Nach Jahren des Abbaus

Italiens Banken entdecken die Filiale wieder

Italiens Banken schließen seit Jahren Filialen. Nun steuern einige mittelgroße Banken im Land gegen und eröffnen selektiv neue Geschäftsstellen in strategisch interessanten Gebieten.

Italiens Banken entdecken die Filiale wieder

Italienische Banken
entdecken die Filiale wieder

Auf Jahre des Abbaus folgen selektive Neueröffnungen

bl Mailand

Um Kosten zu senken, haben italienische Banken in den vergangenen zwei Jahren etwa 1.500 Filialen geschlossen. Doch nun zeichnet sich eine zarte Gegenbewegung ab. Die Südtiroler Sparkasse, die zusammen mit der 2020 mehrheitlich übernommenen Civibank zu einer führenden Bank in Italiens Nordosten geworden ist, will im Rahmen ihres neuen Strategieplans bis 2026 sieben neue Geschäftsstellen eröffnen. Das Institut mit Sitz in Bozen hat derzeit 169 Filialen, vor allem in Südtirol (61), in Friaul-Julisch Venetien (51) und Venetien (42).

Selektiver Ausbau

Die neuen Geschäftsstellen sind in den besonders wirtschaftsstarken Regionen Venetien und Emilia-Romagna vorgesehen. Ziel sei es, das Vertriebsnetz im Heimatmarkt Italien „selektiv zu stärken“, um Privat- und Firmenkunden mit hohem Potenzial in hochattraktiven Regionen zu betreuen.

Mehr Zeit für Kunden in wirtschaftsstarken Regionen

Auf der einen Seite setzt die Südtiroler Sparkasse auf Rationalisierung und Digitalisierung. Auf der anderen Seite will sie mehr Zeit für die Kunden aufwenden, insbesondere wenn diese hohe Erträge versprechen. Auch andere mittelgroße Banken in Italien verfolgen einen vergleichbaren Ansatz. Etwa die Volksbank von Sondrio, Credem, die Cherry Bank oder die Bank Desio. Letztere hat zum Beispiel von BPER einige frühere Geschäftsstellen der UBI Banca übernommen. Intesa Sanpaolo hatte sie im Zuge der Übernahme der UBI Banca an die BPER verkauft.

Territoriale Verankerung

Es sind vor allem Institute mit einer traditionell starken territorialen Verankerung, die die Chancen einer größeren physischen Präsenz vor Ort wiederentdecken. Ob diese Entwicklung dauerhaft ist, muss sich zeigen. Es handelt sich sicher nicht um eine generelle Tendenz, sondern um ein selektives Vorgehen in attraktiven Regionen.

Poste Italiane werten Filialen auf

Anders stellt sich die Lage bei der noch immer staatlichen Post aus, den Poste Italiane. Das Unternehmen, das einen großen Teil der Einnahmen mit Bank- und Versicherungsdienstleistungen bestreitet und Sparvermögen von 581 Mrd. Euro verwaltet, ist eher Bank als Logistikdienstleister. Schon vor Jahren hat beschlossen, die stattliche Zahl von 13.000 Geschäftsstellen beizubehalten. Jetzt sollen sie teilweise aufgewertet werden.

Stärkung des ländlichen Raums

Im Rahmen des Programms „Polis“ plant das Unternehmen, 7.000 Geschäftsstellen vor allem in kleineren, ländlichen Gemeinden auszubauen. Bürger sollen in den aufgewerteten Filialen staatliche Dokumente wie Pässe digital bestellen, aber auch Strom- und Gasverträge abschließen können. Einige Filialen sollen sogar Coworking Spaces und Aufladestationen für Elektroautos erhalten.

Von der EU gefördert

Von den 1,3 Mrd. Euro, die das Programm der Poste Italiane zur Aufwertung der Geschäftststellen insgesamt kostet, steuert die Europäische Union im Rahmen des Europäischen Wiederaufbauprogramm 800 Mill. Euro bei. Der Ansatz ist aber ein anderer als etwa bei der Südtiroler Sparkasse: Es ist eine Initiative zur Stärkung des ländlichen Raums und für die vielen dort lebenden älteren Bürger, die digitale Dienstleistungen bislang nicht nutzen.

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