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Redaktion

Geld oder Brief
Von Stephan Balling, Frankfurt

Die Sonne lässt sich zu dieser Jahreszeit nur kurz über Helsinki blicken. Und gerade verdunkeln auch noch dichte Wolken und ein wildes Schneetreiben das matte Tageslicht. Markus Rauramo, Chief Financial Officer (CFO) beim finnischen Holzunternehmen Stora Enso, blickt zum Fenster hinaus auf die unwirtliche Ostsee. "Die Wetterlage am Markt für Holzprodukte war schlimmer als der Schneesturm heute", sagt er. Die globale Wirtschaftskrise des Jahres 2008 traf Stora Enso mit voller Wucht. "So etwas wie das vierte Quartal hat niemand zuvor je erlebt", heißt es im Jahresbericht 2008. Das Unternehmen schrieb einen Nettoverlust von 679 Mill. Euro. Im Jahr 2007 betrug der Gewinn noch 12,8 Mill. Euro. Doch Stora Enso reagierte. 1 100 Arbeitsplätze wurden in den vergangenen Monaten abgebaut. 29 000 Menschen arbeiten derzeit für den Konzern. Auch die Kapazitäten wurden reduziert. Die operativen fixen Anlagegüter lagen im dritten Quartal 2009 bei 6 Mrd. Euro, ein Jahr zuvor waren es noch 8 Mrd. "Dank unserer Cost-Cutting-Strategie haben wir jetzt ein gutes Ergebnis", sagt Rauramo. In den Unternehmenszahlen zeigt sich das bisher aber noch nicht. Zwar konnte das Unternehmen einen Cash-flow nach Investitionen von 216 Mill. Euro aufweisen - das stärkste Quartal seit Ende 2006. Doch die Nettoverluste stiegen weiter, auf 520 Mill. Euro im dritten Quartal. Der CFO relativiert denn auch rasch seine Aussage: "Wir sind nicht so phänomenal gut." Rauramo verweist aber vor allem auf den schwachen Markt: "Wir haben in der Geschichte noch nie einen derartigen Einbruch der Nachfrage erlebt, der Rückgang ist dramatisch, deshalb werden die kommenden Jahre ein Spiel ums Überleben." Aber Rauramo verweist auch auf die Zukunftsausrichtung seines Unternehmens: "Wir haben in den vergangenen Jahren 300 Mill. Euro in Russland investiert, unsere Zukunft liegt in Asien, Russland und Amerika, dort, wo es eine wachsende Bevölkerung gibt."

Die Frage ist natürlich, ob die jungen Bevölkerungen dieser Länder tatsächlich Produkte nachfragen, von denen Stora Enso profitiert. Markus Rauramo zeigt Dan Browns jüngstes Werk "The Lost Symbol". Die deutsche Übersetzung führt die Spiegel-Bestseller-Liste an. Dem Buchmarkt geht es gut. Stora Enso profitiert: Das Unternehmen gehört mit 85 Produktionsstätten in 35 Ländern und einer Kapazität für 12,7 Mill. Tonnen an Papier- und Kartonprodukten noch immer zu den weltweit größten Forstunternehmen. Es produziert unter anderem Zeitungs-, Magazin- und Buchpapier sowie Verpackungsmaterialien.

Einstieg in die Bioenergie

Und Stora Enso versucht, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Etwa im Bereich Bioenergie. So liefert die Produktionsstätte Imatra Mills Wärme an eine Fischfarm, in der Störe für die Kaviarproduktion gezüchtet werden. Gemeinsam mit der finnischen Ölraffinerie Neste Oil entwickelt Stora Enso eine Biosprit-Raffinerie, in der aus Holz Brennstoffe für Kraftfahrzeuge entstehen sollen. "Aber die Produktion von Energie gehört nicht zu unserem Kerngeschäft", gesteht Markus Rauramo.

