Redaktion

KOMMENTAR - VDA
Bernhard Mattes schmeißt hin. Am Tag, an dem die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt ihre Tore öffnet, tritt der Präsident des ausrichtenden Branchenverbands VDA zurück. Mattes, dem von einigen Mitgliedsunternehmen vorgeworfen wurde, zu weich und zu weit weg von der Politik zu sein, hielt pflichtschuldig noch seine Eröffnungsrede und verkündete dann am frühen Abend seinen Abschied. Er habe Präsidium und Vorstand des VDA darüber informiert, dass er das Amt zum Jahresende 2019 niederlegen werde, um sich neuen Aufgaben zuzuwenden, heißt es in der am späten Donnerstagnachmittag veröffentlichten Mitteilung des VDA.

Dass der erst im Frühjahr 2018 angetretene Mattes wirklich bis zum Jahresende bleibt, ist kaum anzunehmen. Mit seiner Rücktrittsankündigung hat der ehemalige Ford-Manager den Schwelbrand der vergangenen Wochen nicht ausgetreten, sondern erst richtig Öl ins Feuer gegossen. Beim Dachverband der deutschen Autoindustrie brannte es offenbar längst unterm Dach. Der "Spiegel" hatte unlängst berichtet, die Kritik aus der Branche werde lauter und mit dem scheidenden EU-Kommissar Günther Oettinger habe man bereits einen politisch deutlich besser vernetzten Nachfolger im Blick.

Während der Messe zeigte sich indes hinter den Kulissen ein gemischtes Bild. Während insbesondere aus den Reihen des Stuttgarter Autobauers Daimler Verwunderung über die aggressiven Angriffe auf den Mann an der VDA-Spitze gezeigt wurde, sah sich Mattes bis zuletzt immer wieder Spitzen anderer Autohersteller ausgesetzt - zunächst aus Wolfsburg, teilweise aber wohl auch aus München.

Mancher deutsche Automanager dürfte zufrieden feststellen, dass ein Ende mit Schrecken wohl noch besser als ein Schrecken ohne Ende ist. Doch das Bild, das die Branche in diesen Tagen abgibt, bleibt fatal. Statt den Streit mit dem VDA-Präsidenten auf die Wochen nach der Branchenmesse zu verschieben, hat man diesen im Vorlauf und während der ersten Messetage so demontiert, dass der Rücktritt als einzige halbwegs gesichtswahrende Option übrig blieb.

Nun werden Spekulationen und Geschichten rund um die schnelle Demission von Mattes die kommenden Tage bestimmen. Von der heilen E-Mobilitäts-Welt, die die deutschen Autobauer mit ihren Produktpräsentationen gerne beschwören wollten, ist nichts mehr zu sehen. Mattes hat den Vorhang vor den Kulissen abgerissen. Was sich dem Betrachter dahinter darbietet, erinnert an eine Horrorshow.


Börsen-Zeitung, 13.09.2019, Autor Sebastian Schmid, Nummer 176, Seite 1, 340 Wörter

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