US-Zölle belasten stark

Wachstum in der Schweiz kommt fast zum Erliegen

Die Wirtschaft in der Schweiz wächst kaum noch und die Aussichten sind wegen der Zölle düster. Die Sorgen vor Negativzinsen nehmen daher zu.

Wachstum in der Schweiz kommt fast zum Erliegen

Wirtschaftswachstum in der Schweiz kommt fast zum Erliegen

Zölle belasten stark – Regierung senkt Prognose für 2026

mpi Frankfurt

Die Sorgen vor Negativzinsen in der Schweiz nehmen zu. Die Wirtschaft des Landes ist bereits vor der Eskalation im Handelskonflikt mit den USA kaum noch gewachsen. Im zweiten Quartal legte das um Sportevents bereinigte BIP um nur 0,1% gegenüber dem Vorquartal zu, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) der Schweiz mitteilte. Zum Jahresauftakt hatte es noch ein Wachstum um 0,7% gegeben.

Die industrielle Wertschöpfung und der Außenhandel sind von April bis Juni deutlich zurückgegangen. Ursächlich dafür ist der Zollstreit mit den USA, dem wichtigsten Exportland für die Schweizer Unternehmen. Im laufenden Quartal sieht die Lage für den Außenhandel noch schlechter aus. Der Handelskonflikt eskalierte weiter und seit Anfang August gilt für die Schweiz ein Basiszollsatz der USA von 39% – einer der höchsten weltweit.

Schwierige Handelsgespräche

Die Regierung in Bern verhandelt derzeit mit den USA über eine Zollsenkung. Reuters berichtet mit Berufung auf Insider, dass die Schweiz den Vereinigten Staaten im Gegenzug einen besseren Marktzugang im Bereich Energie sowie mehr Käufe von US-Rüstungsgütern zusagen könnte. Die Verhandlungen gestalten sich allerdings schwierig. Nach Einschätzung einiger Beobachter belastet das Verhältnis der beiden Staatspräsidenten zudem die Verhandlungen. „Die persönliche Chemie zwischen Donald Trump und Karin Keller-Sutter passt nicht“, sagt Karsten Junius, Chefvolkswirt der Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin.

„Der isolierte Fokus auf den Handelsüberschuss der Schweiz mit den USA kam gerade recht, ein Machtexempel zu statuieren“, sagt Christof Reichmuth, Präsident des Verwaltungsrats des Schweizer Vermögensverwalters Reichmuth & Co. „Für eine kleine, offene Volkswirtschaft, die vom Freihandel und komparativen Vorteilen lebt, ist das ein Schock.“ Er betont jedoch auch die allgemeine Stärke der Schweizer Industrie. „Eine Rezession sollte derweil vermieden werden, solange pharmazeutische Produkte nicht von den Zöllen betroffen sind“, meint auch Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank.

SNB zurückhaltend bei Negativzinsen

Das Seco senkte wegen der Zölle am Donnerstag seine Prognose. Es rechnet nun nur noch mit einer Zunahme des BIP im kommenden Jahr um 0,8%. Zuvor hatte die Vorhersage 1,2% betragen. Weniger wirtschaftliche Dynamik schwächt die Inflation ab. Die Teuerung lag zuletzt bei nur 0,2%. Daher gibt es Spekulationen über eine weitere Zinssenkung der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Damit läge der Leitzins im negativen Bereich. SNB-Vizepräsident Antoine Martin wies am Mittwoch darauf hin, dass die Hürden für diesen Schritt hoch seien. Eine Lockerung bereits Ende September auf der nächsten Sitzung gilt als unwahrscheinlich.