Immobilienfinanzierung

Berlin Hyp verknüpft Refinanzierung mit Klimaziel

Berlin Hyp hat als erste Bank einen Sustainability-Linked Bond platziert und ihre Refinanzierung mit ihrem Klimaziel verknüpft. Das Volumen der zehnjährigen Anleihe beläuft sich auf 500 Mill. Euro. Das Investoreninteresse ist groß. Die erste Anleihe dieser Art hat 2019 der italienische Energiekonzern Enel begeben.

Berlin Hyp verknüpft Refinanzierung mit Klimaziel

sp Berlin

Der gewerbliche Immobilienfinanzierer Berlin Hyp verknüpft die Refinanzierung seiner Immobiliendarlehen mit seinen Klimazielen. Das Institut hat dazu einen Sustainability-Linked Bond mit einem Volumen von 500Mill. Euro platziert. Der letzte Kupon vor dem Endfälligkeitsdatum in zehn Jahren hängt vom CO2-Fußabdruck des finanzierten Immobilienportfolios ab. Verfehlt die Pfandbriefbank ihr Ziel, die CO2-Intensität ihres Gesamtportfolios bis 2030 um 40% zu senken, erhalten Investoren 25 Basispunkte oben drauf. „Das ist für uns eine ganz besondere Emission“, sagte Bodo Winkler-Viti, Leiter Funding und Investor Relations der Berlin Hyp, im Gespräch mit Journalisten. Bislang hätten sich vor allem Industrieunternehmen an das relativ junge Refinanzierungsinstrument herangetraut. „Wir sind die erste Bank überhaupt, die einen Sustainability-Linked Bond platzieren konnte.“

Der Pionier in diesem Markt ist der italienische Energiekonzern Enel, der im September 2019 den ersten Sustainability-linked Bond mit einem Volumen von 1,5 Mrd. Dollar platzierte. Im vergangenen Jahr erreichte das Gesamtvolumen nach Angaben des Informationsdienstes Bloomberg New Energy Finance ein Volumen von 9 Mrd. Dollar, während der Markt für Green Bonds auf 300 Mrd. Dollar zusteuerte (siehe Grafik). Im Unterschied zu grünen Anleihen sind die Erlöse aus der Platzierung von Sustainability-Linked Bonds nicht auf die Finanzierung von grünen Projekten beschränkt. Stattdessen erhält der Emittent aber einen finanziellen Anreiz, seine Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Voraussetzung dafür ist freilich, dass der Emittent ein ausreichend klares und messbares Ziel definiert hat, wie Winkler-Viti betont. Die Sustainability-Linked Bond Principles der International Capital Market Association (ICMA) sähen vor, dass ein Emittent zunächst einen relevanten Key Performance Indicator (KPI) definieren muss. Auf dieser Basis müsse ein quantifizierbares Ziel festgelegt werden. Im Falle der Berlin Hyp lautet es, den CO2-Fußabdruck des gesamten von ihr finanzierten Immobilienportfolios von aktuell 38,6 kg pro Quadratmeter bis 2030 um 40% zu senken.

„Das halten wir für ambitioniert, aber für erreichbar“, sagt Winkler-Viti und verweist dazu auch auf die Einschätzung der Ratingagentur Sustainalytics, die zum Sustainability-Linked Bond Framework der Berlin Hyp eine wohlwollende Second-Party Opinion vorgelegt hat und auch mit der Methodik hinter der Datenerhebung zum KPI zufrieden ist. „Wir glauben dass wir eine der ganz wenigen Banken sind, die in der Lage sind, den CO2-Fußabdruck ihres Portfolios zu berechnen“, betont Winkler-Viti. Die Arbeit am Sustainability-Linked Bond Framework habe neun Monate in Anspruch genommen.

Gute Resonanz im Markt

Die Resonanz des Finanzmarkts ist positiv ausgefallen. Die Syndikatsbanken Commerzbank, Crédit Agricole, DZ Bank, HSBC und LBBW hätten am Montag innerhalb weniger Stunden Orders mit einem Volumen von mehr als 1 Mrd. Euro erhalten, teilte BerlinHyp mit. Der Re-Offer Spread von 35 Basispunkten sei für eine zehnjährige Senior-Preferred-Anleihe in Europa so niedrig wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr ausgefallen. Der Kupon zahlt 0,375% und die Rendite liegt bei 0,41%. Am finalen Orderbuch haben sich insgesamt 73 Investoren aus 13 Ländern beteiligt, wobei 71% des Volumens von Investoren aus Deutschland gestemmt wurden. Das Bankhaus Lampe nahm bei der Transaktion die Rolle eines Co-Leadmanagers wahr. Crédit Agricole war außerdem für die Strukturierung des Sustainability-Linked Framework zuständig.

Weitere Emissionen von Refinanzierungsinstrumenten mit direktem Link zu den Klimazielen der Bank sind möglich, aktuell aber nicht in der Planung, sagte Winkler-Viti. Andere grüne Refinanzierungsinstrumente sollen von Sustainability-Linked Bonds bei der Berlin Hyp nicht verdrängt werden. „Wir lieben Green Bonds und werden sie auch weiterhin zur Refinanzierung von Darlehen für grüne Immobilien einsetzen“, stellt Winkler-Viti klar. Mit insgesamt 13 ausstehenden grünen Anleihen zählt das Institut zu den aktivsten Emittenten von Green Bonds in der euro­päischen Geschäftsbanklandschaft. 2015 emittierte die Bank den ersten grünen Pfandbrief überhaupt. Jetzt ist dem Institut die nächste Premiere gelungen.