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Redaktion

Als Initiator und Partner den Sparkassen vielfältige Lösungen bieten, um die Herausforderungen der heutigen Finanzwelt zu meistern

Die Digitalisierung verändert Marktbedingungen in bisher nicht geahnter Geschwindigkeit. Wer sich nicht stetig weiterentwickelt und neue Lösungen bieten kann, hat schnell das Nachsehen. Doch viele technische Neuerungen erfordern Ressourcen, die einzelne Sparkassen nicht aufbringen können. An dieser Stelle unterstützt die LBBW als Partner und Innovationstreiber innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe. Bereits vor Jahren haben wir die Digitalisierung als eine unserer vier strategischen Stoßrichtungen neben den Bereichen Geschäftsfokus, Nachhaltigkeit und Agilität definiert. Heute profitieren die Sparkassen deshalb von einer Vielzahl innovativer Lösungen, die wir mitinitiiert haben und die die Prozesse im Alltagsgeschäft spürbar erleichtern.

Schuldscheinmarkt 2.0

Eine dieser Lösungen ist Debtvision. Gegründet wurde die Plattform im Jahr 2018 als Gemeinschaftsunternehmen der LBBW und der Börse Stuttgart. Bis heute wurden über sie bereits mehr als 50 Schuldscheindarlehen vermarktet. Mit Debtvision bietet die Landesbank Darlehensnehmern, Investoren und Arrangeursbanken die Möglichkeit, Schuldscheintransaktionen einfach, effizient und digital durchzuführen. Der Marktplatz beschleunigt den Prozess der Investorensuche erheblich. Denn die digitale Schuldscheinplattform verbindet Darlehensnehmer direkt mit mehr als 300 professionellen Investoren - rund die Hälfte von diesen sind Sparkassen. Und die nutzen die Plattform intensiv: Sparkassen haben bereits mehr als 600 Zeichnungswünsche auf Debtvision abgegeben und dabei einen hohen dreistelligen Millionenbetrag investiert.

Das Konzept des digitalen Marktplatzes sichert den Darlehensnehmern zudem größtmöglichen Gestaltungsspielraum: Die Kreditnehmer entscheiden selbst, ob sie die Beratung einer Bank wünschen oder nicht. Darüber hinaus bestimmen sie, welches Kreditinstitut sie hinzuziehen möchten und wie groß der Beratungsumfang sein soll. Debtvision sorgt zudem für maximale Transparenz der Orders und Investitionen, und das kommt bei den Sparkassen gut an. Über die Plattform können sie unmittelbar auf alle relevanten Informationen und Dokumente zugreifen. Sparkassen managen per Debtvision auch ihre Zeichnungswünsche und kontaktieren Darlehensnehmer und Arrangeure bei Fragen direkt.

Dieses Konzept geht auf: Mehr als 1 300 Ordervorgänge haben Investoren für die Schuldscheine von Darlehensnehmern wie Porsche, ZF, Schott, Fraport oder dem Land Baden-Württemberg in den vergangenen eineinhalb Jahren auf Debtvision abgegeben. Die Firm Orders für Schuldscheine sowie Namensschuldverschreibungen im gleichen Zeitraum haben einen Umfang von 2,5 Mrd. Euro.

Überaus vielversprechend ist auch Marco Polo, die digitale Lösung zur Abwicklung von Handelsgeschäften, gestartet. 2018 ist die LBBW als Gründungsmitglied und erstes Unternehmen der S-Finanzgruppe dem Netzwerk beigetreten. In einer vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) unterstützten, institutsübergreifenden Initiative der Sparkassen-Finanzgruppe arbeiten derzeit verschiedene Partner gemeinsam an der Evaluierung, Erprobung und Entwicklung der Technologie.

Die nach dem venezianischen Händler aus dem 13. Jahrhundert benannte Initiative ist eine bankenorientierte Plattform, die auf der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) basiert und von offenen Application Programming Interfaces (APIs) gestützt wird. Sie macht Außenhandelsgeschäfte schneller, einfacher und sicherer. Im Laufe dieses Jahres soll Marco Polo richtig durchstarten, nachdem die LBBW die Plattform über viele Monate hinweg mit realen Transaktionen von Unternehmen wie Voith und KSB oder auch Daimler und Dürr getestet hat.

Nebeneinander war gestern

Sparkassen sollen perspektivisch über die Plattform auf verschiedene Leistungen aus dem Bereich Handelsfinanzierung zugreifen und eng mit anderen Mitgliedsbanken des Marco-Polo-Netzwerks zusammenarbeiten können. Mit dem Trade-Finance-Netzwerk wollen wir den Sparkassen und ihren Unternehmenskunden künftig den digitalen Zugang zu Teilnehmern des Capital- und Handelsfinanzierungsökosystems wie Versicherungsunternehmen, Logistikanbietern, Nichtbanken und vielen Informationsdienstleistern öffnen. Alle beteiligten Parteien sehen bei einer solchen Transaktion die Handelsdaten zur gleichen Zeit. Damit gehört das Nebeneinander von verschiedenen Abwicklungstools der Vergangenheit an. Außerdem automatisiert das Netzwerk viele Schritte und verringert die Papierdokumentation. Mit der Marco-Polo-Lösung gehört die S-Finanzgruppe zu den Vorreitern beim Einsatz moderner Blockchain-Technologie in Deutschland.

Eine speziell auf regionale Projekte zugeschnittene Lösung hat die LBBW 2018 mit dem Start-up Xavin entwickelt. Die Plattform steht Sparkassen zur Verfügung und erleichtert die Finanzierung von gemeinnützigen Projekten enorm. Sparkassen können Xavin in ihr Portfolio einbinden, als eigene Leistung vermarkten und ihren Kunden damit ein ganz neues Angebot machen. Zielgruppen sind beispielsweise Vereine, Schulen, Kindergärten oder soziale Einrichtungen. Xavin funktioniert dabei wie ein Marktplatz für Projektfinanzierungen mit qualifizierten Nachrangdarlehen.

