LeitartikelStaatsanleihemarkt

Die Karten im Linker-Markt werden neu gemischt

Der Bund stellt die Emission der Inflationsanleihen 2024 ein, weil sich die Produkte nicht mehr rechnen. Die Frage ist nun, wie sich andere Emittenten der Eurozone im Linker-Segment verhalten werden. Folgen sie dem Bund?

Die Karten im Linker-Markt werden neu gemischt

Inflationsanleihen

Die Karten werden neu gemischt

Von Kai Johannsen

Die Nachricht hat bei den Akteuren am Staatsanleihemarkt der Eurozone für Aufsehen gesorgt: Nach rund 18 Jahren zieht sich der Bund als Benchmark-Emittent des gemeinsamen Währungsgebietes aus dem Marktsegment der inflationsindexierten zentralstaatlichen Schuldverschreibungen zurück. Ab 2024 wird es keine Emissionen von sogenannten Inflation-Linked Bonds – kurz Linker – mehr geben. Die bestehenden Papiere bleiben den Anlegern selbstredend erhalten.

Aus Sicht des Emittenten ist die Entscheidung nachvollziehbar und absolut nicht zu kritisieren. Das Refinanzierungsprodukt des deutschen Zentralstaates ist nicht wirtschaftlich, es rechnet sich einfach nicht mehr. Und da die Deutsche Finanzagentur als Liquiditäts- und Schuldenmanager des Bundes agiert – denn Hausherr der Finanzagentur ist das Bundesfinanzministerium – und damit für die Gesamtheit der deutschen Steuerzahler, muss Finanzagentur-Geschäftsführer Tammo Diemer die Wirtschaftlichkeit der eingesetzten Finanzprodukte in regelmäßigen Abständen überprüfen und eine Einstellung von Instrumenten dem Finanzminister empfehlen, wenn diese wirtschaftliche Ziele nicht mehr nur nicht erreichen, sondern gar konterkarieren. Das hat Diemer nun getan und damit im Sinne der Steuerzahler gehandelt.

Die Frage ist doch aber nun, wie es am europäischen Bondmarkt im Linker-Segment weitergeht. Wenn schon der Benchmark-Emittent der Eurozone keine Wirtschaftlichkeit der inflationsgeschützten Produkte mehr feststellen kann, wie sieht es denn bei anderen Emittentenadressen aus, also eben aus der zweiten und dritten Reihe? Noch verhalten sich diese Emittenten alle ruhig, verständlich, denn die Nachricht über den Rückzug des Bundes aus dem Inflationssegment ist ja erst wenige Tage im Markt. Das muss erst mal verarbeitet werden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie es nun bei den Emittenten weitergehen könnte. Erstens: Wenn der Bund schon keine Wirtschaftlichkeit der Linker mehr registriert, sieht es bei anderen Adressen womöglich genauso aus. Vielleicht sind diese Staaten deshalb besonders froh, dass der Bund den ersten Schritt macht und seinen Linker-Rückzug angekündigt hat. Erst mal gucken dann alle auf ihn, und wenn dann Nummer 2 und 3 folgen, ist das Stirnrunzeln und eine etwaige Kritik nicht mehr so groß. Da nun im Dezember die Bekanntgabe der Emissionsplanungen der Staaten für das nächste Jahr anstehen, könnte es also gut sein, dass der eine oder andere sich dem Bund anschließt und eine Einstellung oder zumindest eine Reduktion der Emissionsvolumina der Linker für 2024 ankündigt. Das werden die Leitungen der Debt Management Offices nun mit ihren Finanzministern besprechen. Eine Bekanntgabe im Dezember ist gut möglich, aber auch, dass andere Adressen erst 2024 ihre Entscheidungen herbeiführen und dann kommunizieren. Zweitens: Möglich ist auch, dass sich die zweite und dritte Emittentenreihe in der Eurozone aus dem Rückzug des Bundes eigene Vorteile im Linker-Segment erhoffen. Auch Diemer hat eingeräumt, dass man entweder vor der Entscheidung des Rückzuges oder dem massiven Ausbau des Segments stand, um auch dort die eigenen Liquiditätsziele zu erreichen. Könnte also gut sein, dass andere Emittenten nun ihr Engagement im Linker-Markt intensivieren.

Kaum zu erwarten ist, dass der Bund auf Sicht von zwei, drei Jahren in den Linker-Markt zurückkehrt. Ein derartiges Hin und Her würde nicht zum langfristig ausgelegten Kapitalmarktauftritt passen, das sind Investoren nicht gewöhnt, das wäre für den Bund auch eher kontraproduktiv. Was aber passieren könnte, ist, dass Gebietskörperschaften, etwa die Länder, ihren Auftritt am Linker-Markt intensivieren, um die entstandene Lücke zu schließen. Bleibt zu hoffen, dass sie die Schließung der Lücke zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen vornehmen können, auch sie sind dem Steuerzahler verpflichtet. Wie dem auch sei: In den kommenden Monaten werden die Karten am Linker-Markt neu gemischt, es ist mit Verschiebungen am Markt zu rechnen. Nur die Richtung ist eben alles andere als klar und hängt davon ab, wie Investorenpräferenz und Nachfrageverhalten, künftige Inflationsentwicklung, Liquiditätsaspekte etc. eingeschätzt werden.

Der Bund gibt die Emission der Inflationsanleihen 2024 auf. Die Frage ist, wie andere Emittenten der Eurozone darauf reagieren.

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