Schwieriges Umfeld für Rohstofftitel

Makro-Sorgen belasten - Analysten räumen Palladium-, Gold- und Kupferanbietern mehr Chancen ein

Schwieriges Umfeld für Rohstofftitel

Der Handelskonflikt und Sorgen vor einer Rezession haben viele Rohstoffpreise belastet und zu Kurskorrekturen in Rohstoffaktien geführt. Belastend wirken auch Umweltprobleme. So wird eine Neuordnung von Assets in der Branche erwartet – doch die Hoffnung auf eine rasche Erholung dürfte verfrüht sein. Von Dietegen Müller, FrankfurtSeit dem Tweet von US-Präsident Donald Trump Anfang August, neue Zölle auf rund 300 Mrd. Dollar chinesische Importgüter einzuführen, sind die Preise für Industriemetalle wie Palladium, Zinn, Nickel oder Eisenerz unter Druck geraten. Befürchtet wird, dass durch eine Eskalation des Handelskonflikts eine deutliche Abkühlung der globalen Konjunktur eintritt und damit auch eine sinkende Nachfrage nach Rohstoffen.Damit hat sich auch das Umfeld für Aktien, die in engem Zusammenhang mit der Rohstoffnachfrage stehen, wie Minengesellschaften oder Metallverarbeitern, eingetrübt. Dies hat beispielsweise Titel wie South32 oder Glencore belastet. Das in Australien gelistete Unternehmen South32 ist aus der Abspaltung des Aluminium-, Mangan- und Nickel-Geschäfts von BHP entstanden.Auch wenn die Preisentwicklung im Rohstoffmarkt vielen Faktoren unterliegt, ist nach der Kurskorrektur in Rohstoffaktien nun der Moment gekommen, zu investieren? Immerhin bieten viele Aktien von Rohstoffunternehmen derzeit noch beachtliche Dividendenrenditen (vgl. Tabelle). Darauf verlassen sollten sich Anleger aber nicht. Der Sektor gilt zudem als prädestiniert für Restrukturierungen. So wird spekuliert, dass die hoch verschuldete Glencore sich vom Kohlegeschäft trennen könnte, das rund ein Drittel des operativen Ergebnisses (Ebitda) ausmacht. Ungelöste UmweltfragenEs ist zudem offensichtlich, dass der Rohstoffsektor als ein Wirtschaftsbereich, der bislang wenig Gewicht auf umwelt- und sozialverträgliche Produktionsbedingungen gelegt hat, in Zugzwang gerät. Auch deshalb könnte es zu einer Neuordnung von Assets kommen. So könnte zwischen Beteiligungen unterschieden werden, die eine problematische Umwelt- und Energiebilanz aufweisen, und solchen, die im Umbau der Wirtschaft hin zu weniger Treibhausgasemissionen eine Rolle spielen. Simon Thompson, Chairman des Rohstoffriesen Rio Tinto, hatte 2018 erklärt, die globale Erderwärmung sei die größte langfristige Bedrohung für sein Unternehmen.Doch derzeit beschäftigen eher kurzfristige Entwicklungen den Markt. US-Präsident Trump zuletzt etwas zurückgerudert ist und die Einführung neuer Zölle auf einige chinesische Güter verschoben hat, gab es eine leichte Erholung bei den Industriemetallen. Eine Trendwende ist damit nach Einschätzung von Analysten nicht erreicht. Günstige Bewertungen Die britisch-südafrikanische Investec rät in einer aktuellen Studie davon ab, Basismetalle überzugewichten, da es nur geringe Anzeichen einer kurzfristig bevorstehenden Lösung des Handelsstreits gebe. “Es ist immer noch zu früh, Basismetalle positiv zu beurteilen”, so Investec.Trotzdem empfiehlt das Institut einige Rohstoffaktien zum Kauf, wie Anglo American, Antofagasta, BHP Group oder Glencore. Aktien von diversifizierten Minengesellschaften sind laut Investec nach dem Kursrutsch der vergangenen Wochen grundsätzlich auf einem attraktiven Niveau bewertet, etwa gemessen am Verhältnis von Unternehmenswert zu dem in den nächsten zwölf Monaten erwarteten operativen Ergebnis (EV/Ebitda). Dort liege das Verhältnis zwischen 3 bis 5, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) betrage etwa zwischen 8 und 10.Wie Daten des Finanzdatendienstleisters S&P Capital IQ zeigen, weisen Anglo American und Rio Tinto das niedrigste KGV auf Basis von zwölf Monaten aus, gefolgt vom Kupferhersteller und -recycler Aurubis und dem schwedischen Minen- und Metallrecyclingkonzern Boliden. Vergleichsweise teuer sind dagegen gemessen an dieser Kennziffer Antofagasta, Polymetal sowie BHP Group.Allerdings folgen der zuversichtlichen Einschätzung von Investec für große Minenkonzerne nicht alle Analysten. Besonders stark auseinander gehen die Meinungen bei Glencore. Deutsche Bank und das Researchhaus Alphavalue raten zum Kauf. Pessimistischer ist J.P. Morgan in ihrer Einschätzung. Die US-Investmentbank hat die Titel auf “Underweight” gesetzt, da die Makro-Risiken zunehmen würden. Die schlechtere Entwicklung im operativen Geschäft im Vergleich zu Wettbewerbern wie Rio Tinto, BHP Group oder Anglo American sei auch regulatorischen Problemen geschuldet. So hat das US-Justizministerium 2018 eine Untersuchung gegen Glencore