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Redaktion

Metallwarenfabrik und Börse Stuttgart verbindet eine lange, erfolgreiche gemeinsame Geschichte - Erste Notierung 1887 nachweisbar
Von Claudia Weippert-Stemmer

Die WMF ist seit 1880 eine Aktiengesellschaft und spätestens seit 1887 mit der Stuttgarter Börse verbunden - und damit die älteste heute noch bestehende Aktiengesellschaft zumindest in Baden-Württemberg. Sie ist das Ergebnis der Fusion zweier Metallwarenfabriken: des 1853 in Geislingen gegründeten Unternehmens Straub & Schweizer und der Firma Ritter & Co., die 1871 in Stuttgart gegründet wurde und seit 1872 ihren Sitz in Esslingen hatte.

Wie war es zu der Fusion der beiden Firmen und ihrer Neugründung als Aktiengesellschaft unter dem Namen Württembergische Metallwarenfabrik AG gekommen? Der Geislinger Müller Daniel Straub hatte bereits 1849/50 die Maschinenfabrik Geislingen gegründet, die aus einer Reparaturwerkstätte hervorging, die er im Zusammenhang mit dem Eisenbahnbau der Geislinger Steige eingerichtet hatte. Mit zwei Teilhabern, den Brüdern Louis und Friedrich Schweizer, gründete er nur wenige Jahre später sein zweites Industrieunternehmen Straub & Schweizer. Zunächst als reines Kupferwalzwerk geplant, ging man schnell über die ursprüngliche Konzeption hinaus und stellte ab 1853 silberplattierte Tafelgeräte her. Dabei werden Kupfer- und Silberplatten unter großer Hitzeeinwirkung miteinander verbunden, danach wird der Artikel geformt.

Fortbestand durch Fusion

Im Gegensatz dazu wendete das Esslinger Unternehmen Ritter & Co. bereits das moderne Verfahren der galvanischen Versilberung an. Die galvanische Versilberung bot größere Gestaltungsfreiheit und begann das Verfahren der Silberplattierung vom Markt zu verdrängen. Allerdings war bei Ritter & Co. die Kapitaldecke äußerst dünn, sodass bald Liquiditätsprobleme auftauchten. 1880 kam die Hausbank beider Unternehmen, die Württembergische Vereinsbank, zu dem Ergebnis, dass der Fortbestand der zwei Firmen nur durch eine Fusion gesichert werden könnte. So kam es am 23. Juni 1880 durch Gesellschaftsvertrag zur Gründung der Württembergischen Metallwarenfabrik AG, zwei Tage später erfolgte der Eintrag ins Handelsregister. In der Folge zog das Esslinger Unternehmen an den Geislinger Standort, denn hier auf dem großen Wiesengelände zwischen Geislingen und Altenstadt war Platz genug vorhanden für die Expansion.

Mehrheit geht an Siegle

Das Grundkapital betrug 1 Mill. Mark, zu rund drei Vierteln in den Händen der Württembergischen Vereinsbank. Der Rest verteilte sich auf "einen kleinen Kreis von Aktionären, der überwiegend dem Interessenkreis des Bankinstituts zuzuordnen ist", so Volker Hecht in seiner Arbeit "Die Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen/Steige 1853 bis 1945, Unternehmenspolitik und Geschäftsentwicklung" von 1995. Daniel Straub gab seinen Anteil von lediglich 50 000 Reichsmark nach zwei Jahren bereits ab. Zu den Aktionären gehörte auch Carl Hägele, früherer Teilhaber von Ritter & Co., der von nun an als Direktor das Unternehmen bis 1900 leitete.

Lange blieb die Vereinsbank nicht Mehrheitsaktionär. Schon spätestens zwei Jahre nach der Fusionierung ging die Mehrheit des Aktienkapitals auf Gustav Siegle über, Fabrikant, Politiker und Aufsichtsratsmitglied der Vereinsbank. 100 Jahre lang bleibt die Aktionärsstruktur der WMF nun konstant. Die Familie Siegle beziehungsweise die Erben der Familie halten die Aktienmehrheit bis zum Verkauf ihrer Anteile im Jahr 1980.

Schnelles Wachstum

Die erste Notierung der WMF-Aktien an der Stuttgarter Börse ist für den 9. September 1887 nachweisbar. Der Zeitpunkt muss im Zusammenhang mit der ersten Kapitalerhöhung im gleichen Jahr gesehen werden. Die Aufstockung des Grundkapitals um 500 000 Mark - also um 50 % - ist ein deutliches Indiz für das schnelle Wachstum des Unternehmens. Hatten die beiden Vorgängerbetriebe der WMF zum Zeitpunkt der Fusion jeweils etwa 200 Mitarbeiter, so wuchs die Zahl der Beschäftigten bis zum Ersten Weltkrieg nahezu ununterbrochen. Um 1900 war die WMF das größte Industrieunternehmen Württembergs, im Jahr 1912 standen allein in Geislingen 4 000 Mitarbeiter auf den Lohnlisten des Unternehmens, mit allen Niederlassungen, Zweigwerken und Beteiligungen waren es fast 6 000. Die Bilanzsumme stieg von 1,6 Mill. Mark im Jahr 1880 auf über 22 Mill. Mark im Jahr 1913.

