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Redaktion

Zusätzliche Sparte der luxemburgischen Fondsindustrie - Anleger für verantwortungsbewusstes Investieren sensibilisieren

Der Fondsverband Alfi (Association of the Luxembourg Fund Industry) möchte neben den klassischen OGAW und den alternativen Investmentfonds nachhaltige Investmentfonds zum dritten Standbein der luxemburgischen Fondsindustrie entwickeln. Das Wachstumspotenzial dieser Fondsgattung ist groß, auch wenn noch einige Vorarbeit geleistet werden muss.

Expandierender Markt

Der Markt für nachhaltige Investments expandiert. Einer durch das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG im Auftrag von Alfi durchgeführten Studie zufolge stieg die Zahl der in Europa zugelassenen Investmentfonds mit einer nachhaltig ausgerichteten Anlagepolitik von 2010 bis Ende 2012 um 14 % auf 1 775. Gleichzeitig erhöhten sich die in diesem Bereich verwalteten Anlagegelder um 19 % auf 237,9 Mrd. Euro. Die bei Weitem bedeutendsten Standorte für diese Fonds sind Frankreich und Luxemburg - zusammen machen sie die Hälfte des gesamten Marktes aus.

Dies ist zwar eine sehr begrüßenswerte Entwicklung, doch wird der Markt für die sogenannten Responsible Investment Funds oder RI-Fonds, also Anlagevehikel, die "verantwortungsbewusst" investieren, bisher noch überwiegend - um nicht zu sagen ausschließlich - von institutionellen Anlegern dominiert. Nach einer Eurosif-Erhebung von 2012 entfallen auf Retail-Kunden lediglich 6 % der von den RI-Fonds verwalteten Anlagegeldern. Das steht in keinem Verhältnis zu den 31 % Marktanteil, die private Anleger an den von der europäischen Fondsindustrie insgesamt verwalteten Aktiva haben.

Wachstumspotenzial ist hier also reichlich vorhanden. Um dieses ausschöpfen zu können, muss der RI-Sektor allerdings noch insgesamt für mehr Transparenz und für eine klare Kommunikation sorgen.

Das fängt bereits bei der Definition der (auch) nach sozialen Kriterien agierenden Anlagevehikel an. Ob "nachhaltige Geldanlage", "Mikrofinanz", "sozialverträgliches Investieren" oder "Impact Finance" - Begriffe, mit denen Asset Manager ihre Produkte bewerben, sind inzwischen fast so zahlreich wie die dahinter stehenden Konzepte und sorgen beim Anleger eher für Verwirrung.

Einheitlich antworten

Die europäischen Asset-Management- und Fondsverbände sind daher gefordert, sich möglichst bald auf eine einheitliche Antwort auf die scheinbar harmlose Frage zu verständigen, was denn nun ein RI-Fonds eigentlich ist - und was er nicht ist. Eine allgemein akzeptierte Definition dient nicht nur der Orientierung der Anleger, indem sie die verschiedenen Produkte besser vergleichbar macht. Sie ist auch unerlässlich, um den RI-Markt richtig einschätzen und seine Entwicklung verfolgen zu können.

Dass eine einheitliche Definition wohl nicht so leicht zu finden sein wird, zeigt bereits die Vielseitigkeit der RI-Kategorien, die KPMG und Alfi in ihrer Studie ermittelt haben. Unter dem Sammelbegriff "Responsible Investing" finden sich hier zwei Gruppen von Fonds: die ethischen Fonds, die nach religiösen Grundsätzen investieren (wie beispielsweise schariakonforme Fonds), und die sogenannten Environmental-, Social- and Governance-, kurz ESG-Fonds, die ökologische und soziale Aspekte sowie Kriterien guter Unternehmensführung bei ihren Investmententscheidungen anwenden.

Sektorübergreifende Fonds

Die ESG-Fonds wiederum werden aufgeschlüsselt in sektorübergreifend investierende sowie themenspezifische Fonds. Sektorübergreifend investierende Fonds führen bei der Auswahl ihrer Anlageobjekte entweder ein positives oder negatives Screening durch und schließen dabei Unternehmen oder Projekte entweder ausdrücklich ein oder aus. Themenspezifische Fonds unterteilen sich entweder in ökologische (wie beispielsweise Carbon Funds, Fonds, die in erneuerbare Energien investieren, in nachhaltige Forstwirtschaft oder Wasserprojekte), soziale (Mikrofinanzfonds, Fonds mit Schwerpunkt auf sozialem Unternehmertum, Venture Philantropy) oder in Fonds, die sich nach Governance-Kriterien richten.