wegen möglicher Verletzung von Antikorruptions- und Geldwäschegesetzen bei Geschäften in Nigeria, in der Demokratischen Republik Kongo und Venezuela eingeleitet (vgl. BZ vom 4. Juli 2018).Auch die Schweizer Großbank UBS wie auch BoA ML stufen Glencore nur mit “Neutral” ein. Im laufenden Jahr habe die Aktie wegen des Rohstoffmix schlechter abgeschnitten, so baut Glencore kein Eisenerz ab – wo der Konzern von steigenden Notierungen hätte profitieren können -, und das wichtige Kohlegeschäft litt unter fallenden Preisen für Thermalkohle. Hinzu kommen Probleme im Kobalt-Markt, wo der Preis in diesem Jahr eingebrochen ist, Glencore schließt deswegen die weltgrößte Kobalt-Mine im Kongo – was als Chance für chinesische Kobalt-Minenbetreiber gesehen wird.Wegen des vergleichsweise hohen Anteils an Industriemetallen sowie der hohen Verschuldung – UBS errechnet für 2020 eine Nettoverschuldung von über 31 Mrd. Dollar bei einem operativen Ergebnis vor Steuern (Ebit) von 5,9 Mrd. Dollar – gilt Glencore als anfälliger für die Auswirkungen einer Eskalation im Handelskonflikt. Anglo American empfohlenAnglo American werden dagegen wegen der starken Position im Platinmarkt von Analysten Chancen zugebilligt. Die schwächere südafrikanische Währung führt laut Investec zu robusten Betriebsmargen im Bereich der Gruppe der sogenannten Platinmetalle. Dies kommt dem weltgrößten Platinproduzenten Anglo American entgegen. Abgesehen von Investec rät auch Jefferies zum Kauf – wie insgesamt siebzehn von S&P Capital IQ erfasste Adressen, die Anglo American entweder zum Kauf empfehlen oder mit “Overweight” einstufen. Nur drei raten zum Verkauf oder zum Untergewichten.Abgesehen von der Gruppe der Platinmetalle werden mittel- bis langfristig auch Kupfer Chancen eingeräumt. Das leitfähige und hitzebeständige Metall zählt zu den bevorzugten Industriemetallen, weil etwa erwartet wird, dass eine steigende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen auch zu einer höheren Kupfernachfrage führen dürfte. Nickel durchlebt wiederum dieser Tage eine Sonderkonjunktur. Der Nickelpreis ist in den vergangenen Tagen auf ein Rekordhoch gestiegen, weil befürchtet wird, dass Indonesien einen für 2022 geplanten Exportstopp vorziehen könnte. Zu den größten Nickelproduzenten gehört abgesehen von BHP Group auch der russische Platin- und Nickelriese Norilsk Nickel oder die brasilianische Minengesellschaft Vale. Aurubis mit SchwierigkeitenDer wichtigste deutsche Rohstofftitel ist die Kupferschmelze Aurubis. Längere wartungsbedingte Schließungen von Produktionsanlagen und die Einstellung des FCM-Projekt (Future Complex Metallurgy), das aus Aurubis einen Multi-Metall-Anbieter gemacht hätte, haben den Aktienkurs belastet. M.M. Warburg rät angesichts der “niedrigen Bewertung” weiter zum Kauf mit einem Kursziel von 60 Euro. Durch den Kauf des spanisch-belgischen Recyclingunternehmens Metallo soll es Aurubis möglich werden, noch komplexere Materialien zu verarbeiten und wertvolle Materialien wie Nickel, Zink, Zinn und Blei zu gewinnen.Eine deutliche Ergebnisverbesserung dürfte sich wohl nach 2020 einstellen, wenn sich das Verhältnis von Hütten- und Minenkapazitäten zugunsten der Hüttenindustrie entwickle. Aurubis ist nicht von der Kupferpreisentwicklung, sondern von der Entwicklung der Schmelzlöhne für Kupfer sowie vom Preis für Kupferschrott abhängig. Allerdings raten nur fünf von Bloomberg erfasste Analysten zum Kauf, neun zum Halten und drei zum Verkauf. Auch bei dem auf Recycling spezialisierten schwedischen Metallspezialisten und Minenbetreibers Boliden sind die Analysten vorsichtig, von 18 von Bloomberg erfassten Analysten empfehlen fünf den Kauf, elf das Halten und zwei den Verkauf der Aktien.Fast alle Analysten attestieren Rohstoffkonzernen mit Aktivitäten im Edelmetallgeschäft, namentlich dem Goldmarkt, Rückenwind. So dürfte der Goldpreis von weiter fallenden Anleiherenditen und sinkenden Notenbankzinsen profitieren könnte. Sinkende Renditen und Zinsen bedeuten auch geringere Opportunitätskosten für das Halten von Gold: Wenn keine Zinsen gezahlt werden, ist es nicht unattraktiver, ein Edelmetall zu halten, das keine Zinsen abwirft.Steen Jakobsen, Chefvolkswirt von Saxo Bank, geht von einer steigenden Nachfrage nach Gold aus, und dies trotz eines seiner Meinung nach deflationären Umfelds. Ein Grund sei die steigende Nachfrage der Zentralbanken, die angesichts sinkender Staatsanleiherenditen dazu gezwungen sein dürften, ihre Reserven stärker in Gold zu investieren. Abgesehen von Goldminenbetreibern wie Goldcorp, Barrick Gold, Newmont Mining oder Polyus Gold ist auch der Rohstoffriese Anglo American stark im Goldabbau engagiert.