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HCOB nähert sich Abschluss ihrer Privatisierung

Die Bilanz umfassend umgebaut und restrukturiert, die Kostenbasis entgegen allen Zweifeln spürbar gesenkt, die harten Ziele der Transformation erreicht: Vorstandschef Stefan Ermisch sieht die Hamburg Commercial Bank „fast dort, wo wir sein wollen“. Das Ende der Privatisierung der einstigen Landesbank naht.

HCOB nähert sich Abschluss ihrer Privatisierung

ste Hamburg

Die aus dem 2018 vollzogenen Verkauf der HSH Nordbank an Finanzinvestoren hervorgegangene Hamburg Commercial Bank (HCOB) sieht sich nach dem ersten Halbjahr 2021 auf bestem Weg, den zum kommenden Jahreswechsel geplanten Übergang aus dem Sicherungssystem der Sparkassengruppe in den Einlagensicherungsfonds des privaten Bankenlagers zu schaffen. Seine Zuversicht sei bei 100%, sagte Bankchef Stefan Ermisch in einem Pressegespräch. Die Bank liege mit ihren Kennziffern bei Profitabilität, Eigenkapitalausstattung und Asset-Qualität substanziell über den Anforderungen des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB).

Man bewerbe sich, über den ersten Wechsel einer Landesbank in die Sicherungseinrichtung der Privatbanken müsse der Verband entscheiden. Ermisch zeigte sich gleichwohl optimistisch, dass die HCOB dem Einlagensicherungsfonds „guttun“ werde. Die Bank sei heute die operativ effizienteste in Deutschland. Sie gehöre nach der Bilanzrestrukturierung der vergangenen Jahre gemessen an der Kernkapitalquote von zuletzt 29,6 (Ende 2020: 27)% zu den stärksten in Europa. Das Portfolio sei „sauber“, die Absicherungsquote bei einem Bestand ausfallgefährdeter Engagements von 645 Mill. Euro belaufe sich auf über 150%. Die HCOB, die sich als Spezialfinanzierer auf gewerbliche Immobilienfinanzierung, Schiffsfinanzierung, auf Projektfinanzierung mit zunehmender Ausrichtung auf den „Megatrend ESG“ (Umwelt, Soziales, gute Unternehmensführung) sowie auf die klassische Kreditfinanzierung für Mittelständler in Deutschland konzen­triert, sei für die Zukunft sehr widerstandsfähig aufgestellt, so Ermisch.

Nach einem im ersten Halbjahr auf 194 (i.V. 4) Mill. Euro erhöhten Gewinn, der auch durch einen Steuerertrag getrieben wurde, hob die HCOB ihre Jahresprognose er­neut an. Inzwischen erwartet die Bank für 2021 einen Nettogewinn von mehr als 250 Mill. Euro, nachdem das ursprüngliche Ziel von 135 (102) Mill. Euro im Mai auf rund 200 Mill. Euro erhöht worden war.

Das Ziel, sehr starke operative Zahlen im dritten Jahr der Transformation vorzuweisen, sei der Bank „brillant gelungen“, meinte Ermisch. Das weit über den Erwartungen liegende Nachsteuerergebnis der ersten sechs Monate basiere neben der „sehr straffen Transformationsarbeit“ der vergangenen Jahre darauf, dass man „operativ exzellent vorangekommen“ sei. Die Nachsteuerrendite auf das investierte Kapital von 19,8 (Ende 2020: 4,3)% liege wie angestrebt oberhalb der Kapitalkosten. Bei Kapitalkosten von 9% strebt die HCOB eine Nachsteuerrendite auf das investierte Kapital von mindestens 12% an, um durch die operative Tätigkeit Mehrwert für die Anteilseigner zu schaffen.

Ein solches Niveau zu erreichen, wo sich alle anderen in Deutschland recht schwer damit täten, nennenswerte Eigenkapitalrenditen zu erzielen, gelinge, „weil wir uns auf das Wesentliche konzentrieren“, erklärte Ermisch. Alles, was nicht den Kernkompetenzen diene, werde abgebaut. „Da unterscheiden wir uns fundamental von dem Rest der Banken in Deutschland.“ Die HCOB zeige, dass es auch möglich sei, in Deutschland „vernünftige“ Eigenkapitalrenditen zu erzielen.

Ermisch hob unter anderem die infolge gesunkener Refinanzierungskosten bei „recht stabilen“ Bruttomargen seit Ende 2018 auf 136 Basispunkte fast verdoppelte Nettozinsmarge hervor. Hier habe man noch „erkleckliches Potenzial“ bis ins Jahr 2023 hinein. Neben der Nettoauflösung von 22 (−94) Mill. Euro bei der Risikovorsorge trug im ersten Halbjahr auch die weiter reduzierte Kostenbasis zur Gewinnsteigerung bei.

Beim Verhältnis der Kosten zum Ertrag sieht sich die Bank mit einer Quote von 45% nach dem ersten Halbjahr kurz davor, den für „die maximale Effizienz“ angestrebten Korridor von 40 bis 42% zu erreichen. Die zum 30. Juni auf 947 (Ende 2020: 1222) gesunkene Zahl der Vollzeitarbeitskräfte soll bis 2022 auf rund 800 schrumpfen – weniger stark als zuvor in Aussicht gestellt. Bankchef Ermisch erklärte, man investiere wieder in Geschäfte, in denen zusätzliches Wachstum möglich sei – wie stark, das diktiere die Cost-Income-Ratio.

HCOB
Konzernzahlen nach IFRS
1. Halbjahr
in Mill. Euro20212020
Zinsüberschuss269351
Fair-Value-Ergebnis28−149
Gesamtertrag338280
Risikovorsorge22−94
Verwaltungsaufwand153181
Sonst. betriebl. Ergebnis5100
Ergebnis vor Steuern16871
Konzernergebnis1944
Aufwand-Ertrag-Rel. (%)45421
Eigenkapitalrendite (%)219,84,33
Bilanzsumme (Mrd.)31,633,8
Kernkapitalquote (%)29,627,03
Beschäftigtenzahl94711223
1) zum 31.12.2020, Wert inklusive Sondereffekten wie Veräußerungsgewinnen aus Immobilien; 2) Rendite nach Steuern auf investiertes Kapital in Höhe von 13% CET1-Quote; Rendite nach Steuern auf Basis des bilanziellen, durchschnittlichen Kapitals gem. IFRS bei 8,7% zum 30.6.2021 und 2,3% zum 31.12.2020; 3) zum 31.12.2020 Börsen-Zeitung
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