Corona-Effekt

Wertpapiergeschäft trägt Frankfurter Sparkasse

Für das Provisionsergebnis hat sich die Frankfurter Sparkasse viel vorgenommen. Ein florierendes Aktien- und Fondsgeschäft bringt die Helaba-Tochter ihrem Ziel näher. Zugleich belastet die Pandemie.

Wertpapiergeschäft trägt Frankfurter Sparkasse

jsc Frankfurt

Ein florierendes Wertpapiergeschäft hat die Frankfurter Sparkasse ihrem Ziel nähergebracht, den Provisions­überschuss gegenüber dem Zinsergebnis auszubauen und als stabile Ertragssäule zu etablieren: Im vergangenen Jahr erhöhte die Helaba-Tochter die Ertragsgröße um 11,7 Mill. Euro auf 97,3 Mill. Euro und glich den Rückgang des Zinsüberschusses, der um 17,5 Mill. Euro auf 235,3 Mill. Euro nachgab, somit größtenteils aus. Steigende Wertpapiergeschäfte der Sparer waren dabei der wesentliche Grund für den Zuwachs der Erträge, wie Sparkassenchef Ingo Wiedemeier am Freitag auf der Bilanzpressekonferenz sagte.

Vor allem mit Aktien, aber auch mit Fondsanteilen handelten die Kunden stärker als zuvor, im Vertrieb waren Fondssparpläne gefragt. Im laufenden Jahr floriere das Wertpapiergeschäft bislang ebenfalls, was Wiedemeier auch mit den Kurshöchstständen an den Börsen erklärte. „Wir glauben, dass wir jetzt eine Fortsetzung des Wertpapiergeschäfts erzielen, so dass wir hoffentlich auch die 100-Mill.-Euro-Provisions-Grenze knacken werden.“ Im Dezember hatte Wiedemeier im Gespräch mit der Börsen-Zeitung das Ziel ausgerufen, binnen zwei Jahren den Provisionsüberschuss über die Marke von 100 Mill. Euro zu hieven. Die gesamte Helaba hatte sich zuvor bereits das Ziel gesetzt, den Provisionsüberschuss von knapp 400 Mill. Euro auf 500 Mill. Euro zu erhöhen.

Wie andere Geldhäuser auch spürte die Frankfurter Sparkasse im vergangenen Jahr die Folgen der Coronakrise: Die Kreditrisikovorsorge fiel mit 17 Mill. Euro deutlich höher aus als zuvor, im laufenden Jahr werde sie voraussichtlich weiter steigen, sagte Wiedemeier. Die Einlagen stiegen stärker, und zwar um mehr als 600 Mill. Euro auf 17,7 Mrd. Euro, als das Kreditvolumen, das um gut 400 Mill. auf 10,1 Mrd. Euro zulegte. Die Geldautomaten der Sparkasse wurden seltener genutzt. Ein Teil der 61 Filialen hatte in der Coronakrise zeitweilig geschlossen, doch endgültig dicht habe die Sparkasse keinen Standort gemacht, hieß es. Kooperationen nach dem Modell der Finanzpunkte, die gemeinsam von Taunus Sparkasse und Frankfurter Volksbank betrieben werden, seien für die Frankfurter Sparkasse wegen der Größe ihrer Geschäftsstellen und der Stadtlage kein Modell.

Für hohe Kontobestände verlangt die Frankfurter Sparkasse wie in der Branche vielfach praktiziert einen Negativzins. Er greift ab einem Bestand von 100000 Euro und ab 50000 Euro bei der Direktbanktochter 1822. Die Sparkasse spreche nach und nach alle betroffenen Kunden an und suche nach „einvernehmlichen Lösungen“, sagte Wiedemeier. Für den negativen Einlagensatz der EZB habe das Institut 2020 einen einstelligen Millionenbetrag berappt.

Der Jahresüberschuss fiel im Vergleich zum Vorjahr um zwei Drittel auf 15,0 Mill. Euro. Neben den Erträgen hat zwar auch der Verwaltungsaufwand nachgegeben, zugleich fiel aber die Risikovorsorge ins Gewicht. Mit 2019 sind die Zahlen jedoch kaum vergleichbar: Eine üppige Steuerrückerstattung einerseits und eine hohe Dotierung für Vorsorgereserven und allgemeine Risiken andererseits hatten das Ergebnis geprägt.

Für das laufende Jahr gibt die Sparkasse – trotz Optimismus für den Provisionsüberschuss und Pessimismus für die Risikovorsorge – keine Prognose ab. „Zielgerichtet und epidemiologisch hoffnungsvoll“ blicke das Institut auf das Jahr 2022, wenn das 200. Jubiläum ansteht.

Frankfurter Sparkasse
Kennzahlen nach HGB
in Mill. Euro20202019
Zinsüberschuss235,2252,8
Provisionsüberschuss97,385,6
Verwaltungsaufwand252,0262,7
Sonst. Ertrag/Aufwand−15,34,6
Ergebnis vor Bewertung65,380,3
Bewertungsergebnis−19,1−3,2
Ergebnis vor Steuern46,277,1
Vorsorgereserven7,929,7
Fonds allg. Bankrisiken0,030,0
Steuern23,3−27,6*
Jahresüberschuss15,045,0
Bilanzsumme (Mrd.)21,019,8
Kernkapitalquote (%)20,018,4
Mitarbeiter (Anz.)15951620
*) RückerstattungBörsen-Zeitung