Energieversorger

Uniper steigt bis 2029 aus der Kohle aus

8 Mrd. Euro - so viel Geld will der verstaatlichte Versorger Uniper bis 2030 in die Hand nehmen, um das Erzeugungsportfolio grüner zu machen.

Uniper steigt bis 2029 aus der Kohle aus

Uniper forciert die grüne Transformation

Kohleausstieg bis 2029 – Neu formulierte Strategie – Bis 2030 Investitionen von 8 Mrd. Euro

ab Düsseldorf

Uniper hat die Folgen der Gaskrise verdaut und will sich nun beschleunigt transformieren. In der neu formulierten Strategie setzt sich der verstaatlichte Konzern ambitionierte Klimaziele und bekräftigt das Ziel, schnellstmöglich die Kapitalmarktfähigkeit zurückzuerlangen. Das Strategie-Update stammt aus der Feder des ebenfalls runderneuerten Vorstands, der seit 1. August wieder vierköpfig und damit vollständig ist.

Die Strategie dreht sich im Wesentlichen um den Umbau des Erzeugungsportfolios, in dem der grüne Anteil bei einer Kapazität von 22,5 Gigawatt (GW) heute erst bei 20% liegt. Bis 2030 soll sich die installierte Kapazität auf 15 bis 20 GW belaufen, der Anteil an grünem Strom und Gas soll dann aber bei mehr als 80% liegen, wie Vorstandschef Michael Lewis, der seit 1. Juni an Bord ist, vor der Presse erläuterte. In den Umbau will Uniper 8 Mrd. Euro bis 2030 stecken.

Uniper vor “Mammut-Aufgabe”

Da Lewis von der einstigen Konzernmutter Eon kommt, sind ihm viele Gesichter der Uniper-Welt vertraut. “Daher konnte ich gleich in die Strategieentwicklung eintauchen”, räumte der Brite ein. Gleichwohl ließ er keine Zweifel daran, dass vor Uniper “eine Mammut-Aufgabe” liegt. So will der Stromerzeuger und Gashändler bis spätestens 2029 aus der Kohleverstromung aussteigen – acht Jahre früher als bislang geplant.

Dass der Kohleausstieg vorgezogen werden kann, liegt nicht zuletzt daran, dass das Steinkohlekraftwerk Datteln 4 im Rahmen der EU-Auflagen bis 2026 veräußert werden muss. Dieses Kraftwerk besitzt eine Betriebserlaubnis bis 2038. Der Startschuss für den Verkauf ist jedoch noch nicht gefallen, wie Finanzchefin Jutta Dönges sagte. Daneben gibt es noch das Kohlekraftwerk Maasvlakte in den Niederlanden, das spätestens Ende 2029 vom Netz geht. Die übrigen Kraftwerke, deren Betriebsdauer im vergangenen Jahr zur Bekämpfung der Energiekrise verlängert wurde, werden wie im vorigen Jahr vereinbart abgeschaltet.

Investitionen in Solar- und Windenergie

Die Stilllegung der Anlagen schaffe neue Kapazitäten für den Ausbau von Wasserstoffproduktions- und -importanlagen, verdeutlichte Lewis. Die bestehenden Gaskraftwerke sollen schrittweise auf grüne Kraftstoffe umgestellt werden, um das Gasgeschäft zu dekarbonisieren. Konkret wird bis 2030 ein Anteil grüner Gase im Portfolio von 5 bis 10% ins Auge gefasst. Zugleich will Uniper bestehende Gasspeicher zu Wasserstoffspeichern umwandeln. Last but not least soll auch direkt in Solar- und Windenergie investiert werden.

Wo diese Vorhaben geografisch realisiert werden sollen, sagte Lewis nicht. “Wir haben ein Portfolio der Optionen aufgestellt”, verdeutlichte der Uniper-Chef. Was wo realisiert werde, hänge letztlich von den Renditechancen an den einzelnen Standorten ab. Der Umbau gelinge nur, wenn er wirtschaftlich sei. “Wir werden wieder ein unabhängiges Unternehmen mit Investment-Grade-Rating sein”, gab sich Lewis überzeugt. Nur dann hat der Bund auch eine Chance, bei Uniper wieder auszusteigen. Gemäß den EU-Auflagen muss der Bund seine Beteiligung von aktuell gut 99% bis 2028 auf 25% plus eine Aktie reduzieren.

Im Zusammenspiel mit den Investitionsplänen steckt sich Uniper ambitioniertere Klimaziele. Klimaneutralität wird neuerdings bis 2040 angestrebt und damit zehn Jahre früher als bislang geplant. Auf Ebene der direkten und indirekten CO2-Emissionen (Scope 1 + 2) strebt Uniper bis 2035 Klimaneutralität an.

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