Vergleich

Promifonds im Performancetest

Die von Prominenten gesteuerten Fonds haben in den vergangenen Monaten recht unterschiedlich abgeschnitten. Während die von Max Otte gelenkten Produkte deutlich an Wert verloren haben, überzeugt Lenny Fischers Zukunftsfonds. Dirk Müller hält sich, Grönemeyers Gesundheitsfonds enttäuscht.

Promifonds im Performancetest

Von Werner Rüppel, Frankfurt

Nein, „Herbie“ hat keinen Fonds aufgelegt. Aber sein Bruder, der Mediziner Dietrich Grönemeyer, hat im Juli 2020 den Grönemeyer Gesundheitsfonds Nachhaltig initiiert. Dietrich sieht übrigens dem Musiker Herbert recht ähnlich, insofern passt Grönemeyer-Fonds. Und Dietrich ist durch Funk und Fernsehen sowie seine Gesundheitsbücher recht bekannt, also durchaus ein Promi.

Neben Professor Grönemeyer werden mehrere Fonds von prominenten Persönlichkeiten betreut, wobei diese Prominenz nicht aus Erfolgen als Fondslenker herrührt. Zu diesen Prominenten zählen „Mister Dax“, Dirk Müller, sowie Max Otte, der als Vorsitzender der CDU-Werteunion und als Kandidat der AfD für die Wahl zum Bundespräsidenten von sich reden machte. Auch der bekannte Investmentbanker Leonhard „Lenny“ Fischer und der frühere Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, die 2017 den Zukunftsfonds ins Leben gerufen haben, zählen zu diesen Prominenten.

Doch wie haben diese Promi-Fonds in den vergangenen Monaten, in am Kapitalmarkt extrem schwierigen Zeiten abgeschnitten? Und wie sieht die langfristige Performance aus? Dazu haben wir uns das Abschneiden dieser Fonds auf Basis von neutralen Morningstar-Daten genau angeschaut.

Dirk Müller wird „Mister Dax“ genannt, weil er am Börsenparkett früher stets unter der großen Dax-Tafel gesessen hat. Wer schon einmal einem Vortrag von Müller zugehört hat, der weiß: Reden und auftreten, das kann er. Als Fondsmanager hat Müller aber seit Auflegung seines Premium Aktien Euro im April 2015 noch keine Werte geschaffen. Auf Sicht von fünf Jahren hat Müller mit seinem Produkt ein Minus von 0,1% p.a. erwirtschaftet und bleibt damit 1,6 Prozentpunkte hinter dem Durchschnitt der Morningstar-Vergleichsgruppe „Mischfonds EUR flexibel – Global“.

Im laufenden Jahr hat Müller aber von der defensiven Ausrichtung seines Produkts und von Absicherungsstrategien profitiert. Mit einem Minus von 2,4% hat sein Fonds um 8,8 Prozentpunkte besser abgeschnitten als der Kategoriendurchschnitt. Auf Jahressicht beträgt das Minus 3,7% (vergleiche auch Tabelle).

Der als Buchautor und Crash-Prophet bekannt gewordene Max Otte hat in der Vergangenheit seine Fonds mit wechselndem Erfolg gesteuert. Die aktuelle Krise am Aktienmarkt hat Otte aber wohl nicht gesehen, zumindest haben die von ihm betreuten Fonds zuletzt massiv an Wert verloren. So hat der Max Otte Vermögensbildungsfonds in diesem Jahr 28,4% eingebüßt, auf Jahressicht beträgt das Minus des Produkts satte 30,3%. Damit bleibt Otte 20,2 Prozentpunkte hinter dem Durchschnitt der Morningstar-Kategorie „Mischfonds EUR aggressiv – Global“ zu­rück. Aufgrund dieser zuletzt sehr schwachen Performance kann Ottes Vermögensbildungsfonds auch im langfristigen Performancevergleich nicht überzeugen.

