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Redaktion

Geld oder Brief
Von Ulli Gericke, Berlin

Solch einen Großaktionär wünscht sich kein Vorstand irgendwo auf der Welt. Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres geht der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin der Eigentümer von fast 20 % des Grundkapitals unter recht dubiosen Umständen von Bord - und keiner weiß, wohin das gewichtige Aktienpaket verschoben wurde. Klar ist nur, dass die gesetzliche Frist, bis zu der sich der neue Eigner hätte "outen" müssen, seit Tagen überschritten ist. Es sei denn, der frühere Besitzer, der russischstämmige US-Investor Len Blawatnik, hätte bei seinem Notverkauf das Aktienpaket in kleinste Päckchen von unter 3 % aufgeteilt, womit die neuen Eigner keiner Meldepflicht unterliegen.

Das jedoch scheint allen Beobachtern arg unwahrscheinlich, hätte Blawatnik damit doch auf den ansonsten zu erzielenden Paketzuschlag verzichtet. Wahrscheinlich ist vielmehr, dass der Investor, dessen Chemiekonzern LyondellBasell vor wenigen Tagen Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragen musste, sein Air-Berlin-Paket an ein Investmenthaus gegeben hat mit dem Auftrag, die Anteile bestmöglichst zu verkaufen. Und dort liegen sie nun - ohne dass sich irgendjemand dafür verantwortlich fühlt, der Verkaufs-Mitteilung von Blawatnik eine Kauf-Meldung des neuen Besitzers folgen zu lassen. "Das ist schon strange - auf deutsch gesagt", wundert sich denn auch Jürgen Pieper, der Verkehrsanalyst vom Bankhaus Metzler.

Kein strategischer Partner

Klar ist damit allerdings auch, dass dem schillernden ersten Investor, dem einstigen "Wunderkind" Lars Windhorst, der das Aktienpaket Anfang 2007 zusammengekauft hatte, und dem zweiten Anleger Blawatnik wohl wieder ein Finanzinvestor folgen dürfte - während der Air-Berlin-Vorstand einen seriösen strategischen Käufer vorgezogen hätte, mit dem zusammen neue Märkte erobert werden könnten. Denn die Zeiten, in denen die Berliner alleine expandieren konnten, sind vorbei - statt dessen ist Schrumpfen angesagt.

Was bei anderen Unternehmen aber negativ gewertet würde, wird bei Air Berlin geschätzt: "Ziemlich beeindruckt" zeigt sich etwa Unicredit-Analyst Uwe Weinreich von der operativen Entwicklung in jüngster Zeit. Commerzbank-Kollege Johannes Braun nimmt die erfolgreiche "Yield"-Verbesserung sogar zum Anlass, das Kursziel um 1 Euro auf 4,70 Euro anzuheben - womit die "Gelben" momentan eine Mittelposition einnehmen. Zwischen 2,80 Euro (Bankhaus Metzler) und 7,40 Euro (Sal. Oppenheim) lauten die Kursziele der Banken, meist versehen mit der Empfehlung "Hold".

So bescheiden diese Einstufungen auch sind, seit Sommer hat Air Berlin doch erheblich an Höhe gewonnen. Damals hatten die Analysten von Dresdner Kleinwort die "AB 1"-Aktie auf 0,00 Euro abgestuft, verbunden mit dem dringenden Rat, die Papiere zu verkaufen. Schließlich könne das Unternehmen wegen seiner hohen Verschuldung ein "Opfer" der stark gestiegenen Treibstoffpreise werden.

Für Air Berlin war dies wohl die schlimmste Zeit in ihrer immer turbulenten Geschichte: Die Kerosinpreise explodierten, die LTU-Integration zeigte ungeahnte Schwierigkeiten, zudem platzte die geplante Übernahme der Condor und zu guter Letzt wurden auch noch diverse neue Langstreckenverbindungen von den Kunden nicht angenommen. Nach Jahren rascher Expansion, in denen erst die DBA, dann der Ferienflieger LTU einverleibt wurden, sah sich das Management gezwungen, die Reißleine zu ziehen.

Seitdem sinken die Passagierzahlen - aber der Yield schnellt nach oben. Um fast 18 % verbesserten die Berliner ihren Erlös je Sitzplatzkilometer allein im Dezember, von 4,55 Cent im Vorjahr auf 5,35 Cent zu Jahresende 2008. Und diese Tendenz ist seit Monaten stabil, da unprofitable Strecken genauso aussortiert werden wie alte, spritfressende Flugzeuge. "Sehr respektabel", nennt Pieper denn auch das Ergebnis des dritten Quartals, in dem das operative Ergebnis von 70 auf knapp 90 Mill. Euro hochgedreht werden konnte - "Ehre, wem Ehre gebührt."

Noch deutlicher als in der Aktiennotierung zeigt sich die (begrenzte) Zuversicht auf die Überlebensfähigkeit von Air Berlin im Kurs der bis 2027 laufenden Wandelanleihe, die die Berliner im Frühjahr 2007 zur Finanzierung des LTU-Kaufs begeben hatten. Im Sommer war der Convertible bis auf 15 % des Ausgabekurses abgestürzt, erholte sich in zwischen aber wieder auf fast 40 %.

"Anderthalb blaue Augen"

In diesem Aufschwung spiegelt sich auch die Erwartung, dass Air Berlin im vergangenen Jahr tatsächlich ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erwirtschaftet hat, wie es der Vorstand angekündigt hatte. Für 2009 gehen die Prognosen der Marktbeobachter aber auseinander. Während die einen sogar einen kleinen zweistelligen Jahresüberschuss erwarten, sehen andere selbst beim operativen Ergebnis eine kleine rote Zahl. Gleichzeitig sollten die Berliner ihre vordem sehr problematische Verschuldung aber deutlich drücken können. Das zum Jahresultimo 2008 geschätzte Gearing von 110 % beurteilt Pieper zwar weiterhin als zu hoch, allerdings nicht mehr als gefährlich - weshalb die Gesellschaft "mit anderthalb blauen Augen" aus der Krise herausfliegen sollten.

Dass er den Wert gleichwohl mit "Sell" beurteilt, hat weniger mit Air Berlin, als mit seiner generellen Skepsis gegenüber der Branche zu tun. Mit dem rasanten Konjunkturabschwung komme auch der gesamte Tourismus, und mit ihm auch die Preise ins Rutschen - "das erwischt die Airlines voll".

Für die einen Marktbeobachter ist damit die Zeit der Mergers & Akquisitions in der Luftfahrtbranche (jenseits der derzeit verhandelten) vorbei, da die Airlines die damit verbundenen Liquiditätsbelastungen scheuen. Andere sehen Air Berlin unverändert als "Übernahme-Target" - zumal die Berliner an der Börse nicht einmal mehr 300 Mill. Euro wert sind und knapp ein Fünftel der Anteile scheinbar herrenlos um die Welt vagabundieren.

Börsen-Zeitung, 16.01.2009, Autor Ulli Gericke, Berlin , Nummer 10, Seite 17, 825 Wörter

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