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Redaktion

Geld oder Brief
Von Christoph Ruhkamp, Düsseldorf

Seit Anfang 2005 hat sich der Börsenwert von ThyssenKrupp verdoppelt auf 20 Mrd. Euro. Grund ist nicht allein der globale Boom der Stahlbranche. In der ersten Hälfte des Zeitraums trugen vielmehr Übernahmegerüchte zum Kursanstieg bei. Auslöser dafür war die feindliche Übernahme Arcelors durch Mittal Steel im Juni 2006. Als möglicher Fusionspartner für ThyssenKrupp wurde danach neben anderen Adressen immer wieder der koreanische Stahlriese Posco genannt. Erst die Hauptversammlung 2007 setzte den Spekulationen endgültig ein Ende.

Die Krupp-Stiftung erhöhte ihren Anteil auf eine Sperrminorität von 25,1 % und ließ sich ein Entsendungsrecht für drei Mitglieder des 20-köpfigen Aufsichtsrats einräumen. Neben Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und Clifford-Chance-Rechtsanwalt Kersten von Schenck vertritt dort ab Januar 2008 auch der scheidende Henkel-Chef Ulrich Lehner die Interessen der Stiftung, deren Zweck die Wahrung der Einheit des Unternehmens ist. Zusammen mit den 5 % eigenen Aktien und dem 3 %-Anteil der Thyssen-Stiftung ist der Konzern vor Angreifern bestens geschützt.

Kein "ewiger Frühling"

Das Potenzial für einen Kursanstieg muss also künftig allein aus dem operativen Geschäft kommen. Das lief seit 2002 außerordentlich gut. Fünf Jahre lang steigerte sich das Unternehmen - bis zum Rekord im Geschäftsjahr 2006/07: Einen Gewinn vor Steuern und Sondereffekten von 3,8 Mrd. Euro konnte Vorstandschef Ekkehard Schulz in dieser Woche mit Stolz präsentieren. Doch der 66-Jährige misstraut der historischen Sonderkonjunktur für die traditionell zyklische Stahlbranche, in der er seit 35 Jahren arbeitet. An einen "ewigen Frühling" für die wichtigste Sparte des Industriegüterkonzerns glaube er nicht, hatte Schulz schon vor einigen Monaten gewarnt. Deshalb wolle er die Aufstellung ThyssenKrupps als Konglomerat mit vielen Sparten beibehalten - trotz der Kritik vieler Investmentbanken, die eine Zerschlagung fordern -, um für den Fall eines Abschwungs im Stahlsektor gerüstet zu sein.

Von einem Abschwung beim Stahl kann zwar noch keine Rede sein. Aber die Branchenkonjunktur beginnt doch bereits, sich abzukühlen. Dementsprechend vorsichtig fiel die Prognose des Vorstandschefs für 2007/08 aus: Der Gewinn vor Steuern und Sondereffekten soll "nur" bei mehr als 3 Mrd. Euro liegen. Gründe für die Vorsicht sind die Anlaufkosten für die beiden jeweils 3 Mrd. Euro teuren neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA sowie der Preisverfall beim Edelstahl infolge der Verbilligung des Legierungsmetalls Nickel. Hinzu kommen die Unsicherheiten über zunehmende Billigimporte aus China und die drohende Verteuerung von Eisenerz. Beides ist nicht unbedeutend: Die Fernost-Importe von nicht rostenden kaltgewalzten Blechen sowie von feuerveredelten Blechen, wie sie in der Autoindustrie zum Einsatz kommen, verdoppeln sich dieses Jahr auf ein Volumen von 1 Mrd. Euro - über 6 % des EU-Marktes.

Beim Eisenerz erwartet Weltmarktführer ArcelorMittal 2008 einen Preisanstieg um bis zu 35 %. ThyssenKrupp verfügt - anders als ArcelorMittal - über keine eigenen Eisenerzminen und ist deshalb darauf angewiesen, Rohstoffverteuerungen über erhöhte Preise an die Kunden weiterzureichen. Gelingt dies nicht, verschlechtert sich die Marge. 2007/08 wird dies allerdings noch nicht voll durchschlagen: Zum einen beginnen die Preisverhandlungen mit den Erzlieferanten frühestens im Januar und werden erst zur Jahresmitte 2008 wirksam. Zum anderen verfügt ThyssenKrupp noch für weitere zwei Monate über Erzvorräte. Auch die leichte Abschwächung der Nachfrage wirkt sich nicht sofort auf die Preise aus, da der Konzern überwiegend über langfristige Lieferverträge verfügt. Beim Qualitätsflachstahl für die Autoindustrie liegt deren Anteil bei 60 %.

Jedenfalls muss das, was künftig in der Stahlsparte an Gewinn fehlt, nun in den anderen Sparten des weitläufigen Konglomerats verdient werden. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Das Produktportfolio erstreckt sich von Aufzügen und Autozulieferung über Industrieanlagen und mechanische Komponenten für Windräder bis hin zum Schnellzug Transrapid und U-Booten sowie Werkstoffdienstleistungen für die Luftfahrtindustrie. Größere Gefahren drohen in keiner dieser Sparten. Die verbleibenden Restrukturierungsaufwendungen für die schwächelnde Autozuliefersparte dürften durch Gewinne aus dem Verkauf der Lenkwellen-Tochter Presta Steering, der in Kürze über die Bühne gehen soll, kompensiert werden.

Konglomeratsausgleich

Keine der vielen Sparten allein kann die Abkühlung beim Stahl auffangen, alle zusammen vielleicht doch. Große Hoffnungen setzt ThyssenKrupp auf Asien. Dem Risiko eines Nachfragerückgangs in den angestammten Märkten der Technologiesparte wirkt der Konzern mit dem Aufbau von Produktionskapazitäten in Indien und China entgegen. Dazu zählt etwa die geplante Errichtung eines eigenen Kurbelwellenwerks in China. Der Umsatzanteil des Landes soll in wenigen Jahren von 1,6 Mrd. auf 5 Mrd. Euro bzw. 10 % wachsen.

Durch Investitionen von konzernweit 20 Mrd. Euro, die zur Hälfte in die Stahlsparte fließen und bereits zu einem Viertel umgesetzt sind, will Schulz das Vorsteuerergebnis vor Sondereffekten auf 4 Mrd. Euro hochtreiben. Der Umsatz soll bis dahin um 20 % auf 60 Mrd. Euro zulegen.

Mit Spannung wird erwartet, ob Schulz das angepeilte Rekordergebnis dann auch noch selber vorstellen wird. Der Vertrag des "großen Alten", der seit der Fusion von Thyssen und Krupp vor acht Jahren an der Spitze des Konzerns steht, läuft Ende Januar 2009 aus. Dass er dann aufhört, ist aber keineswegs sicher. Wenn der Aufsichtsrat ihn um eine Verlängerung bitte, werde er "eine Nacht darüber schlafen", sagt Schulz.

Börsen-Zeitung, 07.12.2007, Autor Christoph Ruhkamp, Düsseldorf , Nummer 236, Seite 17, 802 Wörter

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