Max Otte und sein Investmentteam steuern auch den weltweit in Aktien anlegenden PI Global Value Fund. Doch auch dieses Produkt hat auf Jahressicht mit einem Minus von 30,6% sehr enttäuschend abgeschnitten. Dies, obwohl der Fonds laut aktuellem Factsheet Ölaktien wie ExxonMobil oder Chevron hoch gewichtet hat.

Kaum Geld im Fonds

Die Anlagewelt revolutionieren wollten Lenny Fischer und Kai Diekmann, als sie 2017 den Zukunftsfonds ins Leben gerufen haben. Dazu wurde auch eigens ein Magazin „Zaster“ aufgelegt. Allerdings sind bisher nur 27 Mill. Euro im Zukunftsfonds angelegt. Der für die Kommunikation verantwortliche Diekmann muss also Gas geben. Investmentbanker Fischer ist Vorsitzender des Anlageausschusses und berät als solcher den Zukunftsfonds. Konkret gesteuert wird der Mischfonds von Volker Schilling über Greiff Capital. Und Schilling ist ein erfahrener Manager, der sein Handwerk beherrscht. So ist die größte Position des Zukunftsfonds in der aktuellen Baisse am Aktienmarkt Xetra-Gold, gefolgt von Positionen in US-Treasuries. Daher hat der Fonds im laufenden Jahr nur 2,2% an Wert verloren und nur 0,8% auf Sicht eines Jahres. Damit schneidet der Zukunftsfonds deutlich besser ab als vergleichbare Mischfonds. Auf Jahressicht schneidet das Produkt um satte acht Prozentpunkte besser ab als der Kategoriendurchschnitt der „Mischfonds EUR defensiv – Global“. Auch über drei Jahre stimmt die Performance mit 3,5% pro Jahr, Dafür bewertet Morning­star den Zukunftsfonds mit der Höchstnote von fünf Sternen. Die Performance stimmt also, in Sachen Fondsvertrieb und Kommunikation müssen aber Diekmann und Fischer besser werden oder vielleicht auch neue Wege gehen.

Doch was ist nun mit dem Grönemeyer-Gesundheitsfonds? Er ist erst seit Juli 2020 auf dem Markt, insofern ist der Beurteilungszeitraum kurz. Mediziner Dietrich Gröne­meyer ist zwar für die Ausrichtung des Fonds verantwortlich, umgesetzt wird das Konzept aber von Eichkatz Asset Managers. Das Ergebnis ist bisher enttäuschend: Im laufenden Jahr hat der Gesundheitsfonds 16,0% eingebüßt, auf Jahressicht beträgt das Minus 14,5%. Damit bleibt der Fonds auch deutlich hinter dem Kategoriendurchschnitt von vergleichbaren Produkten zurück. Aber auch wenn Dietrichs Fonds nicht gut performt, bleibt uns immer noch ein Platte von „Herbie“.

Promifonds im Vergleich
AuM in  Performance (%)Vola lfd. Kst.
NameISINMill. Eurolfd. Jahr1 J.3 J. p.a.5 J. p.a.(%)(%) p.a.
Dirk Müller Premium Aktien Euro DE000A111ZF1421−2,4−3,7−4,3−0,1 5,71,56
Max Otte Vermögensbildungsfonds AMI P(a)DE000A1J3AM3 55−28,4−30,3−8,5−3,720,31,90
PI Global Value Fund EUR P (Max Otte) LI0034492384 83−26,5−30,6−4,10,217,71,80
Der Zukunftsfonds C (Fischer + Diekmann)DE000A2DTM69 27−2,2−0,83,5 4,61,01
Grönemeyer Gesundheitsfonds Nachh. P (a)DE000A2PPHK4 16−16,0−14,52,07
Quelle: Morningstar, Stand: 5.7.2022; AuM = Assets under Management; p.a. = per annum; lfd. Kst. = laufende Kosten Börsen-Zeitung
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