Über die Plattform kann ein Projektinitiator den Zinssatz und die Darlehensdauer für sein Vorhaben selbst festlegen, je nachdem, wie die Finanzierung zu seinem Vorhaben passt. Die Nachrangdarlehen wirken sich positiv auf die Eigenkapitalstruktur des Projektinitiators aus und bieten weitere Vorteile. Anschließend sammelt er den Betrag schnell, unkompliziert und transparent bei Vereinsmitgliedern, den regionalen Anlegern sowie Stiftungen ein. Die Spendenwandlung der Zinsen bietet dabei die Chance auf eine besonders günstige Art der Finanzierung. Die Anleger profitieren doppelt: erstens von der Rendite und zweitens von dem emotionalen Wert, den sie durch die Förderung eines gemeinnützigen Projektes in ihrer Region gewinnen, oder durch ihren eigenen Nutzen nach Umsetzung des Projekts. Die gesamte Vertragsabwicklung und die Darlehensverwaltung übernimmt Xavin automatisch.

Mit dem Deri-X Trader bietet die LBBW der Sparkassen-Finanzgruppe ein modernes Handelssystem für den Devisenhandel von Unternehmen. Das Endkundenmodul wurde in der Pilotphase von zwei Sparkassen begleitet. Bereits im Frühjahr 2020 wird der Deri-X Trader allen Sparkassen bundesweit zur Verfügung stehen. Das Tool ermöglicht den Zugriff auf mehr als 70 Währungen. Zusätzlich zu klassischen Kassageschäften lassen sich auch Devisentermingeschäfte abschließen und Devisenoptionen handeln. Dank der individuellen Rechtevergabe sowie mehrstufiger Limitvorgaben können Unternehmen für jeden Nutzer ein maßgeschneidertes Profil definieren.

Innovationslabor

Die Landesbank bringt ihr Know-how ein, um moderne und innovative Themen für die gesamte Sparkassen-Finanzgruppe zu entwickeln. So haben die S-Payment, eine Tochter des Deutschen Sparkassenverlags, und die LBBW ihre Kompetenzen Mitte 2019 zusammengebracht und die Arbeitsgruppe Spayce gegründet. Dieses Innovationslabor im Herzen Stuttgarts entwickelt als "Schnellboot" umsetzungsreife Produktideen rund um das Thema Payment für die Sparkassen-Finanzgruppe.

Spayce ist auf den kreativen Austausch und die kooperative Zusammenarbeit ausgelegt. Deshalb ist die Plattform auch offen für Sparkassen und weitere interessierte Kollaborationspartner. Dabei stets im Fokus: der Nutzen für den Kunden. Es wurden bereits für mehrere Projektideen Prototypen erstellt und mit potenziellen Nutzern erprobt. Aktuell geht mit CardControl das erste Projekt in die Umsetzung: Diese Funktion wird es Kreditkarten-Kunden ermöglichen, ihre Karte selbständig zu sperren und auch wieder zu entsperren. Zudem wird es möglich sein, Transaktionen in Echtzeit zu verfolgen sowie bestimmte Nutzungsarten für die Karte einzuschränken, beispielsweise Online-Handel, Verfügungen am Geldautomaten oder den Einsatz im Ausland.

Mit dem Projekt Fina haben wir ein ganzheitliches, digitales Ökosystem für das Immobiliengeschäft konzipiert. Von der Immobilien- und Finanzierungssuche über den Abschluss der Baufinanzierung bis zum Kauf sollen künftig alle Schritte begleitet werden.

Als ersten Schritt des Projekts Fina haben wir bei der Entwicklung von fimmotion konsequent die Sicht der Kunden eingenommen und machen den Bearbeitungsstand der Finanzierung durchgehend transparent. Zudem vereinfachen wir den Dokumenten-Upload signifikant. Um diese Ziele zu erreichen, haben wir gleich mehrere Partner ins Projekt geholt. Gemeinsam mit den Sparkassen Nürnberg, Hannover, Köln-Bonn sowie der LBS Südwest, dem Sparkassen Finanzportal und der Finanz Informatik haben wir den Weg zu Fina bereits marktfähig umgesetzt. Die vom DSGV geförderte Lösung macht heute den Finanzierungsstatus jederzeit einsehbar und erleichtert die Einreichung von Dokumenten. Seit Mitte 2019 kann die gesamte Sparkassenorganisation fimmotion über das Sparkassen Finanzportal (SFP) beziehen. Als zweiter Projektschritt ist die S-Baufi-App geplant, die unter anderem Erklärvideos und schnelle Finanzierungsbestätigungen anbieten kann.

Die Herausforderungen der heutigen Finanzwelt sind riesig, denn die Märkte entwickeln sich rasend schnell weiter. Deshalb bringen wir uns mit unserer ganzen Innovationskraft und großem personellen Einsatz in die S-Finanzgruppe ein. Als Initiator und Partner helfen wir so, dass sich die gesamte Gruppe und jede einzelne Sparkasse weiterentwickeln und optimal aufstellen kann, um neue Marktanteile zu gewinnen. Auf diesem Weg sind wir bereits ein gutes Stück vorangekommen - und wir werden ihn konsequent weitergehen.

Jürgen Kugler, Leiter des Bereichs Sparkassen bei der LBBW

Börsen-Zeitung, 02.04.2020, Autor Jürgen Kugler, Leiter des Bereichs Sparkassen bei der LBBW, Nummer 65, Seite B 2, 1202 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020065802&titel=Impulsgeber-der-Digitalisierung
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