Doch sein Unternehmen versucht, auch in den klassischen Geschäftsfeldern Umweltschützer zufrieden zu stellen. "Wir treiben die Zertifizierung von Wäldern voran", lautet eine Überschrift im Jahresbericht 2008. Man arbeite mit den beiden Zertifizierungsorganisationen PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification) und FSC (Forest Stewardship Council) zusammen. Derzeit seien weniger als 10 % der globalen Wälder zertifiziert, bei Stora Enso seien es mehr als 63 %. Stora Enso sichert sich damit ein künftiges Geschäftsfeld. Nicht nur, dass Verbraucher immer sensibler werden und ökologische Produkte bevorzugen. Auch die Politik zurrt den Rahmen immer fester. Die Partei der Grünen fordert schon länger, dass in Deutschland nur noch Holz verkauft und verwendet werden darf, das nach den strengen FSC-Regeln zertifiziert ist. Am Mittwoch erneuerte die Fraktionsvorsitzende Renate Künast diese Forderung in der ARD-Sendung "Hart aber Fair".

Vesa Engdahl ist indes skeptisch, ob die Aktie von Stora Enso derzeit zu empfehlen ist. "Ich würde eher auf den Konkurrenten UPM setzen", sagt er der Börsen-Zeitung. Er ist Geschäftsführer bei FIM Asset Management in Helsinki. Engdahl betont die Vorteile von UPM: "Allein die Betriebsstätten haben einen Wert von 15 bis 16 Euro je Aktie", so der Vermögensverwalter. UPM notiert derzeit bei 8,57 Euro. Gerade hat das Unternehmen seinen Konkurrenten einen Schlag versetzt. Durch eine Selbstanzeige löste UPM einen Skandal aus, bei dem es um illegale Preisabsprachen der finnischen Holzindustrie in den Jahren 1997 bis 2004 geht. Am Montag verkündete das finnische Kartellamt ein Urteil, nach dem Stora Enso 30 Mill. Euro an Strafe zahlen muss, der Konkurrent Metsäliitto 21 Mill. Euro. UPM bleibt wegen der Selbstanzeige straffrei.

Die Aktie von Stora Enso geht derzeit für 5,15 Euro um. In der vergangenen Woche reduzierte Goldman Sachs das Kursziel von 9,23 auf 8,62 Euro, empfiehlt die Aktie aber weiter zum Kauf. Die Analysten der US-Bank erwarten, dass der Nettogewinn der Branche bis zum Jahr 2012 um 88 % steigt. "Stora Enso bleibt unsere erste Wahl", lautet das Urteil über die europäische Forstindustrie. "Die Firma nimmt derzeit ein deutliches Einsparprogramm in Höhe von 710 Mill. Euro vor - Firmenangaben zufolge sollen davon zwei Drittel erst nach dem dritten Quartal wirksam werden", heißt es in dem Bericht. "Kombiniert mit dem Hebel von Stora Enso bedeutet das bei einer Wende der Nachfrage nach Papier in Europa, dass wir ein Wachstum des Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern sowie Ab- und Zuschreibungen) von 67 % und des CROCI (Cash Return on Capital Investment) von 85 % in den kommenden drei Jahren vorhersagen", so die Analysten. Das, so schreiben sie weiter, liege deutlich über dem durchschnittlichen Wachstum der Branche von 30 % für beide Kennzahlen. Gleichzeitig verweist man bei Goldman Sachs auf eine verlockende Bewertung: "Die Aktie hat sich im Jahr 2009 um 55 % schlechter entwickelt als die Branche."

Gute Nachrichten verkündete Stora Enso bereits am 30. November: Ende des Jahres soll die Fabrik im finnischen Sunila wieder gestartet werden. Die Bedingungen am Markt für Papier-Zellstoff hätten sich verbessert, hieß es.

Börsen-Zeitung, 11.12.2009, Autor Stephan Balling, Frankfurt, Nummer 239, Seite 17, 925 Wörter

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