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Redaktion

KOMMENTAR - BRENT-PREISSTURZ
Am Ölmarkt liegen die Nerven weiterhin blank: Am Dienstag hat es die international wichtigste Sorte Brent Crude erwischt. Sie verzeichnete einen bislang einmaligen Preisrutsch um in der Spitze 26 %. Wer also dachte, dass es sich bei den WTI-Turbulenzen um eine der speziellen US-Marktstruktur geschuldete Anomalie handelt und dass die Lage somit nicht besonders ernst ist, hat sich getäuscht. Der Rückgang der weltweiten Nachfrage nach dem Energieträger ist mit zumindest kurzfristig fast einem Drittel immens. Die gravierenden Folgen für die Branche und ganze Länder werden sich wohl erst in den kommenden Monaten in ihrem ganzen Ausmaß zeigen.

Und es ist auch nicht nur Rohöl, das betroffen ist. Auch bei Industriemetallen sowie Agrarrohstoffen hat es bereits deutliche Preisrückgänge gegeben. So ist beispielsweise der Maispreis in den USA auf den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren gefallen.

Das Geschehen am Ölmarkt könnte somit ein Vorzeichen dessen sein, was vielerorts noch bevorsteht. Die Nachfrage nach dem Energieträger und das Geschehen am Ölmarkt lassen sich nämlich als Frühindikator für die Lage der globalen Realwirtschaft auffassen.

Dabei ergibt sich eine auffällige Diskrepanz zu dem, was derzeit an den Aktienmärkten gespielt wird. Zwar hat es am Dienstag auch Verluste an den internationalen Börsen gegeben, diese blieben aber weit hinter den Abstürzen an den Rohstoffmärkten zurück. Die Aktienmärkte haben sich zudem schon sehr deutlich von den Tiefständen von Mitte März gelöst.

Nachdem die Zentralbanken die Finanzmärkte in massivem Umfang mit Liquidität geflutet haben, setzen die Aktieninvestoren auf das Szenario eines baldigen Endes der Pandemie und einer kraftvollen Konjunkturerholung. Dies könnte sich mit Blick auf den Ölmarkt jedoch als ein Trugbild herausstellen, die Gefahren sind jedenfalls groß.

So ist die Pandemie in vielen Ländern noch längst nicht besiegt, während schon jetzt absehbar ist, dass ein nennenswerter Teil der in der Krise weggefallenen Wirtschaftsaktivitäten dauerhaft verloren gegangen ist. Es könnte somit noch sehr lange dauern, bis die Weltwirtschaft auf Vorkrisenniveau zurückkehrt - deutlich länger jedenfalls als nach der Finanzkrise der Jahre 2008/09.

Der Ölmarkt reagiert aufgrund von Besonderheiten wie den kaum noch vorhandenen freien Lagerkapazitäten bereits jetzt sehr heftig. Den Aktienmärkten könnten hingegen weitere Abstürze noch bevorstehen.


Börsen-Zeitung, 22.04.2020, Autor Dieter Kuckelkorn, Nummer 77, Seite 1, 346 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020077004&titel=Menetekel-Oelmarkt
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