Kryptoplattform

Bullish-Spac dreht Extrarunde

Seit einem Jahr schraubt die Kryptoplattform Bullish Global an ihrem Spac-Listing. Das Ganze könnte eine Nummer kleiner ausfallen gegenüber der ursprünglichen Bewertung von 9 Mrd. Euro. Und Block One als treibender Kraft drohen Klagen aus der Blockchain-Szene, die Versprechen als nicht erfüllt betrachtet.

Bullish-Spac dreht Extrarunde

bg Frankfurt

Die mit großen Plänen gestartete Kryptobörse Bullish Global hat ihren Spac-Börsengang immer noch nicht abschließen können. Wie die Gesellschaft kürzlich mitteilte, hat man die am 8. Juli auslaufende Vereinbarung mit den Investoren bis zum Jahresende verlängert. Dafür werde dem aufnehmenden Spac-Vehikel Far Peak eine Gebühr von 2,5 Mill. Dollar gezahlt, um dort Working-Capital-Bedürfnisse zu befriedigen. Der Spac-Börsengang war vor einem Jahr angekündigt worden und wartet, wie viele andere Vehikel, auf grünes Licht der SEC. Die hatte allerdings die Bedingungen für Spacs vor Monaten verschärft, was neben einem Zulassungsstau auch in Absagen mündete.

Für Bullish hat das nun zur Folge, dass man auf die sogenannten PIPE-Investoren verzichten muss, die bei Notiz 30 Millionen Aktien im Volumen von 300 Mill. Dollar zeichnen wollten. Andere Spac-Aspiranten wie Etoro hatten ihren PIPE-Investoren die Nachlieferung von zusätzlichen Aktien zugesagt – aber inzwischen fährt Etoro zweigleisig und eruiert eine private Finanzierungsrunde. Bullish hingegen hält an ihren Spac-Plänen fest, auch wenn die Bewertung von 9 Mrd. Dollar kaum noch realisierbar erscheint. Denn der in den Spac einzubringende Bitcoin-Bestand des Bullish-Großaktionärs Block One von 160000 Stück dürfte heute bestenfalls noch die Hälfte wert sein gegenüber den 6,5 Mrd. Dollar 2021. Block One hatte über ein Initial Coin Offering (ICO) mehrere Milliarden Dollar eingenommen und wollte ihre Feuerkraft nun in Bullish einbringen, um einen Handelsplatz mit tiefer Liquidität aufzubauen. Im März teilte Bullish mit, dass seit Handelsaufnahme auf der Plattform im Dezember ein Volumen von 14 Mrd. Dollar abgewickelt wurde.

Mit dem Rückgang der Krypto-Notizen haben sich aber einige Trader aus dem Markt zurückgezogen; und einige Plattformen sind auch schon in die Bredouille gekommen, da der Wert von Krypto-Sicherheiten (Collateral) gesunken ist und Trader nun mit Nachschusspflichten konfrontiert werden. In diesem Umfeld fallen die Bewertungen in sich zusammen.

Bullish geht aktuell aber davon aus, dass das Spac-Listing bis Ende September abgeschlossen werden kann. Bullish hat starke Investoren mit Thiel Capital plus Founders Fund, Christian Angermayers Apeiron Investment, Nomura und Galaxy Digital sowie die Milliardäre Alan Howard, Richard Li und Louis Bacon. Das Listing soll an der Nyse stattfinden – und Bullish hatte schon vor einem Jahr gesagt, dass sich die Bewertung dann an den aktuellen Asset-Preisen orientieren werde.

Kompliziert wird die Lage dadurch, dass gegenüber Block One eine Klageandrohung über 4,1 Mrd. Dollar besteht. Denn die in der Eos Network Foundation gebündelten Blockchain-Entwickler sehen sich von Block One und deren CEO Brendan Blumer getäuscht und fordern besagte Summe ein, da nicht wie versprochen in Eos-Projekte investiert worden sei. Tatsächlich ist die eigentlich leistungsfähige Blockchain nie richtig in Schwung gekommen und verlor mit Daniel Larimer ihren Chefentwickler, der nun für die Stiftung programmiert, die als „block producer“ mit Änderung eines Skript schon die Kontrolle über die Blockchain übernommen hat.

Die Sachlage im Streit ist von außen schwer zu beurteilen, denn zum einen hat Block One nachvollziehbar in einige Eos-Projekte investiert und auch einen speziellen VC-Fonds dafür aufgestellt. Das groß geplante soziale Netzwerk Voice musste aber mehr oder weniger eingestampft werden, nachdem das zentrale Element des Eos-Token von der SEC als Wertpapier eingestuft wurde und Block One damit keine wirtschaftliche Machbarkeit mehr sah. Zum anderen ist Eos gegenüber dem Wettbewerb zurückgefallen und Block One erkennbar auf Bullish fokussiert, wo man seine Assets einbringt – was auf Kosten von Eos geschehen könnte. Andererseits soll Eos auch in Bullish eingebunden sein und so aufgewertet werden.

Für das Sprachrohr der Eos-Stiftung Yves La Rose (Twitter handle: BigBeardSamurai) hat Block One die Investoren abgezogen. Man werde alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen für Schadenersatz, kündigte er am 30. Juni an – und wies darauf hin, dass die Strafverfolgungsbehörden inzwischen härter gegen solche „bad actors“ vorgingen. Der kanadische Unternehmer La Rose erhält zwar viel Zuspruch in sozialen Medien, ob das vor Gericht hilft, steht jedoch in den Sternen: Blumer hatte mal 1 Mrd. Dollar an Eos-Investitionen öffentlich zugesagt, dies aber an keinen Zeitraum geknüpft. La Rose hatte jedenfalls eine weitere Drohung in den Raum gestellt, die er auch schon in die Tat umsetzte: Block One solle das intellektuelle Kapital an die Stiftung übergeben, sonst würde die Community den Code so verändern, dass Block One keinen Zugang zu 100 Millionen EOS-Token hätte, was eigentlich im Code festgeschrieben ist für die kommenden zehn Jahre. Nach einer gütlichen Einigung sieht das nicht aus. Und wenn eine Klage kommt, könnte Block One möglicherweise gezwungen sein, Rückstellungen zu bilden.

BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.