Hauptversammlung

Bayer-Aktionäre machen ihrem Unmut Luft

Miese Stimmung: Die Aktionäre von Bayer haben die Hauptversammlung genutzt, um ihrem Unmut Luft zu machen. Von deutschen Fondsgesellschaften gab es viel Kritik.

Bayer-Aktionäre machen ihrem Unmut Luft

Bayer-Aktionäre machen ihrem Unmut Luft

Aktionärsaktivist Ubben mit großer Mehrheit gewählt – Vergütungsbericht bleibt Schwachstelle

Hoch hergegangen ist es auf der Hauptversammlung von Bayer, auch wenn die Verwaltung am Ende alle Tagesordnungspunkte durchbekam. In den Redebeiträgen machten die Aktionäre ihrem Ärger Luft. Aktionärsaktivist Jeffrey Ubben wurde mit 98,3% der Stimmen in den Aufsichtsrat gewählt.

ab Düsseldorf

Drastische Dividendenkürzung, operative Probleme und nicht enden wollende Rechtsstreitigkeiten in den USA – die Voraussetzungen für eine harmonische Hauptversammlung bei Bayer waren schlicht nicht vorhanden. Die Aktionäre machten vor diesem Hintergrund umfangreich von ihrem Rederecht Gebrauch. Auch die Vertreter der deutschen Fondsgesellschaften sparten nicht mit Kritik. Aus dem Kreis der Kleinaktionäre kam gegen 15 Uhr sogar ein Antrag zur Abwahl des Versammlungsleiters und Aufsichtsratsvorsitzenden Norbert Winkeljohann. Dieser wurde jedoch mehrheitlich abgelehnt.

Dabei versuchte es Bill Anderson in seiner ersten Hauptversammlung als Vorstandschef zunächst mit einer Charmeoffensive. Die ersten Minuten seiner Rede hielt er auf Deutsch, um dann zu kokettieren: „Die deutsche Sprache ist meine persönliche Baustelle.“ Ansonsten enthielt sein Vortrag wenig Neues. Die vier Baustellen Bayers – Patentabläufe in der Pharma, Rechtsfälle in den USA, hohe Verschuldung und überbordende Bürokratie – hatte Anderson schon mehrfach benannt, ebenso wie die Tatsache, dass sich die Probleme nicht innerhalb eines Jahres beseitigen ließen. „Aber ich bin überzeugt, dass es einen Weg gibt, die Wende bei Bayer zu schaffen“, sagte der Manager.

Bayer-Chef Anderson in der Kritik

Punkten ließ sich damit bei den Aktionären allerdings nicht. Das eingeleitete Restrukturierungsprogramm Dynamic Shared Ownership sei „eher Selbstbeschäftigung als Problemlösung“, monierte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka. Anderson habe es versäumt, den Kapitalmarkt von seiner Strategie zu überzeugen. Bestes Beispiel dafür sei der Kapitalmarkttag gewesen, der „ohne konkrete Verkündungen“ vorüberging und letztlich der Aktie einen Tagesverlust von mehr als 7% beschert hatte. „Nach zehn Monaten im Amt hätten wir uns mehr gewünscht“, sagte Speich.

Deka stimmt gegen Ubben

Vor diesem Hintergrund kündigte der Fondsmanager an, dem Vorstand in seiner Gesamtheit die Entlastung zu verweigern. Eine Einzelentlastung war nicht vorgesehen. Das Gremium wurde letztlich mit 91,7% entlastet. Als einziger Fondsvertreter stellte sich Speich auch offen gegen die Wahl von Aktionärsaktivist Jeffrey Ubben in den Aufsichtsrat. Ubben bringe zwar viel Kapitalmarkterfahrung mit, doch sei seine Agenda intransparent, begründete Speich. Der Fondsmanager hatte sich zu Beginn der Veranstaltung kurz vorgestellt und betont, an die Qualität der drei Geschäfte zu glauben. „Bayer passt perfekt zu mir“, warb Ubben um seine Wahl in das Kontrollgremium.

Hendrik Schmidt, Corporate-Governance-Experte von DWS, und Janne Werning, Leiter ESG Capital Markets & Stewardship von Union Investment, sprachen sich dagegen für die Wahl Ubbens aus. „Wir hoffen, dass auch wir als Aktionäre langfristig von seiner Kapitalmarktexpertise profitieren“, begründete Schmidt. Am Ende wurde der Fondsmanager mit 98,3% der Stimmen in den Aufsichtsrat gewählt.

Aktienrückkauf kommt nicht gut an

Wenngleich es auch Kritik an dem Antrag zum Rückkauf eigener Aktien gab, wurde der Tagesordnungspunkt mit 96,6% akzeptiert. Wie Finanzvorstand Wolfgang Nickl ausführte, sei der Kauf eigener Aktien ausschließlich zur Bedienung der Mitarbeiteraktienprogramme vorgesehen. „Weitere Verwendungsabsichten bestehen nicht.“ Werning votierte aus formalen Gründen dagegen, sagte aber auch: „Bevor man über Aktienrückkäufe nachdenkt, muss man erst mal wieder in der Lage sein, eine Dividende über dem gesetzlichen Minimum auszuschütten.“ Die Dividendenkürzung selbst wurde dagegen weithin begrüßt.

Die Anregung, die Aktionäre künftig auch über die Klimastrategie (Say-on-Climate) abstimmen zu lassen, werde Bayer in Erwägung ziehen, kündigte Anderson an. Der dafür erforderliche Climate-Transition-Plan soll im Juni veröffentlicht werden. Probleme haben die Aktionäre weiterhin mit dem Vergütungsbericht, der nur mit 74,4% der Stimmen bei hoher Enthaltung gebilligt wurde. Das neue Vergütungssystem wurde dagegen mit 93,2% der Stimmen abgesegnet.

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