Kostenkontrolle

US-Banken verordnen sich aggressiven Personalabbau

Wells Fargo stellt im vierten Quartal unerwartet hohe Mittel für Abfindungen zurück. Der Consumer-Banking-Riese ist nicht die einzige US-Großbank, die sich angesichts steigender Zinskosten und Kreditausfälle umfangreiche Entlassungen verschreibt.

US-Banken verordnen sich aggressiven Personalabbau

US-Banken verordnen sich aggressiven Personalabbau

Wells Fargo bildet unerwartet hohen Abfindungen – Citigroup-Umbau könnte bis zu zehn Prozent der Belegschaft den Job kosten

Wells Fargo stellt im vierten Quartal laut CEO Charlie Scharf unerwartet hohe Mittel für Abfindungen zurück. Der Privatkunden-Riese ist nicht die einzige US-Großbank, die sich angesichts steigender Zinskosten und drohender Kreditausfälle eine umfangreiche Kürzung der Belegschaft verschreibt.

xaw New York

Amerikas Großbanken sind nach dem Einstellungsboom der Coronajahre aufgebläht – und verordnen sich nun eine aggressive Diät. Das viertgrößte US-Geldhaus Wells Fargo will zu überraschend hohen Summen greifen, um die Personaldecke zu senken. "Uns stehen ungefähr 750 Mill. bis etwas weniger als 1 Mrd. Dollar an Abfindungskosten im vierten Quartal bevor, mit denen wir nicht gerechnet haben", sagte CEO Charlie Scharf bei einer Finanzdienstleistungskonferenz der Investmentbank Goldman Sachs in New York.

Wells Fargo fokussiere sich auf eine höhere Effizienz. Bei den im Schlussviertel 2023 zu Buche schlagenden Kosten handelt es sich laut Banksprechern um Rückstellungen für Entlassungen, die im Jahresverlauf 2024 folgen sollen. Das Ausmaß der Kürzungen gab das Finanzinstitut noch nicht bekannt. Allerdings gehörte Wells Fargo infolge einer Eintrübung im Hypothekengeschäft bereits 2023 zu den Geldhäusern mit dem weitreichendsten Personalabbau. Bis Ende des dritten Quartals strich die Bank 11.300 Jobs, die Belegschaft schrumpfte gegenüber Dezember 2022 damit um 4,7%.

Wells-Fargo-CEO Charlie Scharf ist intern auch als "Kettensägen-Charlie" bekannt. Foto: Lev Radin/Pacific Press.

Im gleichen Zeitraum sank nur die Personaldecke bei Goldman mit einem Rückgang um 5,4% stärker. Doch selbst dieser Abbau fällt nach Ansicht von Analysten zu niedrig aus, um Belastungen durch steigende Zinsaufwendungen und Kreditausfälle auszugleichen. Für die anderen Institute der Spitzengruppe – abseits von Branchenprimus J.P. Morgan, der die Belegschaft nach einem Ausbau des Filialnetzwerks und der Notübernahme der kollabierten First Republic Bank sogar ausgeweitet hat – gilt dies umso mehr.

Morgan Stanley mit Nachholbedarf

"Der Personalabbau fällt außergewöhnlich niedrig aus", betonte Morgan-Stanley-CEO James Gorman im Oktober. Sein Institut kürzte die Belegschaft angesichts einer nur langsamen Erholung im Investment Banking in den ersten neun Monaten 2023 um 2,1% und damit immerhin stärker als Bank of America oder Citigroup – Letztere verfügte Ende September unverändert über 240.000 Mitarbeiter.

Doch auch die einst "globalste Bank der Welt" hat im November mit Entlassungen begonnen. Zunächst sollen Hunderte Mitarbeiter Citigroup verlassen. Dem dürften sich laut Branchenkennern aber weitere Runden anschließen. Beschäftigte spekulieren über Kürzungen der Belegschaft um 10% bis Ende des ersten Quartals 2024.

Vorstandschefin Jane Fraser will Citigroup radikal verschlanken. Foto: Vernon Yuen/NurPhoto.

Vorstandschefin Jane Fraser verringert im Rahmen einer Strategiewende nicht nur die Präsenz ihres Geldhauses im internationalen Consumer Banking. Sie will auch die US-Gesellschaft verschlanken und teilte im September mit, die Aufteilung von Citigroup in eine Division für institutionelle und eine für Privatkunden abzuschaffen. Das alte Konstrukt mit zwei parallelen Managementstrukturen kritisierten Investoren als unnötig komplex.

Die Einsparungen aus der Reorganisation sollen die Eigenkapitalrendite stützen. Citigroup, die im vierten Quartal mit einem Einbruch der Trading-Erlöse rechnet, sucht die Anlegernerven zudem mit Aktienrückkäufen zu beruhigen. Deren Volumen soll im Schlussviertel 500 Mill. Dollar betragen. Die Citigroup-Aktie liegt seit Ende Oktober im Aufwind, aber immer noch nur knapp über den zur Finanzkrise 2008 erreichten Niveaus.

Mit Goldman versucht ein weiteres führendes Geldhaus, sein Image am Kapitalmarkt durch einen Umbau aufzupolieren. Die New Yorker dampfen ihre Privatkunden-Ambitionen seit Oktober 2022 ein und rücken die Vermögensverwaltung in den Fokus. Die Zusammenlegung des Asset- und Wealth- Managements schuf laut Insidern allerdings Redundanzen. Und trotz Entlassungen legten die Gehaltskosten bei Goldman in den ersten neun Monaten zum Vorjahr um 5% zu.

"Chainsaw Charlie" sägt los

Bei Goldman sollen die Investmentbanker bisher größtenteils von Entlassungen verschont geblieben sein – bei Wells Fargo sollen laut CFO Mike Santomassimo nur "sehr wenige Teile des Konzerns" ausgenommen sein. Der als "Chainsaw Charlie" bekannte Scharf will die Mitarbeiter zudem an den Hauptbürostandorten der Bank konzentrieren. Vor Amtsantritt des CEO 2019 hatten sich die Beschäftigten in den USA verteilt. Wer nun nicht umziehen will, den dürfte "Chainsaw Charlie" laut Insidern bald absägen.

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