Investmentbanking

Take Privates werden "wichtiger Teil der M&A-Wallet"

Das M&A-Volumen schrumpft in diesem Jahr erneut kräftig. Für 2024 rechnet Armin von Falkenhayn, Deutschlandchef der Bank of America, mit mehr Take Privates und Delistings. Derweil erwarten Barclays und die Kanzlei Noerr die Abwanderung weiterer deutscher IPOs in die USA.

Take Privates werden "wichtiger Teil der M&A-Wallet"

Take Privates werden "wichtiger Teil der M&A-Wallets"

Deutschlandchef der Bank of America avisiert für 2024 neue Delistings – Barclays und Kanzlei Noerr befürchten Abwanderung deutscher IPOs in die USA

Von Christoph Ruhkamp, Frankfurt

Das M&A-Volumen schrumpft in diesem Jahr erneut kräftig. Für 2024 rechnet Armin von Falkenhayn, Deutschlandchef der Bank of America, mit mehr Take Privates und Delistings. Derweil erwarten Barclays und die Kanzlei Noerr nach Birkenstock die Abwanderung weiterer deutscher IPOs in die USA.

Für Investmentbanker hat das Jahr 2023 keinen Anlass für Jubel gegeben. Das IPO-Volumen in Europa ist auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren geschrumpft. Nur Ionos, Thyssenkrupp Nucera und Schott Pharma schafften in Deutschland ein Debüt. Birkenstock wanderte mit dem Listing nach New York ab und Renk sagte in letzter Minute ab. Auch das globale M&A-Volumen hat sich im laufenden Jahr nach Daten, die die Bank of America für die Börsen-Zeitung zusammengestellt hat, bis dato im Vergleich zum Rekordjahr 2021 um fast 60% auf 2,5 Bill. Dollar verringert. In Europa ging es sogar um zwei Drittel abwärts. Vor allem das Dealvolumen der Private-Equity-Firmen ist überproportional geschrumpft. Transaktionen mit einem Wert oberhalb von 5 Mrd. Dollar hatten Seltenheitswert.

Was ein Delisting interessant macht

Umso mehr rücken die Deals ins Zentrum, die stattgefunden haben. Dazu zählen etliche Take Privates börsennotierter Unternehmen, die von Finanzinvestoren wieder zurückgekauft wurden, wie Suse und Synlab durch EQT und Cinven. Armin von Falkenhayn, Deutschlandchef der Bank of America, erwartet im kommenden Jahr noch mehr solcher Public-to-Private-Transaktionen: „Auch 2024 sind Public-to-Privates ein wichtiger Teil der M&A-Wallets", sagte von Falkenhayn der Börsen-Zeitung. "Vergleichsweise niedrige Bewertungen und geringe Liquidität in der Aktie, fehlende Research-Coverage – all das macht ein Delisting interessant." Ungelistet ließen sich auch manche Restrukturierungen leichter umsetzen.

Wichtiger als geopolitische Krisen sind für die Kapitalmarktentwicklung nach Ansicht von Falkenhayns tatsächlich Inflation und Zinsumfeld: "Erst wenn diesbezüglich mehr Sicherheit herrscht, wird sich auch das Volumen des Kapitalmarktgeschäftes wieder signifikant erhöhen."

Renk, Flix und Douglas

IPOs seien derzeit schwierig – auch wenn es eine Reihe vielversprechender deutscher Kandidaten gebe. Als einer der ersten Kandidaten im kommenden Jahr gilt laut Finanzkreisen der Panzergetriebehersteller Renk aus dem Portfolio der Private-Equity-Firma Triton, der einen neuen Anlauf wagen will. Auch der Fernbusbetreiber Flix mit General Atlantic als Großaktionär und die Parfümeriekette Douglas aus dem Bestand von CVC streben bald an die Börse.

Doch vor Ostern erwartet die Bank of America keine sehr rege IPO-Aktivität in Deutschland. "Als Alternative zum IPO wird es häufiger Minderheitsbeteiligungen von Investoren an nicht börsennotierten Unternehmen geben", sagt von Falkenhayn voraus. Zudem werde es vermehrt Carve-outs geben: "Aktivistische Investoren sind schon lange Treiber der aktiveren Portfoliopolitik und Strategiegestaltung von Unternehmen. Der Druck auf die Unternehmen, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, bleibt unverändert hoch.“

Kapitalerhöhungen durch hoch verschuldete Fallen Angels

Christof Bechtel, Investment-Banking-Chef der Bank of America in Deutschland, beobachtet darüber hinaus "zunehmend Kapitalerhöhungen durch hoch verschuldete Fallen Angels": "Da kommt noch mehr", prognostiziert Bechtel. "Denn in den kommenden zwei Jahren steht die Fälligkeit für 20% der Hochzinsanleihen in Europa im Kalender." Das M&A-Geschäft bleibt laut Bechtel ein "Käufermarkt" auch im Jahr 2024: "Volumina werden getrieben von Exits der Finanzinvestoren sowie Take Privates und Konzernumbauten", sagt der Investmentbanker. "Die Käufer bleiben jedoch vorsichtig und diszipliniert bei den Preisen, die gezahlt werden."

Im kommenden Jahr wird sich der IPO-Markt nach Einschätzung von Julian Schulze De la Cruz, Co-Leiter der Praxisgruppe Kapitalmarktrecht der Kanzlei Noerr, "zweigeteilt präsentieren". "Die US-Börsen wirken auch auf immer mehr europäische Unternehmen wie ein Magnet, demgegenüber wird sich die Zahl der Neuemissionen in Deutschland und in Europa nicht nennenswert erhöhen", sagt Schulze De la Cruz. "Insbesondere die mangelnde Liquidität in deutschen Aktien bleibt ein Hemmschuh für künftige Börsengänge."

Nachdem bereits Birkenstock mit dem Listing nach New York abgewandert ist, werden nun auch dem mit 13 Mrd. Dollar wertvollsten deutschen Start-up, dem Softwareunternehmen Celonis, Pläne für einen Börsengang in den USA hartnäckig nachgesagt. Auch Schulze De la Cruz erwartet keine blitzschnelle Wende: "Wenn das konjunkturelle Umfeld es zulässt, ist mit einer Erholung des IPO-Markts auf niedrigem Niveau ab dem zweiten Quartal zu rechnen. Profitable Unternehmen aus Wachstumsfeldern wie Cleantech und Biotech haben die besten Chancen auf einen erfolgreichen Börsengang.“

Auch Foruhar Madjlessi, Co-Head für Equity Capital Markets in Europa bei Barclays, befürchtet IPO-Abwanderung in die USA: „In einzelnen Branchen wie Halbleiter, Biotechnologie oder Software sind Überlegungen zu einem möglichen US-Listing oft besonders relevant. In diesen Branchen werden dem US-Markt eine besondere Expertise sowie eine Bereitschaft zu höheren Bewertungsansätzen unterstellt – letztlich ist eine sinnvolle Abwägung der Vor- und Nachteile eines US-Listings nur im Einzelfall möglich. Für die meisten europäischen Unternehmen bleibt ein US-Listing eine Erwägung, die letztlich zugunsten eines Listings im Heimatmarkt verworfen wird.“

IPOs in Europa 2023
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