Kaum Kredite beansprucht

Der Kapitalerhöhung im Jahr 1887 folgten bis zum Ersten Weltkrieg noch fünf weitere, sodass 1912 das Grundkapital eine Höhe von 6,75 Mill. Mark aufwies. Sie sind auf das Bestreben zurückzuführen, das Unternehmenswachstum im Wesentlichen aus Eigenmitteln zu finanzieren. Mit der Ausgabe neuer Aktien war es gelungen, während der entscheidenden Wachstumsphase des Unternehmens kaum Kredite beanspruchen zu müssen.

Die Form der Aktiengesellschaft bewährte sich im Falle der WMF als die geeignete Gesellschaftsform, um den hohen Kapitalbedarf bei schnellem Wachstum decken zu können. Der kontinuierlichen Unternehmensentwicklung kam dabei noch zugute, dass die WMF-Aktie zu keinem Zeitpunkt ein Spekulationspapier war. Der Streubesitz war zu jedem Zeitpunkt in der Unternehmensgeschichte sehr gering. Das Unternehmen war und ist bis heute bestrebt, durch Dividendenkontinuität Aktionäre zu langfristigem Engagement zu motivieren.

Ein erster Wechsel im Anteilsbesitz bahnt sich an, als die Siegle-Erben ihre Anteile verkaufen. Neuer Mehrheitsaktionär wird Rheinmetall, weiterer Großaktionär ist die Deutsche Bank. Der Erwerb der Aktienmehrheit durch Rheinmetall wird allerdings vom Kartellamt nicht genehmigt und schließlich in letzter Instanz vom Kammergericht Berlin bestätigt, sodass 1986 der Rechtsanwalt Wolfgang Schuppli aktiv wird und 78 % der Stammaktien erwirbt.

Wechsel im Anteilsbesitz

1994 gibt er die Mehrheit ab und verkauft einen Teil seines Aktienpakets an die Deutsche Bank, die Münchener Rück und Württembergische Versicherung, die jeweils 17 % des Stammkapitals halten. 2006 ziehen sich die Deutsche Bank und die beiden Versicherungen zurück und geben ihre Anteile geschlossen an die Crystal Capital GmbH aus der Schweiz, neben der die FIBA Beteiligungs- und Anlage GmbH aus Österreich durch Übernahme der restlichen Schuppli-Anteile weiterer Großaktionär wird. Somit sind aktuell 89 % der Stammaktien im Besitz zweier Gesellschaften, die restlichen 11 % sind Streubesitz.

Geringes Handelsvolumen

Alle diese Transfers wurden außerbörslich abgewickelt. Wegen des geringen Anteils von Streubesitz ist das Handelsvolumen der Stammaktien an den Börsenplätzen Stuttgart und Frankfurt relativ gering. Die Umsätze der Stammaktien an beiden Wertpapierbörsen beliefen sich 2009 auf insgesamt 2,2 Mill. Euro, die Umsätze der Vorzugsaktien lagen bei 14,6 Mill. Euro.

Aktuell ist das gezeichnete Kapital der WMF AG in Höhe von 35,8 Mill. Euro in rund 9,3 Millionen Stammaktien und 4,6 Millionen Vorzugsaktien eingeteilt. Im Jahr 1998 wurden im Hinblick auf die Einführung des Euro die Aktien in nennwertlose Stückaktien umgewandelt, außerdem wurde im Interesse der Kleinanleger ein Aktiensplit von 1:10 vorgenommen.

Seit diesem Zeitpunkt liegen die Aktien auch nicht mehr körperlich, auf Papier gedruckt vor. Das ersparte dem Unternehmen hohe Druckkosten, denn mit der Umstellung auf Euro, Aktiensplit und Umwandlung in nennwertlose Stückaktien wäre ein Neudruck in immensem Umfang notwendig geworden.

Die WMF AG und die Börse Stuttgart verbindet daher nicht nur die geografische Nähe, die beiden Organisationen blicken auch auf eine lange und erfolgreiche gemeinsame Geschichte zurück. Die Börse Stuttgart wird auch in Zukunft für die WMF ein wichtiger Partner als Handelsplatz bleiben.

Börsen-Zeitung, 26.02.2011, Autor Claudia Weippert-Stemmer, Nummer 40, Seite B 11, 1044 Wörter

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