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Redaktion


Geld oder Brief
Von Annette Becker, Düsseldorf

Der weltweite Konjunktureinbruch ist für die Chemieindustrie eine echte Herausforderung, denn so gewaltig und schnell kam der Nachfrageeinbruch wohl noch nie. Für die Leverkusener Lanxess wird die Rezession aber zugleich zur Bewährungsprobe für das Geschäftsmodell, denn in ihrer noch jungen Firmengeschichte sieht sich das Unternehmen erstmals einem zyklischen Abschwung gegenüber.

Als Spin-off aus dem Bayer-Konzern erblickte Lanxess am 31. Januar 2005 das Licht der Börse. Der erste Kurs wurde damals mit 15,75 Euro angeschrieben. Danach kannte der Aktienkurs über lange Zeit nur eine Richtung: bergauf. Das Allzeithoch von 43,50 Euro datiert auf den 18. Mai 2007.

Untermauert wurde dieser Höhenflug von den nach der Abspaltung von Bayer in Windeseile aufgelegten Restrukturierungsprogrammen und den umfangreichen Arbeiten am Portfolio. Lanxess, die beim Spin-off noch als Bayer-Resterampe verhöhnt wurde, trennte sich von einigen Geschäften, die in Summe einen Umsatz von grob gerechnet 1,4 Mrd. Euro repräsentierten. Insbesondere die Mitte 2007 beschlossene Trennung von Lustran Polymers wurde dabei als Quantensprung gefeiert, ist das Geschäft doch ausgesprochen zyklisch und kapitalintensiv.

Ernüchterung stellt sich ein

Ohne die Sanierungsleistungen des Managements unter Axel Heitmann schmälern zu wollen, muss man jedoch auch konstatieren, dass die Erfolgsstory Lanxess zu einem guten Teil auf der boomenden Chemiekonjunktur aufbaute, die in den vergangenen sieben Jahren für stetig wachsende Produktionszahlen sorgte.

Seit Herbst 2008 weicht dem Optimismus jedoch zunehmend Ernüchterung. Dabei kann Lanxess aufgrund der extrem kurzen Reaktionsgeschwindigkeit auf die aktuelle Nachfragelage als "Branchen-Thermometer" herangezogen werden. "Lanxess ist hervorragend aufgestellt, um den schwierigen Rahmenbedingungen zu begegnen", brüstete sich Heitmann Mitte August bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Einen Monat später wurde der eingeschlagene Wachstumskurs noch einmal bekräftigt. Danach riss der Faden. Mit der Vorlage des Berichts zum dritten Quartal Mitte November wechselte die Stimmungslage abrupt. Unter dem Stichwort "aktives Anlagenmanagement" wurden temporär und lokal begrenzte Sofortmaßnahmen eingeleitet. Im Dezember verfügten die Leverkusener eine Streckung des Investitionsplans. Ende Januar wurde ein globales Sparpaket auf die Schiene gesetzt.

Im Aktienkurs mündete dieser plötzliche Meinungsumschwung in einem rasanten Absturz. Ausgehend von 27 Euro Anfang September brach die Aktie bis Ende Oktober um etwa 60 % auf 11 Euro ein. Seither pendelt d er Kurs zwischen 11 und 14 Euro. Spiegelbildlich reduzierten die Analysten ihre Kursziele drastisch. Lag die Spannbreite im August noch zwischen 25 und 38 Euro, werden dem Wert heute nur noch 11 bis 24 Euro zugetraut. Dabei sollen noch längst nicht alle Analysten ihre Prognosekorrekturen veröffentlicht haben. Das eröffnet weiteres Abwärtspotenzial.

Zugleich vertrauen die Analysten jedoch darauf, dass der Worst Case bereits im Kurs enthalten ist. Auf der Verkaufsliste ist Lanxess folglich nirgends zu finden, vielmehr rangieren die Einstufungen zwischen "Neutral" und "Buy". Von den 41 Einstufungen der vergangenen sechs Monate kam es nur drei Mal zu einer Veränderung (zwei Herabstufungen, eine Hochstufung). Die breite Masse der Analysten passte lediglich das Kursziel an das veränderte Umfeld nach unten an.

Von Autoindustrie abhängig

Die größte Zuversicht versprüht HSBC Trinkaus. Auf Sicht von zwölf Monaten wird dem Chemiewert dort ein Kurspotenzial von 24 Euro zugetraut, gemessen am aktuellen Kurs entspricht das beinahe einer Verdoppelung. Begründet wird die Einschätzung mit den sanierungsbedingten Fortschritten im operativen Geschäft, die im Kurs nur unzureichend berücksichtigt seien. Zwar gehen auch Analysten anderer Banken davon aus, dass Lanxess heute besser aufgestellt ist als vor vier Jahren. Die gute Managementleistung der Vergangenheit reiche jedoch nicht, um positive Kursimpulse zu setzen.

Insbesondere die vergleichsweise hohe Abhängigkeit der Leverkusener von den Krisenbranchen Bau und Automobil lässt nichts Gutes erahnen. Wie aus einer Aufstellung von JPMorgan hervorgeht, erwirtschaftet Lanxess 36 % seiner Umsätze mit der Automobilindustrie und 9 % mit der Bauindustrie. Neben dem Reifengeschäft (24 %) beliefert Lanxess die Autohersteller z. B. auch mit Kautschukschläuchen, die unter anderem in Fensterdichtungen eingesetzt werden. 45 % der Umsätze entfallen somit auf Abnehmerbranchen, die 2009 nach Einschätzung von JPMorgan mit zweistelligen Wachstumsrückgängen konfrontiert sein werden. Vor diesem Hintergrund ist die Frage berechtigt, inwieweit Lanxess seine zum Margenschutz implementierte Preis-vor-Mengen-Strategie aufrechterhalten kann.

Niedrig bewertet

Von den 19 von JPMorgan untersuchten Chemiekonzernen werden nur fünf Werten - Clariant, K + S, Umicore, Wacker und Yara - schlechtere Wachstumsaussichten bescheinigt. Gleichwohl wird die Aktie auch bei JPMorgan mit

"Neutral" eingestuft, bei einem Kursziel von 12 Euro. Hintergrund dafür dürfte die niedrige Bewertung sein, denn mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 7 - basierend auf der Gewinnerwartung für 2010 - rangiert Lanxess nicht nur deutlich unter dem KGV des MDax, sondern auch deutlich unter dem KGV des CDax Chemie, das bei 9,4 liegt.

Ein Lichtblick ist, dass Lanxess bei den ersten Anzeichen einer konjunkturellen Erholung auch als einer der ersten Werte mit von der Partie sein dürfte. Einziges Manko dabei: Wie lange der Abschwung anhält, wagt derzeit niemand vorherzusagen. Damit liegt das Risiko bis auf weiteres in einer weiteren Abschwächung der Konjunktur.

Börsen-Zeitung, 13.02.2009, Autor Annette Becker, Düsseldorf , Nummer 30, Seite 17, 786 Wörter

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