Rüstungsaktien ziehen wieder an
Aktienmärkte
Rüstungsaktien ziehen wieder an
Dax mit moderaten Verlusten – Puma, Schaeffler und Tonies gefragt
tom Frankfurt
Der deutsche Leitindex hat vor dem Wochenende noch ein Mal Verluste hinnehmen müssen. Zum Handelsschluss notierte das Börsenbarometer am Freitagabend bei 23.902 Zählern (-0,6%). Damit ist der Dax auch unter die runde Marke von 24.000 Punkten gefallen. Auf Wochensicht steht unter dem Strich ein Verlust von fast 2%.
Verunsicherung über die Entwicklung der Konjunktur und Inflation sorgte für Zurückhaltung bei den Anlegern. Auf die Stimmung drückten zudem Sorgen über den künftigen geldpolitischen Kurs der US-Notenbank Fed. Außerdem haben sich die jüngsten Entspannungssignale im Ukraine-Krieg bisher nicht weiter konkretisiert.
Schwacher Einzelhandel
Die anhaltende Wirtschaftsschwäche trieb die Arbeitslosigkeit in Deutschland im August erstmals seit gut zehn Jahren über die Drei-Millionen-Marke. Auch der deutsche Einzelhandel startete überraschend schlecht in die zweite Jahreshälfte, obwohl die Kaufkraft der Arbeitnehmer im zweiten Quartal erneut gestiegen war. Es sei auch nicht davon auszugehen, dass sich in den kommenden Monaten ein Aufwärtstrend herausbildet, sagte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. „Die Sparneigung nimmt in Anbetracht schwacher Konjunkturmeldungen zu“, erläuterte der Experte.
Der Stillstand in den Friedensbemühungen rund um die Ukraine trieb Rüstungswerte in der Anlegergunst wieder ganz nach oben. Passend zur Kursstärke der Branche finden am Freitag die Beratungen der deutschen und der französischen Regierung über Wirtschafts- und Sicherheitsfragen in der Küstenstadt Toulon statt. Die Papiere von Rheinmetall kletterten an der Dax-Spitze um fast 4%. Im MDax zählten die Titel von Hensoldt und Renk zu den besseren Werten. Daneben legte die Puma-Aktie um über 3% zu, nachdem die Schweizer Großbank UBS das Kursziel von 16,30 auf 20,90 Euro angehoben und die Papiere des Sportartikelherstellers von „Sell“ auf „Neutral“ hochgestuft hat. Die Fundamentaldaten blieben mau, die Kursentwicklung könnte sich aber zunächst davon abkoppeln, schrieb Robert Krankowski am Freitag. Die Diskussionen dürften sich nach den jüngsten Spekulationen nämlich vor allem um die weiteren Pläne der Familie Pinault mit ihrem Anteil von 29% drehen.
Gerresheimer tauscht CFO aus
Mit moderaten Aufschlägen reagierten Anleger auf die Bekanntgabe eines neuen Finanzchefs bei Gerresheimer. Im Monatsverlauf waren die Papiere des Verpackungsspezialisten auf einen Tiefststand seit dem Jahr 2014 gefallen. Die Veränderung im Management sei lange überfällig, der neue Finanzchef dürfte von den Anlegern mit offenen Armen empfangen werden, kommentierte Pallav Mittal von der Bank Barclays.
An der SDax-Spitze verteuerten sich die Papiere von Schaeffler um über 5% und damit auf den höchsten Stand seit mehr als 14 Monaten. Die Citigroup hatte die Aktie zuvor von „Neutral“ auf „Buy“ hochgestuft und das Kursziel von 5,00 auf 6,75 Euro erhöht. Das Unternehmen könnte sich zu einem „Champion“ im Bereich Hardware für humanoide Aktuatoren entwickeln, ein Markt, dessen Volumen bis zum Jahr 2050 auf mehr als 1 Bill. US-Dollar geschätzt werde, erklärte Analyst Ross Macdonald. Daneben zogen die Anteilsscheine von Adesso nach einer Kaufempfehlung von Kepler Cheuvreux an. Die kurzfristigen Risiken seien zu hoch gehängt worden, schrieben die Kepler-Experten. Gleichzeitig werde den besseren Aussichten für die Profitabilität zu wenig Beachtung geschenkt.
Rally bei Tonies geht weiter
Gefragt waren auch die Papiere von Tonies, die ihre Erholungsrally fortsetzten und über 12% zulegten. Analyst Oliver Wojahn von MWB Research hob sein Kursziel auf 11,70 Euro an und blieb bei seiner Kaufempfehlung. Die Audio-Plattform für Kinder komme am 15. September in Europa mit ihrer bisher größten Produktinnovation an den Markt.
An der Börse in London schickten Spekulationen auf eine neue Steuer die Aktien britischer Großbanken wie Natwest, Lloyds und Barclays auf Talfahrt. Die Londoner Denkfabrik Institute for Public Policy Research (IPPR) hatte der britischen Regierung eine Besteuerung der Zinsen empfohlen, die Banken für ihre Einlagen bei der Bank of England (BoE) erhalten. Aus dem Anleihekaufprogramm der BoE fließen den Banken derzeit rund 22 Mrd. Pfund (26 Mrd. Euro) pro Jahr zu.