Konjunkturumfrage

Zinssenkungshoffnungen beflügeln ZEW-Barometer

Analysten sind so zuversichtlich für die deutsche Konjunktur wie seit Ausbruch des Ukrainekriegs nicht mehr. Hoffnungsträger sind Zinssenkungserwartungen und eine sich erholende Weltwirtschaft.

Zinssenkungshoffnungen beflügeln ZEW-Barometer

ZEW-Barometer auf Zwei-Jahres-Hoch

Zinssenkungshoffnungen beflügeln Konjunkturerwartungen

ba Frankfurt

Finanzmarktexperten blicken inzwischen so zuversichtlich auf die deutsche Konjunktur wie zuletzt vor etwas mehr als zwei Jahren. Wirklich optimistisch sind sie indes auch im April noch nicht, wie die Monatsumfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt. Es sind vor allem die Aussichten auf eine baldige Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie die stärker Tritt fassende Weltwirtschaft, die die Stimmung beflügeln.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind zum Vormonat um 11,2 auf 42,9 Punkte gestiegen. Ökonomen hatten zwar den neunten Anstieg in Folge erwartet, den neuen Zählerstand aber mit 35,5 prognostiziert. Höher notierte das Barometer zuletzt im Februar 2022, dem letzten Monat vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Die aktuelle Lage hingegen wurde kaum besser bewertet als im März. Der entsprechende Indikator legte um 1,3 auf –79,2 Punkte zu. Ökonomen hatten hier einen Anstieg auf –76,0 Zähler erwartet.

„Eine sich erholende Weltwirtschaft hebt die Erwartungen für Deutschland“, kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach. Die Hälfte der Befragten erwarte in den kommenden sechs Monate eine Erholung der deutschen Konjunktur. „Stark verbesserte Lageeinschätzungen und Konjunkturerwartungen in den deutschen Exportländern tragen zu dem gestiegenen Optimismus bei“, sagte Wambach. Dies zeige sich auch in der erwarteten Aufwertung des Dollar zum Euro.

„Zudem rücken erste Leitzinssenkungen der EZB näher“, benennt Marc Schattenberg von der Deutschen Bank einen weiteren Hoffnungsträger. Dies zeigt sich im Optimismus der zinssensitiven Branchen – die Konjunkturerwartungen der Baubranche sind um 12,8 auf –14,6 Punkte gestiegen. Als weitere positive Faktoren benennt Valentin Jansen von der Nord/LB die stark verbesserten Lageeinschätzungen und Konjunkturerwartungen wichtiger deutscher Exportdestinationen. Der Indikator für China hat um 9,6 auf 30,5 Zähler zugelegt, während das US-Barometer um 5,0 auf –0,7 Punkte kletterte. Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, mahnt allerdings: „Konjunkturbelebung ja, Aufschwung nein, lautet aber lediglich die Botschaft.“

Ein ähnliches Bild zeigt die Umfrage unter 165 Analysten für die Eurozone. Hier kletterten die Konjunkturerwartungen um 10,4 auf 43,9 Punkte. Der Lageindikator legte um 6,0 auf –48,8 Punkte zu.

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