Autobanken

Gewinnmaschine im VW-Konzern

VW Financial Services erzielen erneut ein außergewöhnliches Ergebnis von 5,6 Mrd. Euro. Verantwortlich für das Ergebnis waren gute Geschäfte bei Gebrauchtwagen und eine niedrige Risikovorsorge.

Gewinnmaschine im VW-Konzern

wbr Frankfurt

Der Bereich Finanzdienstleistungen des VW-Konzerns hat 2022 erneut ungewöhnlich erfolgreich abgeschlossen. Volkswagen Financial Services (VWFS) kam auf ein Ergebnis von 5,60 Mrd. Euro (Vj. 5,67). „Wir sind mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr trotz aller Herausforderungen sehr zufrieden“, zeigte sich Christian Dahlheim, Vorstandsvorsitzender von VWFS, bescheiden. Sein Haus werde den Weg zum Mobilitätsdienstleister des Konzerns weiter fortsetzen. Der Bereich VWFS umfasst neben der Finanzdienstleistungssparte auch die Volkswagen Bank und weitere Tochtergesellschaften. Die Einheit weist per Ende 2022 eine Bilanzsumme von 240 Mrd. Euro auf. Für die kommenden fünf Jahre rechnet der Vorstand mit einem deutlichen Ausbau des Geschäfts und einer Steigerung der Bilanzsumme um 50%.

Die Finanzsparte bei Volkswagen wird maßgeblich dominiert vom Autogeschäft. Der Vertragsbestand hat sich im vergangenen Jahr mit 22 Millionen Stück auf dem Niveau des Vorjahres gehalten. In den Vertragsbestand fließen zu etwa gleichen Teilen Finanzierungen, Leasingverträge, Dienstleistungen und Versicherungen ein. 2022 haben insbesondere die hohen Gebrauchtwagenpreise das Geschäft angetrieben. Wegen der Knappheit von Halbleitern sanken die Absatzzahlen bei Neuwagen, und gleichzeitig stiegen die Preise für Gebrauchtfahrzeuge stark. Damit konnte das Haus Leasingrückläufer mit hohem Gewinn verkaufen.Positiv wirkten auch die besonders niedrigen Risikokosten. Hintergrund war auch die staatliche Unterstützung für Unternehmen und Privatpersonen, sodass die Kreditrisiken geringer ausfielen als erwartet. Mit einer Normalisierung der Gebrauchtwagenpreise und einem Rückgang bei der staatlichen Unterstützung werden diese Sondereffekte jedoch wieder wegfallen. „Es ist absehbar, dass dieses Ergebnis kurzfristig nicht wiederholbar sein wird“, sagte Finanzvorstand Frank Fiedler. Einen Korridor für das Ergebnis 2023 wollte er nicht nennen, langfristig sei ein Gewinn von 4 Mrd. Euro realistisch. Die Volkswagen Bank, größte Autobank in Deutschland, steuerte 761 Mill. Euro zum Ergebnis von VWFS bei. Die Bilanzsumme der Bank blieb mit 26 Mrd. Euro weitgehend stabil. Angesichts der gestiegenen Zinsen wirbt die Bank derzeit um neue Kunden mit erhöhten Konditionen bei Tagesgeld von 2,25% (ab Ende März). Für Bestandskunden werde der Tagesgeldzinssatz auf 0,6% steigen. VWFS finanziert sich je zu einem Drittel über die Einlagen der Bank, Anleihen und ABS.

Für die kommenden Jahre hat sich die Finanzsparte des Autokonzerns vorgenommen, der Mobilitätsdienstleister innerhalb der Gruppe zu werden. Kern dieser Maßnahmen wird eine stärkere Integration der Volkswagen Bank werden, sodass ab Mitte 2014 die ganze Europa-Finanzholding der EZB-Aufsicht unterliegen werde. Die Unternehmensstrategie setzt auf integrierte und App-basierte Mobilitätsangebote, abhängig von den Nutzungswünschen der Kunden. Geplant ist eine engere Zusammenarbeit mit Europcar, der seit Mitte 2021 mehrheitlich zu VW gehört. Europcar-Stationen und VW-Händler sollen mehr zusammenrücken.

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