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Redaktion

Es geht uns alle an - Das Finanzwesen trägt eine hohe Verantwortung

Als zentrale Kapitalgeber spielen Banken eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung des Kampfes gegen den Klimawandel. Eines der Hauptziele des Pariser Abkommens besteht darin, sicherzustellen, dass die Finanzströme "im Einklang mit einem Weg zu niedrigen Treibhausgasemissionen und einer klimaresistenten Entwicklung" stehen. In der Praxis bedeutet dies, dass Banken und andere Finanzdienstleister Unternehmen und Projekte finanzieren sollten, die zum Energiewandel beitragen. Aber es ist die Realwirtschaft, die letztendlich umweltfreundlicher werden muss. Die Rolle der Finanzwirtschaft besteht auch darin, ihr zu helfen, dieses Ziel zu erreichen. Wenn dies unsere Mission ist, ist es nur fair zu fragen, wie wir dies erreichen können.

2016 unterzeichneten führende Persönlichkeiten aus der ganzen Welt das Pariser Abkommen - eine bahnbrechende Initiative, die darauf abzielt, die Weltwirtschaft in eine nachhaltige kohlenstoffarme Zukunft zu führen. In den folgenden Jahren hat das Thema Umwelt in Europa rasant an Bedeutung gewonnen. Bei der Wahl des Europäischen Parlaments haben die grünen Parteien auf dem gesamten Kontinent gut abgeschnitten. So deuten die jüngsten Ergebnisse darauf hin, dass wir möglicherweise den Wendepunkt erreicht haben, an dem Untätigkeit politisch unmöglich wird.

Meinungsumschwung

Dieser tiefgreifende Meinungsumschwung, insbesondere das wachsende Bewusstsein für die katastrophalen Folgen des Klimawandels, ist sicherlich von der schockierenden Regelmäßigkeit beeinflusst worden, mit der klimabedingte Naturkatastrophen mittlerweile auftreten. Von Hurrikans und Taifunen bis hin zu Dürren und Überschwemmungen ist der Klimawandel heute ein Thema für jeden von uns. Es liegt nun an uns, zu definieren, wie wir von der Absicht ins Handeln kommen, um die ohne Übertreibung "gewaltige" Herausforderung anzugehen.

Ein bereits vorzeigbarer Erfolg ist die Reise, die grüne Anleihen von der Nische zum Mainstream gemacht haben. Der Markt ist in diesem Jahr bisher um 81 % und seit seiner Gründung um durchschnittlich 96 % jährlich gewachsen. Dies ging einher mit einer Ausweitung auf alle Sektoren. Im Jahr 2012 machten substaatliche Unternehmen 80 % der Emissionen von Green Bonds aus, der Rest betraf Unternehmen. 2019 werden diese beiden Kategorien dagegen durch Staatsanleihen, Anleihen von Finanzinstituten und Hochzinsanleihen ergänzt, was die Breite des heutigen Marktes widerspiegelt.

Das ist die gute Nachricht. Jetzt zur Realität. Erstens sind viele kohlenstoffintensive Sektoren immer noch nicht bereit, Green Bonds in beträchtlichen Mengen auszugeben - oder sie werden des Greenwashing beschuldigt, wenn sie sie für periphere "grünere" Aktivitäten ausgeben, während ihr Hauptgeschäftsmodell unverändert bleibt. Zweitens, während viel Arbeit in die Taxonomien der grünen Anlagen investiert wurde, gibt es noch viel zu tun, damit Investoren sicher sein können, in was sie investieren. In beiden Bereichen sollte der Finanzsektor der Motor des Fortschritts sein.

Kunden begleiten

Banken sollten ihren Kunden grüne Anleihen nicht nur anbieten, sondern sie auf ihrem Weg zum Green Business begleiten und sie dabei unterstützen, die Finanzkraft zur Erreichung ihrer Ziele zu nutzen. Natixis hat vor zwei Jahren einen Green & Sustainable Hub als Querschnittsfunktion geschaffen, um in enger Zusammenarbeit mit den Kunden umweltfreundliche Finanzprodukte im Corporate & Investment Banking anzubieten.

