abschwächen. Thomas bezifferte die Lohnsteigerungen auf aktuell 6%. Schon in Nichthochinflationszeiten sei die Leitlinie gewesen, dass Kostensteigerungen durch höhere Produktivität und Absatzpreise aufgefangen werden müssten. Auf die Frage, ob die Preissetzungsmacht wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) angenommen ein Preistreiber sein könnte, sagte Thomas: Es „hat nicht das Ziel, so wie die EZB dies befürchtet, Preismacht quasi zu missbrauchen“. Im Gegenteil sei das Ziel, stärker als der Wettbewerb zu wachsen, und dies scheine zu gelingen.

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