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Geld oder Brief
Von Gerhard Bläske, Paris

Seit die börsennotierte Investment-Gesellschaft Wendel zum Großaktionär von Saint-Gobain geworden ist, ging es nur bergab mit dem Aktienkurs des weltgrößten Baustoff-Konzerns. Da muss man sich schon fragen, ob der Zeitpunkt des Einstiegs nur schlechtes Timing war oder ob Wendel vielleicht sogar generell einen schlechten Riecher hatte. Die in mehreren Schritten auf 16,6 % (andere Angaben sprechen von 17,9 %) erhöhte Beteiligung ist statt einst 4,8 Mrd. Euro heute nur noch 3,6 Mrd. Euro wert. Der Kurs, der noch Mitte Juli 85,74 Euro erreichte und zum Zeitpunkt des Aktienkaufs von Wendel Ende September bei 73,09 Euro lag, ging am Mittwoch auf 50,85 Euro zurück und notierte am Donnerstag im Tagesverlauf kaum höher. Nur Spekulationen über einen möglichen Zusammenschluss mit dem anderen französischen Baustoff-Konzern Lafarge, der angeblich am Widerstand von dessen Großaktionär Albert Frère scheiterte, beflügelten die Aktien kurzzeitig.

Gespannte Beziehungen

Wendel verfolgt nach eigenen Angaben einen Investitionshorizont von fünf bis 15 Jahren. Bis dahin hat der Aktienkurs durchaus gute Chancen, sich wieder zu erholen. In der Zwischenzeit versuchen der Großaktionär und die Geschäftsführung des Unternehmens, ihre mehr als gespannten Beziehungen zu verbessern. Wendel will drei Vertreter in den Verwaltungsrat schicken, fordert die Einrichtung eines strategischen Komitees und will die Beteiligung ausbauen. Bei Saint-Gobain hat man Verständnis dafür, erhebt aber umgekehrt auch Forderungen. Der Anteilseigner soll im Fall eines Rückzugs aus dem Verwaltungsrat einen sechsmonatigen Nicht-Angriffspakt akzeptieren und außerdem auf die doppelten Stimmrechte verzichten, die jeder Aktionär nach zwei Jahren erhält. Andernfalls würde Wendel nach Ablauf dieser Frist praktisch automatisch die Kontrolle des Unternehmens zufallen, was die Geschäftsführung verhindern will. Speziell dieser Punkt dürfte für Wendel schwer zu akzeptieren sein. Es finden Gespräche statt, doch eine Einigung hat es noch nicht gegeben.

Stabile Beziehungen auf der Aktionärsseite sind wichtig - gerade in einer Zeit, in der sich ein Baukonzern konjunkturell bedingt Sorgen machen muss und für 2008 nur mit einem moderaten Umsatz- und Ertragswachstum rechnet, nachdem die Erlöse im vergangenen Jahr um 4,4 % auf 43,4 Mrd. Euro gewachsen sind. Der Nettogewinn wäre ohne eine Rückstellung von 694 Mill. Euro wegen einer möglichen Kartellstrafe deutlich gestiegen.

An Versailles mitgebaut

Das vor rund 300 Jahren unter Jean-Baptiste Colbert, Finanzminister von Ludwig XIV, gegründete Unternehmen, das unter anderem am Bau des Spiegelsaals von Versailles beteiligt war, hat in den letzten Jahren einen tiefgreifenden Wandel erlebt. Unter dem langjährigen Unternehmenschef Jean-Louis Beffa trennte sich die Gruppe unter anderem von den Versorger- und Kraftwerks-Aktivitäten sowie dem Holzgeschäft. Mit zahlreichen Übernahmen, unter anderem des britischen Gipsherstellers BPB und des von Heidelberg Cement erworbenen Trockenmörtel-Produzenten Maxit, baute Saint-Gobain dagegen eine starke Position im Markt für Wärmedämmung von Gebäuden sowie in der Distribution von Baumaterialien aus. Regional sind die Geschäfte gut aufgeteilt - die Abhängigkeit von den USA, die 13 % zum Umsatz beisteuern, nahm ab. Allerdings kosteten die Akquisitionen viel Geld und trieben die Verschuldung auf 3,3 Mrd. Euro.

Weltweite Führungsposition

Analysten beurteilen die Aussichten des Unternehmens mittel- bis langfristig als durchaus gut, weil das Unternehmen vom zunehmenden Trend zu energieeffizienterem Bauen profitiere sowie eine weltweite Führungsposition innehabe. Als kritisch wertet jedoch ein Analyst von Independent Research den starken Wettbewerbsdruck, die Abhängigkeit von Konjunkturzyklen in einer Zeit, in der die US-Baukrise auf Europa überzugreifen drohe, sowie die Verschuldungssituation. Citigroup hat das Kursziel nicht zuletzt wegen des vorsichtigen Ausblicks des Unternehmens selbst um 15 auf 75 Euro reduziert, bleibt aber bei einer Kaufempfehlung. Die Société Générale hat nur eine leichte Korrektur nach unten (von 61 auf 59 Euro) vorgenommen und bestätigt ihr "Halten", sieht den Börsenwert "für eine so solide Gruppe" jedoch als unterbewertet an. Auch Credit Suisse und Morgan Stanley nahmen zuletzt wegen der eingetrübten Baukonjunkturaussichten ihre Kursziele zurück. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die meisten Analysten Saint-Gobain grundsätzlich positiv beurteilen. Von 13 befragten Analysten raten immerhin 12 zum Kauf und einer zu "Outperform", wobei das durchschnittliche Kursziel bei 76 Euro liegt.

Michael Betts von JPMorgan gehört zu den Optimisten. Auch er rechnet aber kurzfristig mit einem verlangsamten Wachstum und fragt sich, ob Europa in eine Rezession kommt. Er spricht sich dafür aus, die Restrukturierung im Konzern zu beschleunigen und die Kosten zu reduzieren. Wie viele seiner Kollegen plädiert er für einen raschen Verkauf des Verpackungsgeschäfts, das Saint-Gobain seit längerem abgeben will. Betts meint, das Unternehmen solle in seiner strategischen Neuausrichtung weiter gehen. Er sieht aber prinzipiell Kurssteigerungspotenzial und hält an einem Kursziel von 92 Euro fest.

"Fehlende Transparenz"

Einzelne Beobachter, etwa die UBS, kritisieren auch eine fehlende Transparenz, was den künftigen Kurs des seit 2007 amtierenden Konzernchefs Pierre-André de Chalendar anbetrifft. Vielleicht hat er ja nach Klärung des Verhältnisses zum Großaktionär Wendel einen klareren Kopf, um den Analysten deutlichere Hinweise über seinen künftigen geschäftlichen Kurs geben zu können.


Börsen-Zeitung, 15.02.2008, Autor Gerhard Bläske, Paris , Nummer 32, Seite 17, 781 Wörter

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