Ebenso spielt der Finanzbereich eine immer wichtigere Rolle bei der Förderung des kollektiven Wissens der Branchen. So wird weiterhin an der Entwicklung aktiv nachhaltiger Finanzierungen gearbeitet, bei Natixis sowohl über Branchenorganisationen wie "Finance for Tomorrow", die "Climate Bond Initiative" und "Act for Nature" - als auch durch eigenes Research. Ein aktuelles Thema ist zum Beispiel, wie die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung in die jeweilige Unternehmensstrategie integriert werden können.

Innovation ist der Schlüssel für einen nachhaltigen Wandel: Nur mit innovationsfreudigen Lösungen kann die Finanzierungsseite sicherstellen, dass sie den Bedürfnissen von Kreditnehmern und Investoren gerecht wird. Die erste Green Structured Note, der erste Green Labelled Commercial Real Estate Mortgage Loan in Europa sowie die ersten Green Commercial Mortgage Backed Securities (CMBS) gehören zu den innovativen Erstentwicklungen in der Branche. Zuletzt begleitete Natixis den ersten syndizierten Kredit, welcher von einem Akteur im Bereich erneuerbare Energien begeben wurde und dessen Zinssatz an die Performance des Kunden in Bezug auf CO2-Reduktion sowie "business conduct" gekoppelt ist.

Aber auch Innovationen innerhalb der eigenen Geschäftsmodelle der Banken sind entscheidend, um an dieser Stelle ihren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Integriert in die Finanzierungsmodelle führte Natixis vor einem Jahr eine Green Weighting Factor (GWF)-Methode ein, die umweltfreundlichere Projekte intern favorisiert. Letztendlich muss gewährleistet sein, dass geschäftliche Entscheidungsfindung sowie die Bankbilanz strukturell an den Zielen des Pariser Abkommens ausgerichtet sind.

Miteinander ist fundamental

Die Banken gehen diesen Weg nicht allein. Das Marktumfeld sowie die jeweilige Finanzaufsicht unterstützen die Finanzinstitute und drängen sie zunehmend in die richtige Richtung. Der Aktionsplan für nachhaltige Finanzierungen der Europäischen Kommission (veröffentlicht im März 2018) legt drei Ziele für die Branche fest: Erstens, die Neuausrichtung der Kapitalströme auf nachhaltige Investitionen, um ein nachhaltiges und integratives Wachstum zu erreichen. Zweitens, das Management finanzieller Risiken, die sich aus Klimawandel, Umweltzerstörung und sozialen Fragestellungen ergeben, und drittens, die Förderung von Transparenz und Langfristigkeit in Finanzen und Wirtschaft.

In diesem Jahr hat das Netzwerk der Zentralbanken und Aufsichtsbehörden für ein grünes Finanzsystem, das Central Banks and Supervisors Network for Greening the Financial System (NGFS), seinen ersten umfassenden Bericht zu diesem Thema veröffentlicht. Der Bericht enthält vier Empfehlungen, die jeweils darauf abzielen, die Verpflichtungen zur Bewältigung klimabedingter finanzieller Risiken in konkrete Maßnahmen umzusetzen. So sollen Banken, Aufsichtsbehörden und Finanzwesen konkrete und erreichbare Ziele zur Unterstützung des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft erhalten.

Der Klimawandel geht uns alle an. Eine Patentlösung gibt es nicht. Klar ist, dass eine nachhaltige Ausrichtung auch tiefgreifende Veränderungen in unseren Volkswirtschaften erfordern wird. Als wichtigste Kapitalgeber und Know-how-Träger tragen die Banken eine hohe Verantwortung. Im Kampf gegen den Klimawandel sollten die Banken Hand in Hand mit allen Akteuren die Weiterentwicklung von Green Finance vorantreiben.

Hansjörg Patzschke, Senior Country Manager Natixis Deutschland/Österreich

Börsen-Zeitung, 06.07.2019, Autor Hansjörg Patzschke, Senior Country Manager Natixis Deutschland/Österreich, Nummer 127, Seite B 8, 910 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019127812&titel=Fuer-den-Klimawandel-gibt-es-keine-Patentloesung
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