Mit zwei Dritteln aller RI-Fonds und 83 % der insgesamt in diesem Sektor verwalteten Anlagegelder stellen die sektorübergreifenden ESG-Fonds zurzeit die weitaus größte Gruppe dar. Ein Drittel der Fonds und lediglich 12 % des verwalteten Vermögens entfallen auf themenspezifische Fonds. Diese sind vor allem bei Retail-Anlegern beliebt, was wohl in erster Linie darauf zurückzuführen sein dürfte, dass deren Anlagepolitik relativ leicht nachzuvollziehen ist.

Viel Gesprächsstoff

Reichlich Diskussionsstoff bietet auch die zentrale Frage, wie weit die Integration von ESG-Kriterien in die Anlagepolitik eines Fonds eingehen muss, damit dieser ein Responsible-Investment-Label auch wirklich verdient. Ist beispielsweise ein einfaches negatives Screening ausreichend oder nicht? Und vor allem: Sind die angewandten ESG-Standards "harte Kriterien", deren Nichteinhaltung zur Disqualifikation potenzieller Anlageobjekte führt, oder sind sie lediglich "das Sahnehäubchen", ein "nice to have", neben den klassischen rein finanziellen Kriterien, ohne wirkliche Auswirkungen auf die eigentliche Anlageentscheidung?

Tatsache ist, dass immer mehr Vermögensverwalter bei ihren Anlageentscheidungen auch auf das mittlerweile umfangreich zur Verfügung stehende RI-Research-Material zurückgreifen. Bei der Kommunikation ihrer RI-Strategien besteht jedoch offensichtlich noch Raum für Verbesserungen.

Dass Unternehmen keinen Regenwald abholzen, keine Staudämme bauen, welche die Zwangsumsiedlung ganzer Dorfgemeinschaften erfordern, und keine Produkte von Lieferanten beziehen, die Kinder als billige Arbeitskräfte ausbeuten, ist für viele Anleger heute eine Selbstverständlichkeit. Waren ESG-Überlegungen sowohl von Vermögensverwaltern als auch von Unternehmen in der Vergangenheit überwiegend darauf ausgerichtet, potenzielle Risiken zu reduzieren oder zu vermeiden, so erwarten die Anleger heute, dass Vermögensverwalter nachweisbar einen echten sozialen und ökologischen Nutzen schaffen.

Für Orientierung sorgen

Schon ist mit "Impact Investing" ein neuer Begriff aufgetaucht, mit dem den Anlegern suggeriert wird, der Fonds investiere nur in Unternehmen und Projekte, die einen hohen positiven sozialen oder ökologischen Impakt haben. Noch gibt es jedoch keine einheitlichen Methoden, um diese Auswirkungen zu messen und zu bewerten. Hier sind Vermögensverwalter und ihre Interessenvertretungen aufgerufen, sinnvolle Indikatoren zu entwickeln, die sowohl den Anlegern als auch der Branche selbst zur Orientierung dienen können.

Deshalb spielen unabhängige Beobachter eine wichtige Rolle bei der Bewertung des jeweiligen ESG-Engagements. Einer von ihnen ist die bereits 2006 von Alfi mitgegründete Luxembourg Fund Labelling Agency (LuxFlag). Sie zertifizierte zunächst Mikrofinanzfonds und hat mittlerweile ein weiteres Label für Umweltfonds geschaffen. LuxFlag-Label bescheinigen den Anlegern nach einer intensiven Kontrolle der Anlagepolitik, dass ein Fonds tatsächlich den Großteil seiner Aktiva in den entsprechenden Bereichen investiert.

Konkrete Regeln

Die EU-Kommission und die nationalen Regulierungsbehörden leisten ebenfalls einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung des RI-Sektors. Sie arbeiten konkrete Regeln und Vorschriften für die Veröffentlichung nichtfinanzieller Informationen durch Unternehmen aus. Alfi will mit gezielten Initiativen das Seine dazu beitragen, sowohl die Vermögensverwalter als auch potenzielle Investoren für das verantwortungsbewusste Investieren zu sensibilisieren.

Von Marc Saluzzi, Präsident des luxemburgischen Fondsverbands Alfi

Börsen-Zeitung, 28.09.2013, Autor Marc Saluzzi, Präsident des luxemburgischen Fondsverbands Alfi, Nummer 187, Seite B 4, 934 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2013187805&titel=Nachhaltige-Investmentfonds-bieten-Wachstumspotenzial
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