IT-Integration

Postbank-Kunden gehen mäßig begeistert in die Cloud

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing bezeichnet die IT-Migration der Postbank auf die gemeinsame Plattform als eines der größten IT-Vorhaben der europäischen Bankbranche. Die Kunden sind genervt.

Postbank-Kunden gehen mäßig begeistert in die Cloud

Von Philipp Habdank

und Anna Sleegers, Frankfurt

„Gemeinsam in die Zukunft: Unser IT-System zieht um – Ihr Postbank Girokonto zieht zum 1. April 2023 mit“. Nicht wenigen der Millionen Postbank-Kunden mag dieses Schreiben, das ihnen im Januar in den Briefkasten flatterte, wie ein Drohbrief vorkommen. Sie können nur hoffen, dass ihr Kontoumzug reibungsloser vonstatten gehen wird als der Umzug von 4 Millionen Produktverträgen auf die neue, cloudbasierte IT-Plattform, die sich die blauen und die gelben Kunden der Deutschen Bank künftig teilen sollen.

Um nach der bereits im Frühjahr 2022 erfolgten Migration der 4 Millionen Sparkunden der Postbank die zweite Stufe zu zünden und zugleich im Hintergrund die neue Systemlandschaft fertigzustellen, hatte der Konzern das Online- und Mobile Banking für satte zweieinhalb Tage eingeschränkt, was den einen oder anderen genervt haben dürfte. Als die Bauarbeiten am Montagnachmittag endlich beendet waren, klemmte es an vielen Stellen – zumindest, wenn man den Klagen der Postbank-Kunden im Freundeskreis, in den sozialen Netzwerken und auf den einschlägigen Websites wie Allestörungen.de Glauben schenkt.

Mit der für seine Auftritte typischen Mischung aus demütiger Selbstkritik und sportlicher Großspurigkeit räumte Christian Sewing auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag zwar ein, dass der Umzug nicht ganz ruckelfrei vonstatten gegangen ist. Angesichts von Millionen betroffenen Kunden stellten die rund 1 000 Beschwerden, die bei der Deutschen Bank eingegangen seien, jedoch einen ganz guten Schnitt dar, so der Vorstandschef sinngemäß.

Die interne Erleichterung darüber, dass es nicht schlimmer gekommen ist, dürfte tatsächlich groß sein. Ein Sprecher unterstreicht auf Nachfrage, dass der zweiten Migrationswelle aufgrund der Produktvielfalt und der hohen Komplexität des Vorhabens eine besonders große Bedeutung zukam. Ziel der von Sewing als eines der größten IT-Migrationsprojekte im europäischen Bankensektor bezeichneten Übung ist es, künftig ein leistungsfähigeres Angebot vorzuhalten – dank Cloud zu deutlich niedrigeren Kosten. Von 2025 an will die Deutsche Bank damit 300 Mill. Euro im Jahr sparen.

Auch die Banking-App der Postbank soll von der Zukunftstechnologie profitieren. Die ebenfalls zum Jahreswechsel absolvierte Ablösung des vielleicht ein bisschen in die Jahre gekommenen, aber funktionierenden Postbank Finanzassistenten durch die Postbank App kam allerdings alles andere als gut an. Langfristig soll mit der neuen App alles besser werden, doch das kurzfristige Kunden-Feedback ist eine Katastrophe. Im Google Play Store bewerteten 2 758 frustrierte Kunden die App mit 1,4 von 5 möglichen Sternen. Im Apple-Universum ist die Stimmung mit 1,3 von 5 Sternen nicht besser.

Der Hauptgrund für die schlechten Bewertungen ist das Fehlen von Funktionen, die der Finanzassistent seit Jahren beherrscht. Nach Angaben der Bank sollen laufende Releases dazu führen, dass die App das alles auch bald kann – und noch viel mehr. Bis auf Weiteres nehmen die Nutzer die neue Postbank App jedoch als Rückschritt wahr.

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