KommentarThyssenkrupp Steel

Ein Anfang ist gemacht

Ein Anfang ist gemacht: Thyssenkrupp holt sich mit EP Corporate Group, einer Gesellschaft des Milliardärs Daniel Křetínský, einen Partner ins Kapital der Stahlsparte. Damit folgen den Jahren des Debattierens erstmals Taten.

Ein Anfang ist gemacht

Thyssenkrupp

Ein Anfang ist gemacht

Von Annette Becker

Thyssenkrupp hat den Startschuss für den Einstieg in den Ausstieg aus dem Stahlgeschäft abgefeuert. Endlich, muss man wohl hinzufügen. Denn das volatile Stahlgeschäft hat dem Mischkonzern nicht nur so manches Geschäftsjahr verhagelt. Zugleich eilt dem energieintensiven Geschäft der wenig rühmliche Ruf des Geldverbrenners voraus. Vorerst wird sich daran zwar nichts ändern, doch kommt zumindest Bewegung in die Strukturdebatte.

Über die Verselbständigung der Sparte wird seit Jahr und Tag diskutiert – passiert ist jedoch wenig. Mal war es die EU-Kommission, die der Fusion mit Tata Steel einen Strich durch die Rechnung machte, mal die Corona-Pandemie, die alle Managementkräfte zur Bewältigung der akuten Krise gebunden hat. Der Verkauf der Stahlsparte an die britische Liberty Steel kam nicht zustande. Glücklicherweise, wie man heute weiß. Ernsthafte Kaufinteressenten ließen sich dagegen nicht finden.

Attraktive Einstiegskonditionen

Nun tritt mit der EP Corporate Group (EPCG) des tschechischen Milliardärs Daniel Křetínský ein Investor auf den Plan, über dessen Beweggründe sich nur rätseln lässt. Die Rede ist von einer Energiepartnerschaft, in der sich Thyssenkrupp Zugang zu Grünstrom und Wasserstoff sichert. Keine Frage, beide sind entscheidend in der klimaneutralen Stahlproduktion. Einer Kapitalverflechtung bedarf es zur Absicherung jedoch nicht. Es lässt sich nur mutmaßen, dass EPCG attraktive Einstiegskonditionen ausgehandelt hat. Über die finanziellen Details der Transaktion schweigen sich die Parteien aus.

Im ersten Schritt beteiligt sich EPCG mit 20%. Ziel ist ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem beide Seiten je 50% halten. Dass die Zeit für den Einstieg jetzt drängte, liegt daran, dass unter Hochdruck an der strukturellen Neuaufstellung der Stahlsparte gearbeitet wird. Erste Grundzüge hatte Thyssenkrupp Steel vor zwei Wochen vorgelegt. Da EPCG in jedem Fall an der konkreten Ausgestaltung mitwirken wollte, mussten jetzt Nägel mit Köpfen gemacht werden. Dieser Punkt geht also klar an Thyssen-Chef Miguel Lopez, der seinen Worten Taten folgen lässt.

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