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Redaktion

UNTERM STRICH

Frage: Was ist das Wesen des Bankgeschäfts? Antwort: Die Übernahme von Risiko. Frage: Was ist die Voraussetzung zur Übernahme von Risiko? Antwort: Ausreichend Eigenkapital, um Verluste tragen zu können. Zwei Fragen und zwei Antworten, die in ihrer Schlichtheit auf den Punkt bringen, weshalb die Bankenkrise auch im sechsten Jahr seit ihrem Ausbruch noch nicht bewältigt ist. Leider wird daran auch die jetzt erreichte Übereinkunft zur Umsetzung von Basel III in der europäischen Kapitalrichtlinie CRD IV nichts ändern (vgl. BZ vom 1. März).

Trügerische Risikomodelle

Selbst wenn die mit CRD IV von Banken geforderte Kernkapitalquote von 7 % über zusätzliche Kapitalpuffer auf gut das Doppelte wachsen sollte - wie bei grenzüberschreitend tätigen, systemrelevanten Banken - , ist dies nach den Erfahrungen der Krise und den davon ausgelösten volkswirtschaftlichen Schäden bei Weitem nicht ausreichend. Und dennoch glauben viele Bankenvorstände, Bankenlobbyisten und selbst Politiker immer noch, mit Eigenkapitalquoten im einstelligen oder knapp zweistelligen Prozentbereich über die Runden kommen zu können. Dabei würden gerade die Banken einem mittelständischen Unternehmen der Realwirtschaft mit einer so lausigen Eigenkapitalausstattung auch nicht einen Euro Kredit geben.

Bei sich selbst legen Banken andere Risikomaßstäbe an als bei ihren Kunden. Und das ist das Problem, denn Banken unterliegen der Kontrollillusion, die ihnen ihr eigenes Risikomanagement vorgaukelt. Doch die Scheinpräzision moderner Risikomodelle ist gefährlich, wie sich in der Finanzkrise gezeigt hat. Ob Hypo Real Estate in Deutschland oder UBS in der Schweiz, viel zu lange wiegten Indikatoren wie "Value at Risk" die Vorstände in Sicherheit, ehe diese Risikomesser plötzlich ausschlugen und Alarm auslösten. Das systemimmanente Risiko der Risikomodelle besteht ja darin, dass sie zwar historische Daten und Erfahrungen berücksichtigen, jede neue Krise aber erfahrungsgemäß keine Wiederholung der alten ist.

Deshalb ist auch ein Trennbankengesetz, das den vermeintlich gefährlichen Eigenhandel oder gar das gesamte Wertpapiergeschäft einer Bank als potenziellen Ansteckungsherd künftiger Krisen vom Einlagen- und Kreditgeschäft separiert, nur ein Placebo. Wer will denn wissen, an welchen Märkten, in welchen Geschäftsbereichen der Banken die nächste Krise entsteht? Könnte es nicht sein, dass sich die nächste Bankenkrise im klassischen Kreditgeschäft zusammenbraut, wenn sich die durch die Niedrigzinspolitik der Notenbanken verzerrten Märkte wieder "normalisieren"? Wenn dann bei etlichen Banken das Geschäftsmodell wegbricht und durch die internationale Vernetzung ein Dominoeffekt entsteht? Es gibt nur eine wirklich wirksame Prophylaxe gegen die nächste Bankenkrise, und die heißt: deutlich höhere Eigenkapitalquoten.

Dabei kommt es nicht nur darauf an, was die Risikomanager oder Stresstester als notwendig erachten, um bei bestimmten Szenarien bestehen zu können, sondern auch darauf, was von den Märkten als komfortabler Kapitalpuffer angesehen wird. Warum, so ist zu fragen, sollen ausgerechnet Banken mit teilweise sehr volatilen Assets nicht wenigstens eine ähnlich hohe Eigenkapitalausstattung haben wie Industrieunternehmen? Wenn sich große Industriekonzerne wie beispielsweise BASF, deren Assets unter Risikogesichtspunkten gut diversifiziert sind, Eigenkapitalquoten von rund 40 % "leisten", dann gewiss nicht, weil man dort von betriebswirtschaftlicher Optimierung der Kapitalstruktur noch nie gehört hat, sondern weil man um die Risiken weiß, denen ein global tätiges Unternehmen mit Verflechtungen zu vielen Lieferanten und Kunden ausgesetzt ist.

Warum sollten international operierende Universalbanken nicht Eigenkapitalquoten von 30 % vorzeigen müssen, um die Steuerzahler vor dem Bail-in zu schützen? Solche Eigenkapitalpuffer wären allemal glaubwürdigere Vorkehrungen als beispielsweise Bankentestamente. Denn das Kapital muss vor der Krise aufgebaut sein und wirkt allein schon durch die bloße Existenz einem möglichen Vertrauensverlust entgegen, während das Testament ja erst greift, wenn die Bank pleite ist. Und welcher Testamentsvollstrecker wird im Zeichen der Krise so agieren können wie zu Lebzeiten in den "living wills" vorgesehen?

Sicherheit vor Rendite

Der Aufbau von solch hohen Kapitalpuffern sei illusorisch, denn er werde eine Kreditklemme ungeahnten Ausmaßes auslösen, ist gelegentlich zu hören. Warum eigentlich? Wenn die Eigentümer der Banken ihre Institute neu kapitalisieren, sei es durch Ausschüttungsverzichte, sei es durch Kapitalerhöhungen, muss daraus keine Beeinträchtigung der Kreditvergabe entstehen. Die Fähigkeit zur Kreditvergabe nimmt mit steigender Eigenkapitalausstattung ja nicht ab, im Gegenteil. Vielmehr ist es eine Frage der Rentabilitätsziele der Bank und ihrer Gesellschafter. Wenn die Eigentümer der Banken nicht bereit sein sollten, solche Kapitalpuffer als Sicherheit zur Verfügung zu stellen, dann muss gefragt werden, warum der Steuerzahler dieses Risiko tragen soll. Wenn Banken das zusätzliche Eigenkapital nicht schaffen oder einwerben können, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Bank reduziert das Risiko ihrer Geschäfte auf das dem Eigenkapital angemessene Niveau, oder die Bank beendet ihre Geschäftstätigkeit.

Zugegeben: Die Rendite auf das Eigenkapital wird sinken. Das ist rechnerisch zwangsläufig, wenn der Hebel sich reduziert und Fremdkapital einen niedrigeren Verzinsungsanspruch hat als Eigenkapital. Aber wo liegt das Problem? Bei einer verbreiterten Eigenkapitalbasis muss das Eigenkapital ein geringeres Risiko tragen, also wird es sich auch mit einer geringeren Risikoprämie zufriedengeben (müssen). Und die Zeiten, da die Boni der Banker an hohe Eigenkapitalrenditen gekoppelt wurden, sind ohnedies vorbei. Diesen Leverage-Fetischismus zu beenden wäre neben dem Kapitalpuffer ein weiterer Gewinn für die Stabilitätskultur.

- c.doering@boersen-zeitung.de

Von Claus Döring ---

Basel III reicht nicht zur Krisenprävention. Banken sollten Eigenkapitalquoten wie in der Industrie vorhalten.

Börsen-Zeitung, 02.03.2013, Autor Claus Döring, Nummer 43, Seite 8, 808 Wörter

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