Dax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 11.727,00+0,18% TecDax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.227,25+2,30% Euro Stoxx 50 Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.083,50+0,16% US/Dow Jones Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 25.520,00+0,09% Gold: 1.729,33+0,44% EUR/USD: 1,11070,00%
Redaktion

KOMMENTAR - WOHNUNGSPOLITIK
Es ist Zeit, den Schaum vom Mund zu wischen und wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Die Demonstrationen vom Wochenende in Berlin und anderen Städten gegen den "Mietenwahnsinn" und für die Enteignung großer Wohnkonzerne nehmen groteske Züge an. Berlins Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher (Die Linke), marschierte als "Privatperson" mit den Demonstranten, die ein Volksbegehren für die Enteignung starten wollen. Irgendetwas muss beim rot-rot-grünen Senat in der Hauptstadt schieflaufen, wenn die zuständige Politikerin in der Landesregierung gegen ihre eigene Politik demonstriert und so tut, als könne sie die Verantwortung für ihre Aufgabe an einem Wochenende eben mal so abstreifen. Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen, witterte wohl Morgenluft, die mediale Welle für sich zu nutzen, und macht sich ebenfalls für Enteignungen stark. Immerhin ist ihm klar, dass diese nicht entschädigungslos sein können. Das Grundgesetz erlaubt zwar die Überführung von "Grund und Boden, Naturschätzen und Produktionsmitteln" in Gemeineigentum, verlangt aber ein Gesetz, das den Ausgleich regelt.

Für den Berliner Senat und die Steuerzahler wäre die von der Straße geforderte Lösung ein schlechtes Geschäft. Der Rückkauf des vor einigen Jahren für einen dreistelligen Millionenbetrag privatisierten Wohnungsbestands würde heute mindestens einen mittleren einstelligen Milliardenbetrag erfordern. Es wäre sinnvoller, die Steuergelder in den Wohnungsbau zu stecken, als damit lediglich den Eigentümer im Bestand zu wechseln. Im Übrigen unterscheiden sich die Durchschnittsmieten der öffentlichen und privaten Wohnungsgesellschaften in Berlin nicht allzu sehr. Mieten, die Verbrauchs- und Investitionskosten nicht decken, kann auch die öffentliche Hand nicht schultern.

Das beste Rezept - Enteignungsbefürworter mögen staunen - bleibt immer noch der Markt. Nur der Bau von mehr Wohnungen kann Mieten oder deren rasanten Anstieg bremsen. In Berlin aber drücken noch ganz andere Probleme: Der Fachkräftemangel im Baugewerbe ist ein großer Dämpfer für den Wohnungsbau. In kaum einer anderen deutschen Metropole klafft eine so große Lücke zwischen genehmigten und realisierten Bauvorhaben. Eines ist zudem gewiss: Die Enteignungsdebatte sorgte bei Investoren nicht für gute Laune. Das gilt auch für eine gut gemeinte, aber wenig wirksame Mietpreisbremse. Wer sich um die Höhe der Mieten sorgt, der sollte auf Marktwirtschaft setzen, nicht auf den Plan.


Börsen-Zeitung, 09.04.2019, Autor Angela Wefers , Nummer 69, Seite 1, 343 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019069004&titel=Mehr-Markt-lindert-Not
BZ Artikel twitternLinkedInXingFacebook



Serien zu Unternehmen & Branchen
Themendossiers zu Unternehmen & Branchen


Termine des Tages
Dienstag, 2.6.2020

Ergebnisse
Isra Vision: 2. Quartal
Royal Mail: Jahresergebnis (Montag)
Zoom: 1. Quartal












21

0.096372 s